Bundesjagdgesetz

Neues Gesetz zur Wolfsjagd: Kritik aus Mecklenburg-Vorpommern

Nachdem der Bund ein Gesetz beschlossen hat, das die Jagd auf den Wolf erleichtern soll, kommt nun Kritik aus Schwerin.

OAZ
4 Min
Ein neues Gesetz des Bundes soll den Abschuss von Wölfen erleichtern.

Ein neues Gesetz des Bundes soll den Abschuss von Wölfen erleichtern.

© Karina Hessland/IMAGO

Der Wolf darf in Deutschland künftig unter bestimmten Bedingungen gejagt werden. Der Bundestag hat das Tier ins Bundesjagdgesetz aufgenommen und damit die Grundlage für einen erleichterten Abschuss geschaffen. Die Neuregelung, die noch die Zustimmung des Bundesrats benötigt, sieht Jagdzeiten vom 1. Juli bis 31. Oktober vor. Zudem können sogenannte Problemwölfe, die Weidetiere töten oder verletzen, unabhängig von Jagdzeit und Erhaltungszustand geschossen werden.

Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) begründete die Gesetzesänderung mit dem Schutz von Nutztieren. Laut Regierung wurden allein 2024 etwa 4.300 Tiere bei Wolfsübergriffen gerissen oder verletzt. Neben der Jagd sollen weiterhin Schutzmaßnahmen wie Elektrozäune und Herdenschutzhunde gefördert werden. Zudem können Bundesländer Gebiete definieren, in denen die Wolfsjagd notwendig ist, etwa auf Deichen oder Almen.

In Mecklenburg-Vorpommern stößt die Neuregelung jedoch auf Kritik. Umweltminister Till Backhaus (SPD) zweifelt an der Wirksamkeit der neuen Regeln: „Ich habe erhebliche Zweifel, dass die Änderung des Bundesjagdgesetzes und des Bundesnaturschutzgesetzes für rechtssichere Verfahren zur Wolfsentnahme sorgen.“ Er betonte, die Maßnahmen seien nicht hinreichend praxistauglich und konsequent genug.

Vorfall mit Wölfen in Mecklenburg-Vorpommern

Die Diskussion über den Umgang mit Wölfen wird durch aktuelle Vorfälle in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich angeheizt. In der Nähe von Ehmkendorf wurden vor etwa einer Woche drei Wölfe an einem Wohnhaus gesichtet, darunter ein Tier, das direkt hinter einem Holzzaun stand und offenbar einen Jungen beobachtete, der im Garten spielte. Trotz panischer Schreie der Mutter zeigten die Tiere kaum Scheu und zogen langsam weiter. Wenige Tage später griffen vermutlich dieselben Wölfe eine Schafherde an, die durch einen elektrischen Zaun und Herdenschutzhunde gesichert war. Die Hunde wehrten den Angriff ab, wurden dabei jedoch verletzt, eine Hündin schwer. Ein Gutachter bestätigte, dass die Spuren von Wölfen stammen, darunter ein Tier aus Niedersachsen, das in Mecklenburg-Vorpommern Nachwuchs gezeugt hat.

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Das Verhalten des Rudels sorgt bei Experten für Besorgnis. Prof. Klaus Hackländer von der Deutschen Wildtier Stiftung sprach gegenüber dem NDR von einem „Problemwolf“, der gelernt habe, selbst geschützte Nutztiere anzugreifen. „Dieses Verhalten darf nicht an Jungtiere weitergegeben werden“, warnte Hackländer. Er forderte gezielte Maßnahmen, zunächst Vergrämung, und im Extremfall die „Entnahme“ des auffälligen Tieres.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Backhaus betonte, es müsse verhindert werden, dass der Wolf zur Bedrohung für Menschen werde: „Es darf um Gottes Willen nichts passieren und sollte es da Bedrohungen des Wolfes geben, auch auf Menschen, dann ist sowieso klar: Dann kommt das Ordnungsrecht und dann müssen die getötet werden. Das ist für mich vollkommen klar.“

Thüringen begrüßt „ausgewogenen Balance“

In Thüringen hingegen begrüßte Umweltminister Tilo Kummer (BSW) die Entscheidung. Er sprach von einer „ausgewogenen Balance“ zwischen Weidetierhaltung, Landschaftspflege und Artenschutz. Das Land bereitet bereits Änderungen im Landesrecht vor, darunter die Anpassung der Jagdzeitenverordnung und die Entwicklung eines Managementplans. Laut Umweltministerium sollen Weidetierhalter weiterhin bei Präventions- und Entschädigungsmaßnahmen unterstützt werden.

Naturschutzverbände wie BUND, WWF und der Tierschutzbund kritisieren die Neuregelung scharf. Eine Bejagung allein auf Basis der Bestandsgröße könne Rudelstrukturen gefährden und langfristig sogar zu mehr Übergriffen auf Nutztiere führen, warnten die Organisationen. Die SPD-Abgeordnete Isabel Mackensen-Geis betonte hingegen, dass der Herdenschutz weiterhin Priorität habe. Alle Maßnahmen müssten dem Erhalt eines „günstigen Erhaltungszustands“ der Wolfspopulation verpflichtet sein.

Die Zahl der Wölfe hat in Europa in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Laut Angaben aus dem Jahr 2023 leben inzwischen rund 20.300 Tiere auf dem Kontinent, davon mehr als 1.600 in Deutschland. Besonders in Ostdeutschland, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen, sind die Rudel stark vertreten. In Mecklenburg-Vorpommern wurden 2025 insgesamt 77 mutmaßliche Wolfsangriffe auf Weidetiere registriert, bei denen 424 Tiere getötet und 39 verletzt wurden.

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