Die US-Regierung weitet ihre Wirtschaftssanktionen gegen den Iran deutlich aus und droht Staaten, Unternehmen und Banken, die weiterhin Geschäfte mit Teheran machen, mit Strafmaßnahmen.
Finanzminister Scott Bessent kündigte am Montag eine „beispiellose“ Kampagne an, die dem iranischen Führungssystem sämtliche wirtschaftlichen Lebensadern abschneiden soll. Ziel der Operation „Economic Outcast“ sei eine „ökonomische Erdrosselung“ des Regimes in Teheran.
Bessent: Trump telefoniert bereits mit Staatschefs
Im Zentrum stehen dabei sogenannte Sekundärsanktionen: Auch ausländische Unternehmen und Finanzinstitute, die weiterhin Geschäfte mit dem Iran machen, könnten vom US-Finanzsystem abgeschnitten werden
Man starte somit einen wirtschaftlichen Angriff auf die weltweiten Finanzverbindungen Irans, sagte Bessent. Präsident Donald Trump telefoniere derzeit mit ausländischen Staats- und Regierungschefs und fordere sie auf, ihre Beziehungen zu Teheran zu beenden.
Vor den offiziellen Ankündigungen hatte Bessent am Sonntag bereits von einem kommenden „wirtschaftlichen D-Day“ gegen den Iran gesprochen.
Vor „härtesten Sanktionen“: Ölmarkt reagiert nervös
Fünf Wirtschaftszweige im Visier
Das US-Finanzministerium kündigte zudem Maßnahmen gegen fünf weitere Bereiche der iranischen Wirtschaft an: digitale Vermögenswerte, Technologie, Gold, Luftfahrt und Schifffahrt. Zugleich wurden mehr als 60 Personen, Unternehmen und Schiffe in verschiedenen Ländern mit Sanktionen belegt.
Nach Angaben des Ministeriums wurden zudem knapp 60 Personen, Firmen und Schiffe in verschiedenen Ländern mit Sanktionen belegt, darunter Netzwerke in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Hongkong, China, Singapur, der Schweiz und Europa.
Bessent bezeichnete die neuen Maßnahmen laut CNN als „Warnschuss". Jedem Land werde ein fester Zeitplan gesetzt, um die vom Ministerium identifizierten Aktivitäten mit dem Iran einzustellen. Konkrete Fristen oder Namen betroffener Staaten nannte er nicht. Ein sofortiges Vorgehen ohne Vorwarnung könne „das globale Finanzsystem in die Luft jagen“, sagte Bessent auf Nachfrage von Journalisten.
Vorsichtiger Umgang mit China
Auf die Frage, ob auch chinesische Großbanken ins Visier genommen würden, sagte Bessent, niemand sei vor US-Sanktionen sicher. Man setze aber auf „stille Diplomatie“.
China ist seit Jahren mit Abstand der größte Abnehmer iranischen Öls. Ein hartes Vorgehen gegen chinesische Banken gilt als heikel, da für den kommenden Monat Gespräche zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping erwartet werden.
So reagiert der Iran
Am Abend schrieb der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Bagher Ghalibaf im Onlinedienst X: „Die Amerikaner wissen, dass niemand ihre großspurigen Drohungen glaubt. Die USA sind wirtschaftlich nicht in der Lage, ihre Beziehungen zu anderen Ländern noch weiter einzuschränken.“ Irans Handelspartner hätten Teheran mitgeteilt, dass sie diese Äußerungen nicht ernst nähmen.
Der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei, warf den USA nach Angaben des Staatssenders IRIB bei einem Treffen mit dem pakistanischen Armeechef Asim Munir vor, ihr Verhalten ändern zu müssen.
Die Vereinigten Staaten müssten konkrete Schritte zur Erfüllung des bestehenden Memorandums unternehmen, wurde Rezaei zitiert. Es handelt sich dabei um ein Memorandum of Understanding zwischen den USA und Iran, das im Juni vereinbart wurde und laut Irans Präsident Massud Peseschkian weiterhin der beste Weg aus dem festgefahrenen Konflikt sei.
Straße von Hormus weiter als Hebel
Zudem hatte Teheran gedroht, sämtliche Öllieferungen durch die Straße von Hormus zu stoppen, sofern der Wirtschaftskrieg fortgesetzt werde. Rezaei erklärte, „kein Tropfen Öl“ werde in diesem Fall mehr aus dem Persischen Golf exportiert.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist Irans Währung parallel dazu auf ein Rekordtief gegenüber dem US-Dollar gefallen.
Die USA haben den Iran bereits seit Jahrzehnten mit weitreichenden Sanktionen belegt; die neue Kampagne soll nun vor allem die internationalen Finanz- und Handelsverbindungen des Landes treffen.
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