Es ist nicht die erste Männerrolle, die Sandra Hüller spielt. 2019 gab sie am Schauspielhaus Bochum den Hamlet, in Markus Schleinzers Berlinale-Gewinnerfilm „Rose“, der gerade in den deutschen Kinos läuft, ist sie ein Kriegsheimkehrer, der sich als Frau entpuppt – eine Hosenrolle, die ihr in Berlin den Silbernen Bären einbrachte. Nun kündigt sich die nächste Verwandlung an: Hüller wird den Schriftsteller Wolfgang Herrndorf spielen.
Maria Schrader verfilmt Wolfgang Herrndorfs „Arbeit und Struktur“
Maria Schrader verfilmt Herrndorfs autobiografisches Werk „Arbeit und Struktur“. Das 2013 postum erschienene Buch, hervorgegangen aus dem gleichnamigen Blog, den Herrndorf nach der Diagnose eines unheilbaren Gehirntumors ab 2010 führte, schildert seine letzten Lebensjahre zwischen Klinikaufenthalten, manischen Schaffensphasen und der Arbeit an drei Romanen – mit unbestechlicher Klarheit und sarkastischem Humor.
Wolfgang Herrndorf (1965-2013)
© imago stock&people
Das Drehbuch schrieben Schrader und Jan Schomburg gemeinsam, die Dreharbeiten beginnen Anfang 2027. Ins Kino kommt der Film 2028. Schrader beschreibt den Stoff so: „Ein Mann kämpft mit Worten gegen sein Verschwinden und wird im Angesicht des Todes lebendiger als je zuvor.“ Sie folge Herrndorf „in die hellen, die dunklen und die geheimen Winkel des Menschseins“ – eine der spannendsten Aufgaben, die sie sich vorstellen könne.
Sandra Hüller und Wolfgang Herrndorf: eine besondere Verbindung
Für Hüller ist es nicht die erste Begegnung mit Herrndorfs Werk. 2016 stand sie am Theater Neumarkt Zürich als Isa auf der Bühne, in „Bilder deiner großen Liebe“ nach Herrndorfs postumem Romanfragment – der ersten Produktion des Theaterkollektivs FARN.collective, das Hüller gemeinsam unter anderem mit dem Regisseur Tom Schneider gegründet hat. Die Inszenierung war unter anderem auch an der Volksbühne Berlin zu sehen, die Hörbuchversion wurde 2019 von der HR2-Bestenliste als Hörbuch des Jahres ausgezeichnet. 2025 inszenierten Hüller und Schneider dann gemeinsam „Penthesile:a:s“ am Neuen Theater Halle – Hüllers Regiedebüt.
FARN.collective: neue Bühnenarbeit am Gorki Theater
Als Nächstes zieht es das Kollektiv fest nach Berlin: Unter der neuen Intendantin Çağla Ilk wird FARN künftig regelmäßig am Maxim Gorki Theater arbeiten, mit einer neuen Produktion über Schauspiel, kollektive Autorenschaft und neue theatrale Formen.
Berlinale: Silberner Bär für Sandra Hüller
Biopic „Bachmann – Jemand, der einmal ich war“ mit Sandra Hüller: So gegenwärtig, wie Kunst nur sein kann
Hüller sagt, Herrndorfs Schreiben habe sie „nicht mehr losgelassen“, seit sie ihm zum ersten Mal begegnet sei; ihn nun als Menschen zu zeigen, in dem Moment, in dem sein Leben aus den Fugen geriet und zugleich seine Autorenstimme gefunden wurde, sei für sie „eine große Ehre und Herausforderung“.
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