Wer in diesem Sommer an Mecklenburgs Ostseeküste spazieren geht, stößt an einigen Stränden auf eine Überraschung: abgesperrte Bereiche, dazu Schilder mit der Bitte, nicht durchzugehen und Hunde anzuleinen. Schuld ist ein Vogel, den die meisten Strandbesucher noch nie bewusst gesehen haben – der Sandregenpfeifer an der Ostsee.
Der kleine Watvogel gehört zu den am stärksten bedrohten Küstenvögeln Deutschlands, in ganz Deutschland gibt es weniger als 1000 Brutpaare. Die gute Nachricht: Nach drei Jahren gemeinsamer Schutzarbeit von Zoo Rostock, NABU und Ornithologen gibt es erste Erfolge. Damit das so bleibt, sind alle Strandgäste gefragt.
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Warum ein winziger Vogel ganze Strandabschnitte sperrt
Der Sandregenpfeifer ist ein Strandbrüter – und genau das macht ihn so verletzlich. Sein Nest besteht nur aus einer flachen Mulde im Sand oder Kies.
Die Eier und die frisch geschlüpften Küken sind perfekt getarnt und sandfarben. Bei Gefahr ducken sich die Jungvögel einfach auf den Boden. Was gegen Fressfeinde hilft, wird an vollen Stränden zur Falle.
Denn Gelege und Küken werden von Menschen leicht übersehen – und versehentlich zertreten. Auch freilaufende Hunde und die schlichte Nähe von Badegästen stören das Brutgeschäft. Weil die intensive Freizeitnutzung kaum noch störungsfreie Plätze lässt, gilt die Art als vom Aussterben bedroht.
Was Strandbesucher jetzt beachten sollten
Die Schutzflächen sind so angelegt, dass Urlaub und Vogelschutz zusammenpassen. Gesperrt werden nur die oberen, höher gelegenen Strandbereiche, in denen die Vögel brüten.
Am Wasser können Strandgäste weiter spazieren gehen und baden. Wichtig sind vor allem zwei Regeln:
- Die abgezäunten und beschilderten Bereiche nicht betreten.
- Hunde konsequent anleinen.
- Die Wasserkante und den restlichen Strand ganz normal nutzen.
„Wer Schutzbereiche respektiert, Hunde anleint und brütende Vögel nicht stört, leiste einen wichtigen Beitrag zum Erhalt einer der seltensten Vogelarten Mecklenburg-Vorpommerns“, heißt es sinngemäß von den Projektpartnern. Die Sperrungen gelten saisonal – der Sandregenpfeifer brütet zwischen April und August.
Gut getarnt im Sand: Für ungeübte Augen sind die Nester des Sandregenpfeifers und seine Küken am Strand kaum zu erkennen – deshalb werden Brutbereiche jetzt abgesperrt. (Symbolbild)
© BIA/Imago
Wo die Strandinseln liegen
Seit dem Projektstart 2024 wurde das Netz der geschützten Bereiche, sogenannter „Strandinseln“, immer weiter ausgebaut. Es reicht heute an mehreren Stellen entlang der Küste.
Aktuell gibt es solche Schutzflächen in Börgerende, in Elmenhorst und in Wittenbeck. Hinzu kommen das Naturschutzgebiet Riedensee, der Bereich der Rostocker Heide sowie die Wismarbucht.
Das Konzept ist nicht neu: Am Riedensee westlich von Kühlungsborn brüteten Sandregenpfeifer 2022 nach acht Jahren erstmals wieder erfolgreich. Von den Zonen profitieren auch andere Strandbewohner wie die Pflanze Meerkohl.
So läuft die Rettung – mit Rückkehrer zum Happy End
Neben den Strandinseln greifen die Fachleute zu einem zweiten Mittel: Besonders gefährdete Gelege, die vor Ort nicht zu schützen sind, werden im Zoo Rostock ausgebrütet und die Jungvögel dort aufgezogen. Anschließend werden sie wieder ausgewildert.
Bislang sind so sechs Sandregenpfeifer erfolgreich großgezogen und in die Freiheit entlassen worden. In diesem Jahr musste kein einziges Gelege in Obhut genommen werden – die Brutpaare nutzten die Schutzflächen erfolgreich selbst.
Das schönste Signal lieferte aber ein einzelner Vogel: Ein ausgewildertes Tier kehrte in diesem Jahr ins Projektgebiet zurück. Für die Fachleute ist das der Beweis, dass ihr Weg funktioniert.
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