Bevölkerungsforschung

Lebenserwartung im Osten: Frauen in Sachsen liegen vorn, Männer in Sachsen-Anhalt hinten

Wie lange man lebt, hängt nicht nur vom Geschlecht ab, sondern auch vom Wohnort. Und wann man mit Rauchen begonnen hat. Das belegen neue Statistiken von Bevölkerungsforschern.

4 Min
Sächsinnen werden im Bundesschnitt am zweitältesten.

Sächsinnen werden im Bundesschnitt am zweitältesten.

© Aleksei Smagin/unsplash

Wie lange haben wir alle noch zu leben? Eine Frage, die sich wohl jeder stellt. Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) hat jetzt neue statistische Daten erhoben, die zumindest auf die Breite der Bevölkerung in den einzelnen Bundesländern Rückschlüsse zulassen.

Dabei fällt auf: Im Osten haben die Frauen die höchste Lebenserwartung in Sachsen und die zweithöchste im Bundesgebiet. Sie werden, ebenso wie die Frauen aus Bayern, statistisch 84,3 Jahre alt und sterben damit nur drei Monate früher als die Frauen in Baden-Württemberg.

Bei den Männern ist die Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt mit 76,8 Jahren nicht nur im Osten, sondern im ganzen Bundesgebiet am niedrigsten.

Mann-Frau-Schere: Woran liegt das?

Eine der möglichen Erklärungen für die unterschiedlichen Entwicklungen bei Männern und Frauen sehen die Wissenschaftler des BiB im Tabakkonsum. „Die Auswirkungen des Tabakkonsums auf die Lebenserwartung entwickeln sich bei Männern und Frauen zeitlich sowie regional unterschiedlich“, sagt Dr. Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB. „Unter Männern war starkes Rauchen im 20. Jahrhundert sehr viel weiter verbreitet als unter Frauen, mit erheblichen Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Der Tabakkonsum ebbte bei Männern aber schon vor mehreren Jahrzehnten ab, so dass die negativen Folgen bereits zurückgehen.“

Bei Frauen breitete sich das Rauchen erst ab etwa 1970 aus, weshalb die damit verbundenen negativen Folgen derzeit noch zunehmen.

Die Karte zeigt die Lebenserwartung der Frauen (li.) und Männer (re.) in der Bundesrepublik.

Die Karte zeigt die Lebenserwartung der Frauen (li.) und Männer (re.) in der Bundesrepublik.

© Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Teures Gesundheitssystem, aber geringe Lebenserwartung

Für die BiB-Forscher ist besonders die Frage von Bedeutung, warum Deutschland trotz hoher Gesundheitsausgaben im westeuropäischen Vergleich eine Schlusslichtposition bei der Lebenserwartung einnimmt. „Das weist auf Ineffizienzen in der Gesundheitsversorgung hin, was gerade auch angesichts der Herausforderungen durch die Alterung der Babyboomer politisch und gesellschaftlich hochrelevant ist“, so der Report.

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Grundsätzlich steigt die Lebenserwartung in Deutschland aber weiter. Bei Männern nahm sie 2025 in allen Bundesländern zu, Bayern überschritt als zweites Bundesland nach Baden-Württemberg die Marke von 80 Jahren. Bei Frauen fiel der Anstieg geringer aus, einige Länder verzeichneten sogar Rückgänge, wie in Thüringen, wo die Lebenserwartung bei den Frauen um ein halbes Jahr zurückging.

Durch den Anstieg der Lebenserwartung im Jahr 2025 liegen bei den Männern nun erstmals alle Bundesländer über dem Vorpandemieniveau von 2019. Die süddeutschen Länder Baden-Württemberg und Bayern sind weiterhin in Führung, während Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern die niedrigsten Werte verzeichnen.

Bei den Frauen liegen noch sieben Bundesländer unter dem Vorpandemieniveau. Einen besonders starken Rückgang verzeichnete Thüringen, wo die Lebenserwartung bei den Frauen um ein halbes Jahr zurückging.

Regionale Unterschiede ändern sich nur langsam. „Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands bleiben weitgehend bestehen“, sagt Dr. Michael Mühlichen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BiB. „Der Abstand zwischen den Bundesländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung beträgt 2025 bei Männern etwa 3,9 Jahre und bei Frauen rund 2,6 Jahre.“

Die größten Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Männern und Frauen liegen in den ostdeutschen Bundesländern, wo Männer fast überall mehr als fünf Jahre kürzer leben als Frauen. Die größte Differenz zwischen den Geschlechtern gibt es in Mecklenburg-Vorpommern mit 6,4 Jahren.

Das ist Lebenserwartung

Als Lebenserwartung definieren die Bevölkerungsforscher des BiB die durchschnittliche Lebenserwartung, wie viele Jahre ein Mensch unter den Sterblichkeitsverhältnissen des betreffenden Kalenderjahres im Durchschnitt noch zu leben hat. Sie ist ein zusammengesetztes hypothetisches Maß und unterstellt, dass die altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten des jeweils betrachteten Jahres für das gesamte Leben gelten würden.

Mit zunehmendem Alter erhöht sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen – zum einen, indem das Sterberisiko der bereits durchlebten Jahre entfällt, zum anderen durch die Veränderung der Sterblichkeitsverhältnisse im Zeitverlauf.

Berechnet wird die durchschnittliche Lebenserwartung mit Hilfe der Sterbetafel. Dies erfolgt für jedes einzelne Altersjahr über die altersspezifischen Sterbewahrscheinlichkeiten. Am bekanntesten ist dabei die Lebenserwartung bei Geburt. Bei der Lebenserwartung für die anderen Altersjahre spricht man von der ferneren durchschnittlichen Lebenserwartung.

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