Nordatlantik

„Macht projizieren“: USA sehen Island als Außenposten im Nordatlantik

Der US-Außenminister besucht Reykjavik und verweist auf wachsende militärische, wirtschaftliche und infrastrukturelle Risiken im hohen Norden.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
US-Außenminister Marco Rubio und Islands Außenministerin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir in Reykjavik

US-Außenminister Marco Rubio und Islands Außenministerin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir in Reykjavik

© Mark Schiefelbein/imago

Die USA wollen mit Island sicherheitspolitisch enger zusammenarbeiten. Das erklärte US-Außenminister Marco Rubio am Dienstag bei einem Besuch in Reykjavik. Das nordatlantische Land spiele eine zentrale Rolle für die Verteidigung des Nordatlantiks und der Arktis, sagte Rubio bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner isländischen Amtskollegin Thorgerdur Katrín Gunnarsdóttir.

Die Bedrohungen in der Region nähmen zu, Washington sei offen für Gespräche über eine Vertiefung der Kooperation. Darüber berichtete der isländische öffentlich-rechtliche Rundfunk RÚV.

Verweis auf Abschreckung von Gegnern

Island nehme eine kritische strategische Position für die westliche Sicherheit ein, sagte Rubio laut der Nachrichtenagentur Reuters. Er verwies auf Bedrohungen in den Bereichen Militär, Wirtschaft und Infrastruktur im hohen Norden.

Das Land habe es den US-Streitkräften ermöglicht, „Macht zu projizieren“ und diene als Außenposten zur Überwachung verdeckter Aktivitäten und zur Abschreckung von Gegnern. „Wir wären offen für Gespräche darüber, was wir gemeinsam mehr tun können“, sagte Rubio. Islands geografische Lage sei sowohl für die Verteidigung Europas als auch für die der USA selbst von Bedeutung.

Mit knapp 400.000 Einwohnern zählt der Inselstaat im Nordatlantik südlich des Polarkreises zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Über Jahrhunderte war Island mit Dänemark verbunden, 1918 wurde es ein souveräner Staat und ist seit 1944 Republik. Island ist Gründungsmitglied der Nato, gehört aber nicht zur Europäischen Union.

Ökonomisch ist das Land hoch entwickelt: Neben Fischerei und Fischverarbeitung sind vor allem Tourismus, Aluminiumindustrie und die Energiegewinnung aus Wasserkraft und Erdwärme wichtige Wirtschaftszweige.

Besuch nach diplomatischen Spannungen

Rubios Besuch fällt in eine Phase diplomatischer Spannungen. Anfang September hatte Reykjavik US-Botschafter Billy Long einbestellt, nachdem Präsident Donald Trump auf Truth Social eine Karte veröffentlicht hatte, auf der neben den USA auch Kanada, Grönland, Island, Mexiko sowie Mittelamerika und die Karibik unter einer US-Flagge und mit der Beschriftung „Vereinigte Staaten von Amerika“ dargestellt waren.

Außenministerin Gunnarsdóttir nannte den Beitrag nach Angaben der isländischen Zeitung Heimildin „vollkommen unangemessen“ und betonte Islands Souveränität. Ministerpräsidentin Kristrún Frostadóttir sprach von einer Beleidigung für Isländer, Kanadier und Grönländer.

Der damals als Botschafter nominierte Long hatte bereits im Januar für Verstimmung gesorgt. Gegenüber US-Abgeordneten soll Long gescherzt haben, Island werde nach Grönland der 52. Bundesstaat der USA. Trump fordert seit längerem die Kontrolle über Grönland und hat eine gewaltsame Übernahme des weitgehend autonomen dänischen Gebiets nicht ausgeschlossen. Regierung und Bevölkerung Grönlands lehnen einen solchen Anschluss ebenso ab wie Kopenhagen.

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Konkrete Zusagen zu einem Ausbau der US-Militärpräsenz auf der Insel machte Rubio nicht. Island unterhält keine eigenen Streitkräfte. Auf dem früheren US-Stützpunkt Keflavík sind seit Jahren wechselnde Einheiten zur Luftraumüberwachung und U-Boot-Aufklärung stationiert.

Es ist der erste Besuch eines US-Außenministers in Island seit 2021, als Antony Blinken unter Präsident Joe Biden nach Reykjavik gereist war.

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