Der als „Plagiatsjäger“ bekannt gewordene österreichische Kommunikationswissenschaftler Stefan Weber wirft dem Wirtschaftsminister und Kanzlerkandidaten Robert Habeck (Grüne) Plagiate in dessen im Jahr 2000 vollendeter Doktorarbeit vor. In welchem Umfang, ist bislang unklar. Stefan Weber hat noch nichts auf seinem Blog zu Habeck veröffentlicht. Weber hatte schon 2021 Plagiatsvorwürfe gegen die damalige Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock veröffentlicht.
Robert Habeck kam einer Veröffentlichung der Vorwürfe am Montagmittag zuvor und wehrte sich auf X gegen die Anschuldigungen.
Habeck sagt: Ich habe Vorwürfe vorab prüfen lassen
„Ich habe mich entschieden, das Ganze transparent zu machen. Denn ich kenne die Vorwürfe – und konnte sie vorab prüfen lassen“, schreibt Habeck auf X. Die Ombudsstelle der Universität Hamburg habe die Vorwürfe entkräftet und bestätigt, dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten vorliege. Er habe auch den Präsidenten der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften, um eine Einschätzung gebeten. „Auch er hat keine Zweifel an der Eigenständigkeit der wissenschaftlichen Arbeit.“
Und weiter: „Die Anschuldigungen – übrigens nicht wie sonst Textplagiate, sondern Ungenauigkeiten in den Fußnoten – stammen vom Plagiatsjäger Stefan Weber. Wer ihn beauftragt hat und wer ihn bezahlt, weiß ich nicht, da er seine Geldquellen ja im Verborgenen lässt und über seine Geldgeber keine Transparenz herstellt. Einmal konnte durch journalistische Recherche aufgezeigt werden, dass es das Nachrichtenportal Nius war.“
Habeck beendet den Post damit: „Herr Weber wird auch Vorwürfe gegen die Doktorarbeit meiner Frau erheben. Meine Frau kandidiert aber für kein politisches Mandat. Sie ist nicht Teil dieses Wahlkampfs. Ich bitte darum, meine Familie rauszuhalten.“
Universität Hamburg bestätigt: „Kein wissenschaftliches Fehlverhalten“
Der Pressesprecher des Präsidenten der Universität Hamburg bestätigte auf Nachfrage der Berliner Zeitung Habecks Darstellung der Vorgänge. Der Vizekanzler sei im Januar auf die Ombudsstelle der Universität zugegangen, die die Vorwürfe untersucht habe. Eine Person mit „ausgewiesener wissenschaftlicher Fachexpertise“ sei hinzugezogen worden, die die Vorwürfe „im Einzelnen sorgfältig begutachtet und fachlich eingeordnet hat“.
Im Ergebnis habe das Gutachten „kein wissenschaftliches Fehlverhalten“ festgestellt. Zusätzlich habe das Gutachten Habeck Empfehlungen zur Überarbeitung „einzelner Zitate und Fußnoten“ mitgeteilt, die jedoch auf heutigen wissenschaftlichen Standards beruhten. Ein weiteres Gutachten, das neue Vorwürfe prüfe, sei derzeit in Bearbeitung.
Wahlkampfmanager von Habeck warnt vor „durchsichtigen Manövern“
Auch Andreas Audretsch, Wahlkampfmanager von Robert Habeck, meldete sich am Montag zu Wort. Er sprach in einer Stellungnahme von „Desinformationskampagnen“. Weiter sagte er: „Wir wissen, dass Putins Russland oftmals Urheberin dieser gezielten Falschinformationen im Internet ist, die zuletzt wiederholt Robert Habeck, aber auch Friedrich Merz diskreditieren und ihre Integrität untergraben sollten.“
Im Inland gebe es ebenso Akteure und Gruppen, die mit Desinformation die anstehende Wahl zu beeinflussen suchten. Audretsch bat darum, mit „Falschinformationen oder durchsichtigen Manövern verantwortlich umzugehen“. Dies sei insbesondere dann problematisch, wenn Auftraggeber oder Finanzierungsquellen nicht bekannt seien.
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