Rudi Strahl ist gestorben, und im Zeitungsarchiv liegt noch ganz oben auf dem Stapel diese kleine, lächerliche, alles sagende deutsch-deutsche Agenturmeldung (West) vom 14. März 1986. So was druckt man im Wortlaut: Der DDR-Schriftsteller Rudi Strahl darf offenbar doch zur Uraufführung seiner Komödie "Das Blaue vom Himmel" am 16. April nach Osnabrück reisen. Wie der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Hornhues in Bonn mitteilte, hat der DDR-Staatsratsvorsitzende Honecker ihm telegrafisch mitgeteilt, "dass hier nichts bekannt ist von der Nichtgestattung der Reise".Da hatte der erfolgreichste DDR- Komödienautor damals selbst etwas höchst bitter Komödiantisches erleben können: Ein Autor schreibt bloß lustige Stücke und der SED-Genosse Honecker will plötzlich nicht mehr wissen, dass er die Reise verboten hatte und der SPD-Genosse Hornhues teilt die Auskunft diplomatisch mit. So war Kleindeutschdeutschland. Aber was wollte Strahl bloß im Westen? Selbst er hatte die Nase voll.Im Westen kannte ihn ja niemand, und es waren reine DDR-Alltagsstoffe, die er schrieb. Rudi Strahl, am 14. September 1931 in Stettin geboren, hatte erst einmal acht Jahre anständig gedient. Bei der NVA. Er war Adjutant eines Generals, er war Radsportprofi, er war ein Gemütskerl, der Humor hatte und das Grübeln kriegte. Ein etwas schallender Humor, ein nicht sehr zweiflerisches Grübeln. Sein Kollege und Freund Peter Hacks spottete, Strahl ärgere sich nur, "dass Parteisekretäre nicht hellsehen können". Hacks vermutete, dass Strahl "einen Vorrat von komischen theatralischen Konstellationen besitzt, und die durch einen Computer laufen lässt, bis eine derselben zu seinem Problem passt." Zu den bekanntesten Stücken gehörten "Ein irrer Duft von frischem Heu", "In Sachen Adam und Eva", "Arno Prinz von Wolkenstein". Sie wurden an der Theaterfront der DDR auf und nieder gespielt, der "Irre Duft" am Gorki-Theater einige hundert Mal, es hat den Leuten sehr gefallen. Nach Strahls Vorlagen entstanden mehr als 40 Kino- und Fernsehfilme, darunter "Meine Freundin Sibylle", "Einfach Blumen aufs Dach", "Ein ehrlicher Finder". Millionen Zuschauer sahen sie. Die Gesamtauflage seiner Bücher erreichte fast fünf Millionen Exemplare. Sie wurden in 26 Sprachen übersetzt. Nach der Wende ließ der Erfolg nach, doch Strahl gab nicht nach. Für Harald Juhnke schrieb er den Fernsehfilm "Ein Kerl wie Samt und Seide". Am Staatstheater Cottbus wurde der Schwank "Kein Bahnhof für zwei" uraufgeführt. Bitter empfand er den Tod seines Sohnes Bob, der 1997 im Alter von 38 Jahren starb und nach zwei eigenen Erzählbänden am Beginn eines schriftstellerischen Weges stand. Vater Strahl erhielt Auszeichnungen und Theaterpreise, darunter den Goethepreis und den Lessingpreis, zuletzt den Volkstheaterpreis des Landes Baden-Württemberg.Das Stück "Das Blaue vom Himmel" wurde 1984 in "Theater der Zeit" gedruckt, die Uraufführung an der Ostberliner Volksbühne abgeblasen, die NVA soll Anstoß genommen haben, weil Strahl ihre Rolle als "Friedensgarant" verspottet habe. Im Stück übernahmen die himmlischen Heerscharen das Kommando über das weltweite Sicherheitsdenken, der Erzengel Michael war Oberbefehlshaber, Erzengel Gabriel der misstrauische Geheimdienstchef. Es wurde in Osnabrück tatsächlich uraufgeführt. Strahl ist nicht dorthin gefahren. In der Nacht zum Freitag ist er im Alter von 69 Jahren in Berlin an Krebs gestorben.
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