Deutsche Autos werden in Russland wieder stärker nachgefragt – obwohl BMW, Volkswagen und Audi dort seit mehr als vier Jahren offiziell kaum noch Neuwagen verkaufen. Besonders kräftig steigen die Verkäufe bei VW und Audi.
Insgesamt wurden von Januar bis Juli in Russland 38.300 Neuwagen europäischer Marken verkauft. Das waren 89 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtet die russische Wirtschaftszeitung Kommersant unter Berufung auf Daten der Analyseagentur Autostat.
Bei den deutschen Marken fällt der Zuwachs teilweise noch größer aus. BMW kam in den ersten sieben Monaten auf rund 8800 verkaufte Fahrzeuge, ein Plus von 32 Prozent. Volkswagen steigerte seine Verkäufe auf etwa 8700 Fahrzeuge – das 3,6-Fache des Vorjahreswertes. Bei Audi waren es rund 7100 Neuwagen und damit sogar 5,4-mal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Besonders gefragt sei der Audi Q5.
Russische Händler beobachten „Müdigkeit“ beim Autoangebot
Der Generaldirektor des russischen Automarktplatzes Fresh, Juri Tschistow, sieht einen Grund in einer „kleinen Müdigkeit“ der Käufer. Seit dem Rückzug vieler westlicher Hersteller habe sich das Angebot stark auf russische und chinesische Marken verengt.
Doch die wachsende Nachfrage nach BMW, VW und Audi hat auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Der Rubel hatte gegenüber dem Yuan über weite Teile des ersten Halbjahres zugelegt und machte Importe aus China dadurch attraktiver. Gleichzeitig haben sich dort hohe Fahrzeugbestände angesammelt. Russische Importeure können deshalb laut Händlern Rabatte aushandeln.
Mitarbeiter arbeiten am 18. August 2026 in einem Werk von FAW-Volkswagen in Qingdao (Provinz Shandong, China) an der Fahrzeugmontagelinie. Das Werk fährt die Produktion hoch, um Fahrzeugbestellungen zu erfüllen.
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Hinzu kommt die russische Recyclingabgabe. Für Fahrzeuge mit einer Motorleistung von weniger als 160 PS gilt weiterhin eine vergünstigte Regelung. Wechselkurs, Rabatte und die günstigere Abgabe für bestimmte Fahrzeuge sorgen dafür, dass einige Modelle globaler Hersteller inzwischen preislich mit gut ausgestatteten chinesischen Autos konkurrieren können.
Das gilt teilweise sogar im Premiumsegment. Ein über Parallelimporte eingeführter BMW X5 oder eine Mercedes-Benz G-Klasse könne derzeit preislich mit einem gut ausgestatteten chinesischen Crossover vergleichbar sein, sagte Tschistow dem Kommersant.
BMW X5 kommt trotz Rückzug weiter nach Russland
Gerade beim BMW X5 zeigt sich, wie gut die alternativen Importwege inzwischen funktionieren. Die Berliner Zeitung hatte bereits im Juli berichtet, dass russische Händler sogar die neue Generation des SUV bestellen können, obwohl BMW selbst seit 2022 keine Neuwagen mehr nach Russland liefert.
Damals wurden für den neuen X5 je nach Ausführung 16 bis 17 Millionen Rubel verlangt – umgerechnet rund 179.000 bis 190.000 Euro und damit fast doppelt so viel wie in Deutschland. BMW hatte gegenüber der Berliner Zeitung zuvor betont, solche Parallelimporte erfolgten „außerhalb unseres Einflussbereiches – und ausdrücklich gegen unseren Willen“.
An fehlenden Lieferwegen scheitert der Verkauf inzwischen jedenfalls kaum noch. Nach Angaben der von Kommersant befragten Händler gibt es bei den gefragtesten Modellen bereits Lagerbestände in Russland. Nur Premiumfahrzeuge und seltene Ausführungen werden überwiegend auf Bestellung eingeführt. Die Lieferzeit beträgt dort etwa 45 bis 90 Tage.
Deutsche Autos kommen häufig aus China nach Russland
Viele der BMW, VW und Audi, die heute nach Russland gelangen, kommen allerdings selbst aus China.
Rund 66 Prozent der in den ersten sieben Monaten in Russland neu zugelassenen Fahrzeuge globaler Marken wurden in China produziert, sagt Fresh-Chef Tschistow. Das Land ist längst nicht mehr nur Heimat von BYD, Geely oder Chery, sondern zugleich ein wichtiger Produktionsstandort internationaler Autokonzerne.
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Der Großteil der Parallelimporte globaler Marken wird deshalb inzwischen direkt aus China abgewickelt. Über Kirgisistan und Kasachstan gelangen außerdem Fahrzeuge aus europäischen Beständen nach Russland. Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten werden vor allem amerikanische Premiummodelle und seltene Ausführungen eingeführt.
Die Produktion in China hilft deutschen Marken damit, auf dem russischen Markt präsent zu bleiben, obwohl die Hersteller ihre offiziellen Russland-Geschäfte eingestellt haben.
Auch Toyota und Mazda legen in Russland kräftig zu
Noch stärker als deutsche sind allerdings japanische Marken im Parallelimport vertreten. Im Juli entfielen nach Händlerangaben 8,2 Prozent des gesamten russischen Neuwagenmarktes auf japanische Modelle, auf deutsche Marken 4,3 Prozent und auf südkoreanische 1,6 Prozent.
Toyota bleibt dabei mit fast 13.000 Fahrzeugen die mit Abstand wichtigste parallel importierte ausländische Marke. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Mazda: Die Verkäufe lagen von Januar bis Juli 7,7-mal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Nissan kam auf das Siebenfache.
Auch Kia und Hyundai bleiben gefragt. Amerikanische Marken spielen dagegen nur eine Nischenrolle; importiert werden vor allem Modelle mit einer festen Fangemeinde wie Cadillac Escalade oder RAM.
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Ganz billig ist die Rückkehr zu den bekannten Marken allerdings nicht. Seit Jahresbeginn verteuerten sich Neuwagen aus Parallelimporten nach Angaben der Händler im Schnitt um fünf bis zehn Prozent. Der gegenüber dem Yuan aufgewertete Rubel begrenzt den Preisanstieg bislang.
Die Händler erwarten trotzdem, dass die Nachfrage weiter wächst. Neben den günstigeren Wechselkursbedingungen spielt dabei offenbar auch die Sorge vor einer höheren russischen Recyclingabgabe eine Rolle. Manche Käufer wollten deshalb noch bestellen, solange die bisherigen Regeln gelten.
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