Ein Konvoi aus Russland hat gepanzerte Fahrzeuge über das Mittelmeer nach Libyen gebracht. Nach Angaben des Open-Source-Projekts Russia Maritime Watch wurden die Fahrzeuge Anfang der Woche im ostlibyschen Hafen Tobruk entladen. Veröffentlichte Bilder sollen die Ankunft und das Entladen zeigen.
Zwei Frachter hatten Tobruk in Begleitung eines russischen Landungsschiffs erreicht. An Bord sollen sich gepanzerte Truppentransporter und Lastwagen befunden haben, wie Euronews und die italienische Nachrichtenagentur Nova berichten. Während der Fahrt sollen die Schiffe ihre Ortungssignale abgeschaltet haben.
Nach Angaben von Analysten wurden die Fahrzeuge zuvor im russischen Marinestützpunkt Baltijsk verladen. Satellitenaufnahmen aus dem August sollen zeigen, wie sie dort an Bord gebracht wurden. Weitere Bilder sollen eine Kolonne zeigen, die sich von Tobruk aus ins Landesinnere bewegt.
Wer die Fahrzeuge erhalten soll, ist bislang unklar. Weder Moskau noch die Führung im Osten Libyens haben sich dazu geäußert. Tobruk steht unter der Kontrolle der Truppen von General Khalifa Haftar, der seit Jahren eng mit Russland zusammenarbeitet.
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Libyen ist seit Jahren politisch und militärisch geteilt. Im Westen sitzt die international anerkannte Regierung in Tripolis, im Osten dominiert der Machtblock um Haftar, dessen Truppen auch große Teile des Südens kontrollieren. Nach dem Bürgerkrieg von 2019 und 2020 vereinbarten die Konfliktparteien einen Waffenstillstand, eine dauerhafte politische Einigung blieb jedoch aus. Russland unterstützt Haftar seit Jahren und hat seine militärische Präsenz in den von ihm kontrollierten Gebieten ausgebaut.
Italien verfolgt den Konvoi
Dem Euronews-Bericht zufolge ortete ein Aufklärungsflugzeug der italienischen Luftwaffe die Schiffe bereits vergangene Woche im Mittelmeer zwischen Italien und Libyen. Am selben Tag war Italiens Generalstabschef Luciano Portolano in Tripolis, um über eine engere militärische Zusammenarbeit zu sprechen. Libyen bleibe für die strategischen Interessen Italiens entscheidend, sagte Portolano.
Auch die USA könnten das Seegebiet und den Konvoi beobachtet haben. Am Montag kreiste zudem ein US-Aufklärungsflugzeug über dem Seegebiet vor Tobruk, wie das italienische Fachportal Itamilradar berichtete. Ob der Flug dem Konvoi galt, lässt sich nach Einschätzung des Portals nicht belegen.
Russlands Drehscheibe für Afrika
Seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 fehlt Russland seine wichtigste Transitstation im Nahen Osten. Nach Einschätzung von Analysten hat Moskau seine militärische Logistik seitdem nach Nordafrika, inbesondere Libyen verlagert.
Es handelt sich um mindestens die zweite russische Lieferung dieser Art in diesem Jahr. Schon im Januar soll ein russischer Frachter unter Begleitung eines russischen Kriegsschiffs in Tobruk angelegt haben. Darauf weist die ukrainische Militärplattform Militarnyi hin.
Gleichzeitig baut Russland seine militärische Infrastruktur in Libyen aus. An sechs libyschen Luftwaffenstützpunkten soll Moskau Bauarbeiten durchführen oder finanzieren. Auf einzelnen Basen sollen MiG-29-Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme stationiert sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Satellitenbild-Analyse des Tearline-Projekts der US-Geodatenbehörde NGA.
Eine besondere Rolle könnte der Stützpunkt Maaten al-Sarra im Süden des Landes spielen. Eine russische Präsenz dort würde es Moskau nach Einschätzung des Analysten Andrew McGregor von der Washingtoner Jamestown Foundation ermöglichen, Waffen vergleichsweise unauffällig in den Sudan oder den Tschad zu bringen.
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