Geht er wirklich federnder als früher? Hat er einen leichteren Schritt? Die Augen von 50 Journalisten verfolgen Franz Müntefering, wie er zum Pressegespräch in den Saal im Willy-Brandt-Haus strebt. Sie alle haben die Geschichten der Boulevardzeitungen über Münteferings "neues Glück" gelesen: Es geht um die 29-jährige Michelle Schumann, eine Mitarbeiterin in seinem Büro,die sich auch schon einen Namen als SPD-Politikerin in Nordrhein-Westfalen gemacht hat. Die Bild-Zeitung hat viel bei der "Bunten" abgeschrieben und behauptet einfach mal, sie sei die neue Frau an Münteferings Seite.Der 69 Jahre alte SPD-Vorsitzende weiß um die versammelte Neugier, die ihm nun gegenübersitzt. Aber was auch immer es mit der jungen Frau auf sich hat, dies ist seine Privatsache, er wird dazu nichts sagen. Er gießt sich Wasser ein, er greift zum Keksteller, lauscht den Ausführungen des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier zum Europawahlkampf, macht sich Notizen mit seinem grünen Filzstift.Eine einzige Koketterie erlaubt er sich später: "Ich bin gut drauf", sagt er schmunzelnd und lässt eine winzige, spannende Pause - "weil die Partei gut vorbereitet ist auf den Europawahlkampf." Tja, so spricht er, der SPD-Chef, der den Bürgern rät, am Wahlabend des 7. Juni die Vasen unter den Fernsehgeräten wegzuräumen, weil die schwarzen Balken mit den Minus-Ergebnissen der Union unten rausragen würden.Franz Müntefering kann sich nicht beklagen über das Interesse an seinem Privatleben. Die Öffentlichkeit hat daran Anteil genommen, seit er im Herbst 2007 als Minister zurückgetreten ist, um seine krebskranke Frau zu pflegen. Er hat diesen Schritt und die Begleitung seiner Frau bis zum Tod vor bald einem Jahr später selber in Interviews thematisiert, auf eine sensible, viele Menschen anrührende Weise. Wenn es nun also eine neue Frau an seiner Seite geben sollte, ist das eine bemerkenswerte, eine schöne Sache.Damit kann die öffentliche Neugier es aber auch schon bewenden lassen. Und deshalb stellen die Journalisten auch nur Fragen zur SPD. Franz Müntefering nimmt noch einen Keks und beantwortet sie gern, voller Zuversicht. Für die Partei, versteht sich.------------------------------Foto : Michelle Schumann, wissenschaftliche Mitarbeiterin Münteferings, siegte 2004 bei einem Redewettstreit.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]