Nachdem am Freitag estnischen Angaben zufolge drei rusische Militärjets in den Luftraum des Baltenstaates eingedrungen sein sollen, hat sich nun Russland zu dem Vorfall geäußert. Wie das russische Verteidigungsministerium am Samstagmorgen erklärte, weise Moskau die Vorwürfe zurück. Die Flugzeuge seien nicht illegal in den estnischen Luftraum vorgerückt.
Estland will derweil Konsultationen nach Artikel 4 des Nato-Vertrags mit den Verbündeten beantragen, nachdem es am Freitag drei Kampfflugzeuge über der estnischen Insel Vaindloo im Finnischen Meerbusen gemeldet hatte. Nach Angaben des estnischen Außenministeriums hätten die Militärjets dort zwölf Minuten verweilt, bis sie laut Nato-Angaben von F-35-Kampfjets der italienischen Luftwaffe abgefangen worden seien, die sich dort an der Luftraumüberwachung beteiligen.
Moskau: Flugroute der Kampfjets verlief über neutralen Gewässern
In seiner Erklärung bestätigte das russische Verteidigungsinisterium am Samstag zwar, drei russische MiG-31-Kampfflugzeuge hätten am Freitag einen Linienflug von Karelien in die Region Kaliningrad absolviert, jedoch sei dieser gemäß der internationalen Vorschriften verlaufen. „Während des Fluges wich das russische Flugzeug nicht von der vereinbarten Flugroute ab und verletzte den estnischen Luftraum nicht“, hieß es in der Erklärung. „Die Flugroute des Flugzeugs verlief über neutralen Gewässern der Ostsee in einer Entfernung von mehr als drei Kilometern von der Insel Vaindlo“, gab das Ministerium weiter an.
Aus Estland hieß es indes, die russischen Kampfjets hätten keine Flugpläne übermittelt und ihre Flugfunktransponder seien abgeschaltet gewesen. „Zum Zeitpunkt der Luftraumverletzung bestand keine Funkverbindung zur estnischen Flugsicherung“, betonte die estnische Armee.
Polen und Rumänien meldeten jüngst bereits Vorfälle mit russischen Drohnen
Nato-Generalsekretär Mark Rutte erklärte, die Nato habe „rasch und entschieden“ auf die russische Luftraumverletzung reagiert. Eine Nato-Sprecherin sprach von einem „weiteren Beispiel für das rücksichtslose Verhalten Russlands“. Russische Drohnen sollen ab Mitte vergangener Woche bereits den Luftraum von Polen und Rumänien verletzt haben.
Das Militärbündnis erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass die von Estland beantragten Gespräche nach Artikel 4 Anfang kommender Woche stattfinden könnten. Artikel 4 des Nato-Vertrags sieht Beratungen unter den Mitgliedstaaten für den Fall vor, dass ein Mitgliedstaat seine territoriale Integrität, Unabhängigkeit oder Sicherheit bedroht sieht.
Derweil gab Polen einen weiteren Vorfall mit zwei russischen Kampfjets bekannt. Die Flugzeuge seien „im Tiefflug“ über die polnische Erdöl-Förderplattform Petrobaltic in der Ostsee geflogen, erklärte die polnische Küstenwache am Freitagabend. Die Sicherheitszone rund um die Plattform sei verletzt worden. (mit AFP)
Estland meldet Verletzung von Luftraum durch drei russische Militärjets
Polen räumt offiziell ein: Rakete kam von eigenem Flugzeug, nicht von Russen
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]