Diplomatie

Ex-Nato-Botschafter wirft Rubio Flucht vor Krisen vor – sein Vize kontert mit einem Wutanfall

US-Chefdiplomat wirbt in Samarkand um Rohstoffe und Investitionen, während Sondergesandte die brisanten Konflikte übernehmen. Jetzt gab es deswegen einen öffentlichen Schlagabtausch.

3 Min
US-Außenminister Marco Rubio besuchte am 19. Oktober 2026 den Registan-Platz in Samarkand – begleitet von Kritik an seinen Reiseprioritäten.

US-Außenminister Marco Rubio besuchte am 19. Oktober 2026 den Registan-Platz in Samarkand – begleitet von Kritik an seinen Reiseprioritäten.

© Kylie Cooper/Pool Reuters/AP/dpa

US-Außenminister Marco Rubio hat am Sonnabend eine sechstägige Reise nach Usbekistan und Indien angetreten, begleitet von mehr als 200 Wirtschaftsvertretern – und wachsender Kritik an seinen Prioritäten. Statt in den Krisengebieten des Nahen Ostens oder in der Ukraine aufzutreten, ließ sich Rubio im Zentrum von Samarkand fotografieren.

Die Reise wirft eine Frage auf, die auch europäische Verbündete betrifft: Wer führt eigentlich die US-Außenpolitik, wenn der Außenminister anderswo ist? Und wie setzen Regierungen Prioritäten?

Fünf Staatschefs, ein Investitionsforum und geschlossene Türen

Das offizielle Tagesprogramm des State Department listet Gespräche mit dem usbekischen Außenminister, das C5+1-Ministertreffen mit Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Turkmenistan sowie eine Audienz bei Präsident Shavkat Mirziyoyev. Mehrere Termine waren für die Presse nicht zugängig.

Es ist Rubios erster Besuch in Zentralasien. Die Reiseankündigung nennt danach Mumbai und Jamnagar als Stationen bis zum 22. Oktober. Wirtschaft, Energie und kritische Rohstoffe stehen im Mittelpunkt.

„Immer nur dorthin, wo es brennt“ – Rubios Erklärung

Vor der Abreise fragte ein Reporter, warum ausgerechnet jetzt Usbekistan. Rubio antwortete laut Wortprotokoll des Außenministeriums: „Darunter leiden unter anderem die strategischen Besuche – man besucht immer Orte, an denen gerade eine Krise herrscht oder ein Problem vorliegt.“ Der Termin habe für alle fünf zentralasiatischen Partner gepasst.

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Das Ministerium ergänzte, Rubios Aufgabe bestehe nicht darin, „ein öffentliches Profil um jede Herausforderung herum aufzubauen“. Die wirkungsvollste Diplomatie finde oft jenseits des Rampenlichts statt.

Daalder gegen Landau: Ein Streit, der den Riss in Washington offenlegt

Der frühere US-Nato-Botschafter Ivo Daalder formulierte den schärfsten Vorwurf auf X: Rubio habe in zwanzig Amtsmonaten „die Hauptstädte, die Krisen und die Verhandlungen, die das Amt definieren, weitgehend gemieden“. Entweder sei er überlastet – oder er kalkuliere, dass seine politische Zukunft besser gedeihe, wenn er Themen mit hohem Scheiterrisiko fernbleibe.

Vizeaußenminister Christopher Landau schoss auf X zurück: Daalders Sicht verkörpere „den Niedergang und die Dekadenz des außenpolitischen Establishments“. Wer verlange, dass ein Außenminister nur Nato-Hauptstädte bereise, setze Lateinamerika und andere Regionen herab. Er riet Daalder, weiter „akademische Seminare abzuhalten und bedeutungslose Preise zu verleihen“.

Rohstoffe und Geopolitik: Warum Zentralasien kein Nebenschauplatz ist

Die Region zwischen Russland, China und Iran besitzt eigenes strategisches Gewicht. Al Jazeera ordnete die Reise in den Versuch der fünf Staaten ein, ihre Abhängigkeit von Moskau und Peking durch zusätzliche Partner zu verringern. RFE/RL betonte, entscheidend sei nicht die hochrangige Aufmerksamkeit, sondern ob daraus dauerhafte Kooperation entstehe.

Reuters stellte die Reise den gleichzeitig laufenden Krisen gegenüber, hob aber hervor, dass Washington Zentralasien wegen seiner Rohstoffe und möglicher russischer Sanktionsumgehung strategisch aufwerte.

Ukraine-Krieg: Rubio redet trotzdem – aber andere verhandeln

Am 19. Oktober äußerte sich Rubio in Samarkand vor Reportern zum Ukrainekrieg und wies Berichte über eine Unterbrechung des Geheimdienstaustauschs mit Kiew zurück. Das relativiert die These einer vollständigen Krisenvermeidung.

Zugleich bleibt Rubio bei keiner der großen Verhandlungsrunden der öffentlich sichtbare Hauptakteur. Iran, Gaza, Russland, Ukraine und China liegen in den Händen von Sondergesandten wie Steve Witkoff, Jared Kushner und Tom Barrack. Seine jüngsten Reisen führten nach Island, Griechenland, Portugal, Kolumbien, Ecuador und Peru – keines davon ein unmittelbarer Krisenherd.

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