Nordkorea hat seinen Botschafter in Großbritannien, Mun Myong-sin, abgezogen und die diplomatischen Beziehungen auf die Ebene eines Geschäftsträgers herabgestuft. Das berichtete die auf Nordkorea spezialisierte Website NK News laut Reuters unter Berufung auf eine Stellungnahme der nordkoreanischen Botschaft in London. Die Herabstufung gelte, bis Großbritannien seine Sanktionen gegen das Songdowon International Children’s Camp in Nordkorea aufhebe.
Die britische Regierung hatte das Ferienlager am 11. Mai auf eine Sanktionsliste gesetzt. Nach Angaben des britischen Außenministeriums steht die Einrichtung im Verdacht, die „erzwungene Deportation und Umerziehung ukrainischer Kinder“ zu unterstützen, wie Euronews berichtete.
Russland-Kooperation: Nordkorea reagiert empört auf Erklärung von EU und Südkorea
Pjöngjang spricht von „Provokation“
Der nordkoreanische Botschafter hatte sein Amt in Großbritannien laut Reuters erst vor einem Monat angetreten. Die nordkoreanische Botschaft in London bezeichnete das Vorgehen Großbritanniens laut NK News als „abscheuliche, unethische und politisch motivierte Provokation“. Die Botschaft warf London außerdem vor, das Ansehen Nordkoreas beschädigen und die Beziehungen zu Russland untergraben zu wollen.
Das nordkoreanische Außenministerium hatte die Sanktionen laut Reuters bereits im Mai als haltlos zurückgewiesen und erklärt, sie verletzten die Rechte der Kinder, die im Lager die „kostbarste“ Behandlung erhielten. Das Lager nahe der Stadt Wonsan wurde laut der Website des in China ansässigen Reiseveranstalters Koryo Tours 1960 eröffnet und kann bis zu 1200 Kinder gleichzeitig aufnehmen.
Nach einem 2025 veröffentlichten Bericht des in der Ukraine ansässigen Regional Centre for Human Rights, auf den sich Euronews bezieht, sollen zwei Kinder aus von Russland besetzten Gebieten der Ukraine in das Songdowon-Lager geschickt worden sein. Dort sollen sie unter anderem an Treffen mit nordkoreanischen Veteranen teilgenommen haben, die 1968 an einem Angriff auf ein Schiff der US-Marine beteiligt gewesen seien und dabei neun US-Soldaten getötet oder verletzt haben sollen.
Nach ukrainischen Angaben gelten seit Kriegsbeginn 2022 insgesamt 2318 ukrainische Kinder als vermisst, 20.570 seien deportiert oder zwangsweise umgesiedelt worden, 704 getötet, berichtete Euronews im Mai. Russland hat mehrfach Vorwürfe zurückgewiesen, Kinder aus der Ukraine entführt zu haben.
Großbritannien hatte laut Reuters im vergangenen Jahr einen neuen Botschafter für Nordkorea ernannt, die britische Botschaft in Pjöngjang sei seit der Corona-Pandemie jedoch geschlossen. Das britische Außenministerium wollte sich dem Bericht zufolge nicht zum Abzug Muns äußern. Die nordkoreanische Botschaft in London reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage, hieß es.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]