Wölfe haben in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr bereits mindestens 185 Nutztiere getötet. Betroffen sind vor allem Schafe, Ziegen und Rinder. Nach Angaben des Landesverwaltungsamts, über die der MDR berichtet, wurden bislang 54 Angriffe gezählt. Bei ihnen wurde ein Wolf als Verursacher bestätigt oder zumindest nicht ausgeschlossen.
Damit liegt die Zahl der Angriffe noch unter der des gesamten Vorjahres mit rund 70 Fällen. Die Zahlen sind allerdings ein vorläufiger Stand, das Jahr ist noch nicht vorbei. Außerdem bedeutet ein gezählter Wolfsangriff nicht, dass in jedem einzelnen Fall ein Wolf per DNA nachgewiesen wurde.
Jeder Riss soll gemeldet werden
Die Behörde hat nach den Änderungen im Jagdrecht die Regeln für den Umgang mit dem Wolf noch einmal zusammengefasst. Dem Bericht zufolge soll jeder mutmaßliche Wolfsriss umgehend dem Wolfskompetenzzentrum in Iden in der Altmark gemeldet werden. Die Fachleute dort dokumentieren den Fall, prüfen, wie die Herde geschützt war, und informieren dann die zuständige Jagdbehörde.
Neu sind landesweit einheitliche Regeln für den Herdenschutz. Sie legen zum Beispiel fest, wie Zäune für verschiedene Tierarten beschaffen sein müssen. So sollen sich Schäden künftig besser bewerten lassen. Die Vorgaben wurden jüngst erlassen.
Kein freier Abschuss trotz Jagdrechts
Seit dem Frühjahr steht der Wolf im Jagdrecht des Bundes und auch Sachsen-Anhalts. Frei gejagt werden darf er deshalb aber nicht, wie die Behörde laut dem Sender klarstellt. Ein Abschuss bleibt eine Einzelfallentscheidung, etwa wenn ein Wolf Schutzzäune überwindet und Nutztiere reißt.
Für eine reguläre Jagd auf den Wolf verlangt das Bundesrecht zudem, dass der Bestand als gesichert gilt. Außerdem braucht es einen Managementplan, der über einzelne Jagdreviere hinausgeht. Einen solchen Plan hatte Sachsen-Anhalt Anfang Oktober noch nicht fertig, ein Entwurf wurde innerhalb der Verwaltung abgestimmt.
Jäger wollen mehr, Naturschützer weniger
Schäfer und Jäger begrüßen die neuen Möglichkeiten überwiegend. Der Landesjagdverband kritisiert jedoch, das Land nutze sie bislang nicht ausreichend. Der Nabu Sachsen-Anhalt lehnt dagegen eine allgemeine Bejagung ab. Vorrang müsse der Herdenschutz haben, ein Abschuss komme nur als letzter Schritt im begründeten Einzelfall infrage.
Auch die Bundesregierung will Weidetiere besser schützen und den Abschuss von Wölfen erleichtern, die zumutbare Schutzmaßnahmen überwunden haben. Zugleich betont sie, dass der Wolf in Deutschland bleiben soll. Im Kern geht es im Streit darum, ob nur einzelne auffällige Tiere geschossen werden oder ob der Bestand insgesamt reguliert werden soll.
Schäden schwanken von Jahr zu Jahr
Einen stetigen Anstieg zeigen die Zahlen des Landesamts für Umweltschutz nicht. Die meisten getöteten Nutztiere gab es 2020 mit mehr als 330. Danach schwankten die Werte: 2024 waren es nicht einmal halb so viele, im vergangenen Jahr wieder deutlich mehr.
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Zuletzt zählten die Fachleute im Land 31 Wolfsrudel. In den ostdeutschen Ländern leben besonders viele Wölfe, entsprechend ist das Thema hier seit Jahren ein Streitpunkt. Viele Schäfer und Landwirte auf dem Land sind direkt betroffen.
Rissserie im Landkreis Wittenberg
Wie schwierig der Umgang mit einzelnen Wölfen sein kann, zeigte sich im vergangenen Jahr im Landkreis Wittenberg. Nach mehreren nachgewiesenen Rissen erklärte das Landesamt im Herbst mehrere Gemeinden zum Gebiet mit erhöhtem Rissaufkommen. Tierhalter berichteten von wiederholten Schäden, obwohl sie Zäune erhöht und Herdenschutzhunde eingesetzt hatten. Ein Hund wurde schwer verletzt. Ein zunächst genehmigter Schnellabschuss wurde nach Widersprüchen wieder zurückgezogen.
Bei den Angriffen geht es um Nutztiere, nicht um Menschen. Die Bundes-Dokumentationsstelle zum Wolf schätzt die Gefahr durch wildlebende Wölfe für Menschen im Regelfall als gering ein.
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