Die sächsische Justiz arbeitet gegen einen Berg aus offenen Ermittlungsakten an – und verliert bislang an Boden. Zur Jahresmitte lagen bei den Staatsanwaltschaften rund 47.200 unerledigte Verfahren auf den Tischen, vermeldet die Deutsche Presseagentur dpa. Das seien zwar 350 weniger als zu Jahresbeginn. Gegenüber Juni 2025 ist der Rückstand aber um 1200 Fälle gewachsen.
Der leichte Rückgang im ersten Halbjahr täuscht damit über das grundsätzliche Problem hinweg: Die Verfahren kommen schneller nach, als sie abgearbeitet werden können. Knapp 14.000 neue Fälle gingen von Januar bis Juni bei den Staatsanwaltschaften ein. Zwar weniger als im Vorjahreszeitraum – doch nach Jahren deutlich steigender Eingangszahlen bleibt der Druck hoch.
Damit deutet sich eine Rückkehr zu einem jahrelangen Trend an: Von 2021 bis 2024 waren die Eingangszahlen um ein Drittel bis auf 301.000 angestiegen. Im vergangenen Jahr waren es erstmals weniger neue Fälle als im Vorjahr (255.200).
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Richterbund beklagt Rekordwert auch deutschlandweit
Sachsen ist mit dem Problem nicht allein. Bundesweit haben die Staatsanwaltschaften erstmals mehr als 1,1 Millionen offene Ermittlungsverfahren gemeldet – ein Rekordwert. Der Deutsche Richterbund spricht von einer Verfahrensflut, die den Strafverfolgern „bis zum Hals“ stehe.
„Die Rekordeingangszahlen und die immer höheren Aktenbestände der Staatsanwaltschaften müssen Anlass für die Landesregierungen sein, jetzt konsequent gegenzusteuern“, so Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbundes (DRB).
Die Warnung ist deutlich: Wenn Personal und Ausstattung nicht rasch nachziehen, droht aus dem Aktenstau ein Vertrauensproblem zu werden. Denn eine Justiz, die zu langsam ermittelt, wirkt irgendwann wie eine Justiz nach Kassenlage.
Welche Blüten derart überlastete Justizbereiche treiben, wurde erst am Fall eines ertrunkenen Mädchens in Brandenburg deutlich. Zehn Jahre nach dem tragischen Ereignis ist nun die Berufungsveranstaltung gestartet. Ein Unding, wie viele Beteiligte bemerkten. Die zuständige Strafkammer sei über Jahre derart überlastet gewesen, dass das Verfahren erst jetzt stattfinden kann. Im Prozess soll nun auch die lange Verfahrensdauer zum Thema werden.
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