Notaufnahme

Mann aß ständig Rote Bete – dann brach er zusammen und seine Haut wurde grau

Ein Amerikaner verliert beim Abendessen plötzlich das Bewusstsein. Im Krankenhaus entdecken Ärzte eine gefährliche Wechselwirkung zwischen seiner Ernährung und einem Medikament.

4 Min
Gekochte Rote Bete gilt als gesundes Lebensmittel.

Gekochte Rote Bete gilt als gesundes Lebensmittel.

© IMAGO/Zoonar.com/Markus Grummt

Rote Bete gilt als gesund. Doch einem älteren Amerikaner wurde seine ungewöhnliche Vorliebe für das Gemüse beinahe zum Verhängnis. Der 82-Jährige brach beim Abendessen plötzlich zusammen. Als Rettungskräfte eintrafen, war sein Blutdruck gefährlich niedrig, seine Haut hatte sich schiefergrau verfärbt. In der Notaufnahme stießen Ärzte auf eine seltene und lebensbedrohliche Veränderung seines Blutes.

Den außergewöhnlichen Fall schildern vier Mediziner der University of California in Los Angeles in einem Fallbericht im Fachjournal The Journal of Emergency Medicine.

Sauerstoff hilft nicht: Ärzte entdecken seltene Blutstörung

Der Mann hatte beim Abendessen plötzlich Schwäche und Schwindel verspürt und schließlich das Bewusstsein verloren. Im Krankenhaus erhielt er hoch dosierten Sauerstoff. Doch die am Finger gemessene Sauerstoffsättigung blieb bei nur 88 Prozent. Bei gesunden Menschen liegt der Wert normalerweise zwischen 95 und 100 Prozent.

Eine Blutgasanalyse zeigte dagegen einen ungewöhnlich hohen Sauerstoffpartialdruck. Dieser Widerspruch brachte die Ärzte auf die richtige Spur: Der Patient litt an einer sogenannten Methämoglobinämie.

Bei dieser seltenen Blutstörung wird ein Teil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin chemisch verändert. Das betroffene Hämoglobin kann keinen Sauerstoff mehr transportieren. Dadurch droht eine gefährliche Unterversorgung des Gewebes.

Bei dem Patienten waren bereits 20,9 Prozent des Hämoglobins betroffen. Normalerweise liegt der Anteil unter zwei Prozent. Besonders gefährlich war das für den Mann, weil er bereits an einer schweren Erkrankung der Herzkranzgefäße litt. Erst zwei Monate zuvor waren ihm bei einem komplizierten Eingriff Gefäßstützen eingesetzt worden.

Fast drei Kilogramm Rote Bete pro Woche – dazu ein Herzmedikament

Bei der Suche nach der Ursache stießen die Ärzte auf eine ungewöhnliche Ernährungsgewohnheit: Der Rentner hatte zuletzt bis zu 2,7 Kilogramm gekochte Rote Bete pro Woche gegessen und zusätzlich den übrig gebliebenen Kochsud getrunken.

Die enormen Mengen waren nach Einschätzung der Mediziner allerdings nicht allein für den Notfall verantwortlich. Entscheidend war vermutlich das Zusammenwirken mit einem Herzmedikament namens Isosorbidmononitrat, das der Patient wegen seiner Herzerkrankung einnahm.

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Rote Bete enthält von Natur aus relativ viel Nitrat. Dieses kann im Körper teilweise in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit wiederum kann den roten Blutfarbstoff verändern und damit dessen Fähigkeit zum Sauerstofftransport beeinträchtigen.

Auch das Herzmedikament des Patienten gehört zu den organischen Nitraten. Die Ärzte führen die schwere Blutstörung auf das Zusammenwirken der außergewöhnlich hohen Nitrataufnahme über die Ernährung und des Arzneimittels zurück.

Die Mediziner verabreichten dem Mann schließlich Methylenblau. Der synthetische Farbstoff wird bei einer Methämoglobinämie als Gegenmittel eingesetzt. Die Behandlung schlug an: Seine Haut nahm wieder eine normale Farbe an, der Anteil des veränderten Hämoglobins sank und die Sauerstoffsättigung stieg ohne zusätzliche Sauerstoffzufuhr auf 99 Prozent.

Der Patient erholte sich und konnte das Krankenhaus nach einer Ernährungsumstellung verlassen.

Wie gefährlich ist Rote Bete wirklich?

Nach Angaben der Autoren handelt es sich um den ersten wissenschaftlich beschriebenen Fall, bei dem der übermäßige Verzehr ganzer Roter Bete bei einem Erwachsenen als Auslöser einer Methämoglobinämie identifiziert wurde. Vergleichbare Erkrankungen durch nitrathaltiges Gemüse waren zuvor vor allem bei Säuglingen dokumentiert worden.

Eine allgemeine Warnung vor Roter Bete lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Der Patient hatte außergewöhnlich große Mengen verzehrt und gleichzeitig ein nitrathaltiges Medikament eingenommen. Zudem handelt es sich um einen einzelnen Fallbericht.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beschäftigte sich zuletzt mit Nitrat in Lebensmitteln. In einer am 12. Oktober veröffentlichten Stellungnahme kommt die Behörde zu dem Ergebnis, dass bei durchschnittlicher Nitrataufnahme für die meisten Menschen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten sind. Die möglichen Folgen der Umwandlung von Nitrat in Nitrit wurden darin allerdings nicht gesondert bewertet.

Das BfR empfiehlt ausdrücklich nicht, den Gemüseverzehr einzuschränken. Der gesundheitliche Nutzen einer gemüsereichen Ernährung überwiege die möglichen Risiken. Verbraucher sollten allerdings auf eine abwechslungsreiche Gemüseauswahl achten.

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