Saudi-Arabien hat nach eigenen Angaben in der Provinz Medina rund 110 Millionen Tonnen uranhaltiges Erz entdeckt. Energieminister Prinz Abdulasis bin Salman gab den Fund am Montag bei der Generalkonferenz der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien bekannt, wie das saudische Staatsfernsehen laut Reuters berichtete.
Die Erkundungen am Standort Dschabal Sayid hätten mineralisiertes Gestein mit Uran und schweren Seltenen Erden nachgewiesen, berichtete der saudische Sender Al Arabiya. Angaben zur Konzentration des Urans und zur wirtschaftlich förderbaren Menge wurden zunächst nicht gemacht.
Bei den 110 Millionen Tonnen handelt es sich nicht um reines Uran, sondern um die Gesamtmenge des uranhaltigen Gesteins. Der tatsächliche Wert des Fundes hängt davon ab, wie hoch der Urangehalt ist und mit welchem Aufwand sich der Rohstoff gewinnen lässt.
Eigener nuklearer Brennstoffkreislauf
Der Fund ist besonders interessant, weil Saudi-Arabien ein umfassendes ziviles Atomprogramm aufbauen und dafür möglichst viele Stufen des Brennstoffkreislaufs im eigenen Land kontrollieren will. Abdulasis hatte bereits Anfang 2025 angekündigt, das Königreich wolle Uran abbauen, zu Yellowcake verarbeiten, anreichern und verkaufen.
Die Urananreicherung ist politisch sensibel. Niedrig angereichertes Uran kann als Brennstoff für Atomkraftwerke dienen. Mit denselben technischen Anlagen lässt sich bei höherer Anreicherung jedoch auch Material für Atomwaffen herstellen. Kronprinz Mohammed bin Salman hatte im Jahr 2018 erklärt, Saudi-Arabien werde eine Atombombe entwickeln, falls der regionale Rivale Iran dies tue.
Laut dem von der OECD-Atomenergieagentur und der IAEA veröffentlichten Bericht Uranium 2026 werden die bekannten saudischen Uranressourcen auf rund 31.700 Tonnen geschätzt. Diese Zahl bezeichnet den vermuteten Urananteil und ist nicht mit der wesentlich größeren Menge des Gesteins gleichzusetzen.
Streit über Kontrollen
Saudi-Arabien und die USA vereinbarten im Juli eine Zusammenarbeit beim Aufbau ziviler Atomkraft. Diese soll Riad auch die Nutzung amerikanischer Reaktortechnik und die Anreicherung von Uran ermöglichen. Fachleute fordern deshalb besonders strenge internationale Kontrollen.
IAEA-Chef Rafael Grossi sagte Reuters, Riad bereite zusätzliche Kontrollrechte für die Behörde vor. Das Königreich will bislang jedoch nicht das vollständige Zusatzprotokoll unterzeichnen, das der IAEA weitergehende Inspektionen ermöglicht. Der neue Fund vergrößert damit nicht nur Saudi-Arabiens wirtschaftliche Möglichkeiten, sondern auch die Bedeutung einer überprüfbaren Begrenzung seines Atomprogramms.
Bericht: Saudische Ölpipeline könnte wochenlang ausfallen – Hormus-Gespräche im Oman verschoben
Uran, Lithium, Atomkraft: Südkorea schließt 13 Vereinbarungen mit Kasachstan
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]