Migration

Sánchez nennt Ceuta „neue Realität“ – Stimmung in Spanien kippt

Nach dem Migranten-Ansturm auf Ceuta fordert Regierungschef Sánchez, dass man sich an die neuen Realitäten gewöhne. Auch in Fußballstadien kommt die Krise zur Sprache.

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Pedro Sánchez in Rage: Der Ministerpräsident steht wegen der Ceuta-Krise zunehmend unter Druck.

Pedro Sánchez in Rage: Der Ministerpräsident steht wegen der Ceuta-Krise zunehmend unter Druck.

© Eduardo Parra/Imago

Pedro Sánchez hat für die Migration nach Ceuta ein neues Wort gefunden. Am Mittwoch sagte der spanische Ministerpräsident im spanischen Fernsehen, die beiden Autonomen Städte Ceuta und Melilla müssten sich auf eine neue strukturelle Realität einstellen, sagte Sánchez. Von einer Invasion wollte er nicht sprechen.

Ende Juli seien rund 72.000 Menschen über die Grenze zu Marokko in die spanische Exklave gelangt, wie das Innenministerium mitteilte. Sánchez selbst spricht von 141 Toten, eine Erklärung zu dieser Zahl blieb seine Regierung schuldig. Ein Großteil der Migranten ist inzwischen freiwillig nach Marokko zurückgekehrt, nach Ministeriumsangaben mehrere zehntausend Personen.

Wie viele noch in Ceuta sind, bleibt offen. Medienberichte schwanken zwischen rund 5000 und mehr als 10.000. Ceuta hatte vor dem Ansturm gut 1000 Aufnahmeplätze. Die Kapazität wurde inzwischen auf mehr als 3500 Plätze erhöht, ausgebaut werden soll auf 6000.

Der Staat müsse sich künftig besser auf hybride Angriffe vorbereiten, betonte Sánchez im TV-Interview. Zugleich verwies er auf das Wohlstandsgefälle zwischen Spanien und Marokko als strukturelle Ursache der Migration. Die Menschen, die im Juli die Grenze überquert hätten, seien keine Invasoren, sondern Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben und nach Chancen, die ihnen Marokko nicht biete. Spanien sei als europäische Außengrenze in Afrika mit einer migratorischen Realität konfrontiert, mit der man arbeiten müsse, so der Ministerpräsident.

Opposition spricht von Verrat

Bei der spanischen Rechten stößt die Wortwahl des Regierungschefs auf Empörung. Vox-Chef Santiago Abascal erklärte nach Angaben von El Periódico de Ceuta, die einzige strukturelle Realität, die Sánchez akzeptieren solle, sei, dass Spanien und die Spanier existierten und Ceuta zu Spanien gehöre. Er warf Sánchez zudem vor, sich zum Sprachrohr des marokkanischen Königs Mohammed VI. zu machen. Ein Lokalpolitiker der gleichen Partei warnte, der geplante Ausbau der Aufnahmeeinrichtungen könne aus Ceuta eine Art Lampedusa machen, mit über die Stadt verteilten Unterkünften.

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Auch von der Stadtregion Ceutas selber kommt Kritik, und das, obwohl sie nicht dem Vox-Lager zuzurechnen ist. Sánchez liefere die Stadt Rabat auf dem Tablett, sollte die Aufnahme dauerhaft ausgebaut werden, hieß es aus dem Umfeld, spanischen Medienberichten zufolge. Demnach bestreite man nicht, dass viele der Migranten auf ein besseres Leben gehofft hätten, wirft Madrid jedoch vor, den Vorfall verharmlosend als Migrationskrise zu bezeichnen, während es sich faktisch um eine Art hybriden Angriff gehandelt habe, wie ihn andere europäische Regierungen zuvor an der Grenze zu Belarus erlebt hätten.

Fußball wird politisch

Das politische Erdbeben hat sogar den Sport erreicht. Beim Ligaspiel Real Betis gegen Real Madrid wurden auf dem Platz Ceuta- und Spanien-Flaggen entrollt und die spanische Nationalhymne gespielt, was bei Ligaspielen unüblich ist. Dazu kamen Sprechchöre gegen Sánchez. Im Madrider Bernabéu-Stadion beim Champions-League-Spiel gegen Inter Mailand am Dienstag setzte sich das fort. Auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar zeigten Fans des marokkanischen Clubs Maghreb Fez laut The Athletic bei einem Spiel der afrikanischen Champions League ein Banner, das Ceuta und Melilla als marokkanisches Staatsgebiet auswies.

Koalitionspartner Sumar will die Spannungen nun auch auf die WM 2030 ausweiten, die Spanien mit Portugal und Marokko ausrichten soll. Die Fraktion fordert im Kongress eine Überprüfung der gemeinsamen Ausrichtung bei Fifa und Portugal, bis hin zur möglichen Aberkennung des Gastgeberstatus für Marokko.

Verfahren gegen Sánchez Frau

Die Krise trifft Sánchez in einer angespannten Phase. Am Dienstag hatte das Gericht im Verfahren gegen seine Frau Begoña Gómez wegen mutmaßlichen Einflusshandels die Anhörung vor dem Geschworenenprozess einberufen, berichtete die Nachrichtenagentur EFE. Zugleich rückt das Urteil gegen seinen Bruder David Sánchez näher, die Audiencia Provincial de Badajoz will es laut The Objective Ende September verkünden.

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