Wirtschaft

Sachsens Infrastrukturministerin: „Es gibt schlechte Nachrichten - VW Zwickau schließt 2030“

Der VW-Konzernchef bereist gerade die Standorte und wird morgen in Zwickau erwartet. Ministerin Kraushaar war zuvor schon da und lässt mit ihrer Aussage aufhorchen.

Claudia Lord Ines Mallek-Klein
4 Min
Das Zwickauer Werk war einst der Pionierstandort von VW für E-Autos (Archivbild).

Das Zwickauer Werk war einst der Pionierstandort von VW für E-Autos (Archivbild).

© Jan Woitas/dpa

Das Ende des VW-Werkes in Mosel bei Zwickau scheint beschlossene Sache. So jedenfalls verstanden am Montagabend mehrere Stadträte eine Aussage von Sachsens Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (CDU). Sie war zu einer Informationsveranstaltung über eine Industrieansiedlung nahe Pirna geeilt, kam einige Minuten zu spät. 

„Sie entschuldigte sich mit den Worten, sie käme gerade von Gesprächen aus Zwickau. Es gäbe keine guten Nachrichten: Zwickau schließt spätestens 2030“, so einer der anwesenden Stadträte gegenüber dieser Zeitung. Er selbst war über die Klarheit der Aussage überrascht. 

Denn dass das Werk in Zwickau mit 8000 Beschäftigten von einer möglichen Schließung betroffen sein könnte, ist seit langem bekannt. Dass es jetzt auch so kommen soll, ist neu.

Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung hat sich den Verlauf der Sitzung von zwei weiteren Anwesenden bestätigen lassen. Diese so in Pirna getroffene Aussage der Ministerin sei „richtig“ wiedergegeben. „Die Ministerin wirkte sehr mitgenommen und wolle alles versuchen, das zu verhindern. Aber sie sagte, dass das Zwickauer Werk bis 2030 spätestens schließe“, so ein Dohnaer Stadtrat.

Ein Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium versuchte, die Aussage im Nachgang zu relativieren. In weiteren Gesprächen wolle man verhindern, dass es auch tatsächlich zur Schließung käme.

Regina Kraushaar verantwortet in Sachsen das Ressort Infrastruktur und Verkehr.

Regina Kraushaar verantwortet in Sachsen das Ressort Infrastruktur und Verkehr.

© IMAGO/Sylvio Dittrich

Die nicht öffentliche Informationsveranstaltung um den Industriepark Oberelbe, zu dem die Stadtoberhäupter von Pirna, Heidenau und Dohna geladen hatten, fand im Jagdschloss Graupa statt. Ministerin Kraushaar warb um den Standort, es bräuchte neue Gewerbeflächen und versprach, der Freistaat werde die neue Zuwegung zum Industriepark mit elf Millionen Euro Fördermitteln unterstützen. „Dann sollen sie doch lieber die Millionen in Zwickau verwenden, bevor dort die vorhandene Infrastruktur den Bach runter geht“, regte ein Heidenauer Stadtrat an.

VW-Chef spricht am Mittwoch mit Zwickauer Belegschaft

Eine Sprecherin des Infrastrukturministerium in Dresden wollte auf Nachfrage der Ostdeutschen Allgemeinen die Aussage der Ministerin weder bestätigten noch dementieren. Offiziell sei noch nichts entschieden. VW-Konzernchef Oliver Blume besucht am morgigen Mittwoch ab 14.30 Uhr das VW-Werk in Zwickau. Zuvor wird er vor der Belegschaft im niedersächsischen Emden sprechen, Öffentlichkeit ist nicht zugelassen.

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Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, besucht diese Woche auch Sachsen.

Oliver Blume, der Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, besucht diese Woche auch Sachsen.

© Johannes Neudecker/dpa

Betriebsrat und Mitarbeiter hoffen auf klare Ansagen. „Wir müssen Komplexität reduzieren, unsere Strukturen konsequent verschlanken und Kosten senken“, sagte Blume in seiner Rede bei der Betriebsversammlung im Wolfsburger Werk am Dienstag. Das Treffen in der Konzernzentrale war Teil einer Serie von Versammlungen an mehreren VW-Standorten, bei denen der Vorstand der Belegschaft Rede und Antwort stehen soll.

Mit Blick auf mögliche Werksschließungen in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sagte Blume laut Deutscher Presse-Agentur: Für die vier Werke gebe es aber derzeit noch keine „wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre“.

Über 8000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs in Zwickau. Aber auch die Zulieferindustrie wäre von einer Schließung schwer betroffen.

Über 8000 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs in Zwickau. Aber auch die Zulieferindustrie wäre von einer Schließung schwer betroffen.

© Jan Woitas

Investitionen nach Wählerverhalten?

VW ist unter Druck. Zölle dämpfen die Absätze in Richtung USA, gleichzeitig muss man sich den wachsenden Wettbewerb chinesischer Autobauer auf dem europäischen und insbesondere dem deutschen Heimatmarkt stellen. Und dann ist da noch das politische Umfeld. VW-Chef Oliver Blume nahm an Demonstrationen für Demokratie teil und der Konzern betont regelmäßig, dass die Positionen der AfD im Widerspruch zu den internationalen Werten des Unternehmens stehen.

Auf eine klare Ansage zu ihrer Zukunft dürften die Beschäftigten in Zwickau aber vergeblich hoffen. Man werde die nächsten sechs bis zwölf Monate nutzen, um Strategien für die einzelnen Standorte zu erarbeiten und zu prüfen. Jeder Standort soll demnach die gleichen Chancen bekommen.

In Sachsen fängt man dabei nicht bei Null an. In einem vierseitigen internen Positionspapier von VW Sachsen, das der Ostdeutschen Allgemeinen vorliegt, gibt es klare Zielstellungen und auch Pläne zur Kostenreduktion. Da die Modelle ID.4, ID.5 und ID.3 abgegeben oder eingestellt werden, halbiert sich die Produktion im Zwickauer Werk vorübergehend auf 120.000 Einheiten. Damit wird eine Fertigungslinie geschlossen und 1500 Jobs fallen weg.

Das könnte kurzfristig durch den Circular-Economy-Hub kompensiert werden, so der Vorschlag. Er entsteht für rund 90 Millionen Euro. Hier könnten bis 2030 rund 15.000 Autos demontiert werden und 1000 neue Arbeitsplätze entstehen. Ab 2031 könnte sich die Belegschaft die Fertigung des Nachfolgemodells des Audi Q4 e-tron auf der neuesten Konzernplattform (SSP) mit 224.000 Einheiten jährlich vorstellen.

Ob diese Überlegungen zur Rettung des Zwickauer Standortes von der VW-Konzernspitze gehört werden, wird sich zeigen müssen.

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