Die Brandenburger JU-Chefin Laura Strohschneider, seit 2023 Landesvorsitzende der CDU-Jugendorganisation, hat ihr Amt niedergelegt und ist aus der CDU ausgetreten. In einer Erklärung an die Mitglieder, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, begründet die 29-Jährige den Schritt mit scharfer Kritik am Spitzenpersonal und am Kurs der Bundesregierung.
Sie schäme sich für die Bundespolitik. Fast zehn Jahre lang hatte sich die Juristin in der Union engagiert – im Glauben, das Land nach vorne bringen zu können. Diesen Glauben, schreibt sie, habe sie verloren.
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Warum die JU-Chefin hinwirft: „Habe den Glauben verloren“
Strohschneider macht keinen Hehl daraus, wie schwer ihr der Bruch fällt. Fast ein Jahrzehnt Engagement, Wahlkämpfe, lange Abende – all das steckt in ihrer Erklärung.
Am meisten zu denken gegeben habe ihr eine Beobachtung an sich selbst: „Ich habe angefangen, mein politisches Engagement in Gesprächen zu umschiffen. Weil ich es nicht mehr rechtfertigen konnte. Und irgendwann auch nicht mehr wollte“.
Ihren Rücktritt begründet sie auch damit, nicht kraftlos an einem Amt festhalten zu wollen. Statt monatelang auszuharren, gebe sie den Posten jetzt ab. Ihre Stellvertreter übernehmen den Landesverband.
Ihre Kritik am Spitzenpersonal und am Bundeskurs
Im Zentrum ihrer Abrechnung steht die Glaubwürdigkeit der Partei. „Dass unserem Spitzenpersonal die Glaubwürdigkeit verloren gegangen ist, ist für mich ein Symptom eines tieferliegenden Problems“, heißt es in der Erklärung.
Auch die inhaltliche Richtung der Bundesregierung sei aus ihrer Sicht nicht die, für die man Wahlkampf gemacht habe – und für die die Wähler ihre Stimme gegeben hätten.
Der CDU-Kurs führe in eine Sackgasse, so ihr Vorwurf. Getrieben von der Angst, den Koalitionspartner SPD zu verlieren, setze die Partei notwendige Reformen nicht im nötigen Umfang durch – und nehme stattdessen sogar weitere „Fehlsteuerungen“ vor.
Steuern und Schuldenbremse: Was sie konkret kritisiert
Strohschneider bleibt nicht bei allgemeinen Vorwürfen, sondern nennt konkrete Beispiele. Zwei Punkte greift sie besonders heraus. Die Grundgesetzänderung zur Schuldenbremse führt Strohschneider als Beleg für den aus ihrer Sicht falschen Kurs an. Auch die Einkommensteuerreform kritisiert sie. Viele Leistungsträger hätten nach zu erwartenden Steigerungen bei den Sozialabgaben weniger Netto vom Brutto.
Ihre Erwartung sei eine leistungs- und wohlstandsfreundliche Politik gewesen. „Stattdessen gehen die Entscheidungen aber weiter in eine Richtung, die es den Fleißigen in unserer Gesellschaft immer schwieriger macht“, so ihr Fazit.
Was von ihrer Zeit an der Spitze bleibt
Trotz aller Kritik blickt Strohschneider auf Erfolge zurück. In den vergangenen drei Jahren habe der Verband seine Strukturen gestärkt.
Anders als im bundesweiten Trend habe die JU Brandenburg ihre Mitgliederzahlen sogar steigern können. Ihre Enttäuschung richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Basis. „Die Junge Union war bis zuletzt mein Hoffnungsschimmer“, schreibt sie – wegen der vielen klugen, talentierten und aufrichtigen jungen Menschen, die sie dort kennengelernt habe.
So reagiert die CDU Brandenburg
„Den Rücktritt von Laura Strohschneider bedauern wir“, sagte CDU-Generalsekretär Julian Brüning auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade wenn es schwierig ist, brauchen wir Menschen in der Union, die mit Leidenschaft dafür arbeiten, dass es mit Deutschland wieder bergauf geht.“
Der CDU-Generalsekretär richtete auch einen Appell an die Regierung von Merz. „Klar ist aber auch: Jeder weiß, was zu tun ist. Der Umbau des Kabinetts muss nun dazu führen, dass die drängenden Probleme noch fokussierter und schneller gelöst werden“, sagte Brüning. „Die Bundesregierung muss jetzt gemeinsam liefern.“
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