Lettland plant einen Tarif von 300 Prozent auf Getreideladungen aus Russland und Belarus sowie deren Abwicklung in lettischen Häfen und Terminals. Das kündigte Ministerpräsident Andris Kulbergs am Montag an. Zugleich sollen Transitladungen stärker kontrolliert und die Herkunft des Getreides genauer überprüft werden.
Der Schritt fügt sich in einen seit längerem deutlich verschärften Kurs Lettlands gegenüber russischen und belarussischen Produkten ein. Die Pläne treffen Russland, während es verstärkt nach Alternativen für seine Getreidelieferungen sucht. In Rostow am Don, Russlands „Tor zum Asowschen Meer“, gilt nach Angaben der Behörden inzwischen der regionale Notstand: Nach ukrainischen Angriffen stockt der Getreideexport und an den Hafenterminals laufen die Lager voll.
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Lettland verschärft Kurs gegen russisches Getreide
Wie der öffentlich-rechtliche lettische Rundfunk LSM unter Berufung auf Ministerpräsident Andris Kulbergs berichtet, will die Regierung nicht nur den 300-Prozent-Tarif einführen. Lettland soll künftig außerdem die Möglichkeit bekommen, Transitladungen aus Russland systematischer zu kontrollieren.
Gemeinsam mit ukrainischen Behörden und Laboren soll geprüft werden können, aus welchem Land das Getreide stammt. Hintergrund sind Warnungen aus der Ukraine, wonach Russland auch Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten exportieren könnte.
Transit war bislang von Lettlands Verbot ausgenommen
Wann genau die 300-Prozent-Regel in Kraft treten könnte und wie der Tarif rechtlich ausgestaltet wird, ist noch offen. Bereits seit März 2024 verbietet Lettland die Einfuhr bestimmter Agrar- und Futtermittel aus Russland und Belarus. Das Parlament verlängerte dieses Verbot im April bis zum 1. Juli 2027.
Das bestehende Verbot betrifft vor allem die Einfuhr in den lettischen Markt. Transitlieferungen durch Lettland sowie Lieferungen für Empfänger in anderen EU-Mitgliedstaaten waren bislang davon ausgenommen. Der neue Vorstoß könnte auch Getreideströme treffen, die Lettland lediglich auf dem Weg zu anderen Märkten passieren.
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Getreideexporte über Schwarzes und Asowsches Meer stocken
Für Russland kommt der lettische Vorstoß zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Wichtige Exportwege über das Schwarze und Asowsche Meer sind derzeit beeinträchtigt. Über die dortigen Häfen wurden in der Saison von Juli 2025 bis Juni 2026 laut Reuters rund 46,3 Millionen Tonnen Getreide verschifft. Das entsprach etwa 90 Prozent der russischen Getreideexporte auf dem Seeweg.
In Rostow am Don, einem wichtigen Umschlagplatz am Asowschen Meer, gilt wegen Engpässen bei der Getreidelagerung inzwischen der regionale Notstand und auch im Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer liegen wichtige Getreideterminals derzeit lahm.
Laut Einschätzung des ukrainischen Beratungsunternehmens UkrAgroConsult verlagern russische Exporteure Getreideladungen jetzt zunehmend auf alternative Routen, darunter auch über die Ostsee. Dabei nutzen sie verstärkt lettische Häfen. Mitte August lagen demnach bereits Transportanträge für mehr als zwei Millionen Tonnen Getreide in Richtung Lettland vor.
Von den Störungen im Schwarzmeerraum ist allerdings nicht nur Russland betroffen. Auch ukrainische Landwirte kämpfen mit erschwerten Exportbedingungen: Russische Angriffe auf Häfen und andere Infrastruktur beeinträchtigen immer wieder die Ausfuhr ukrainischen Getreides.
EU hat Zölle bereits deutlich erhöht
Die EU hatte bereits zum 1. Juli 2024 die Zölle auf Getreide, Ölsaaten und daraus hergestellte Produkte aus Russland und Belarus massiv erhöht. Der Rat der Europäischen Union erklärte damals ausdrücklich, die Einfuhr dieser Waren solle dadurch praktisch zum Erliegen kommen.
Als Gründe nannte die EU den Schutz des europäischen Getreidemarktes, den Verdacht, dass Russland widerrechtlich angeeignetes Getreide aus besetzten ukrainischen Gebieten als russische Ware exportiert, sowie das Ziel, Moskau Einnahmen aus Exporten in die EU zu entziehen. Die damaligen EU-Zölle galten allerdings nicht für den Transit russischer oder belarussischer Waren durch die EU in Drittstaaten.
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