Hormus-Alternative

Saudische Ölpipeline offenbar von Angriffen getroffen – Iran und Golfstaaten vor Verhandlungen

Geschosse sollen Pumpstationen der Ost-West-Ölleitung in Saudi-Arabien getroffen haben. Zugleich treiben Oman und Iran Gespräche über die Straße von Hormus voran.

3 Min
Schwarzer Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline südöstlich von Medina.

Schwarzer Rauch nahe der saudischen Ost-West-Pipeline südöstlich von Medina.

© Copernicus Sentinel Data/AFP

Eine der wichtigsten Ölrouten Saudi-Arabiens ist offenbar angegriffen worden. Geschosse sollen dabei am Donnerstag Pumpstationen an der Ost-West-Pipeline getroffen und Brände ausgelöst haben, berichtete der US-Sender CNN unter Berufung auf zwei US-Regierungsvertreter.

Die Nachrichtenagentur Reuters verifizierte zudem Satellitenaufnahmen, die schwarzen Rauch nahe der Leitung südlich von Medina zeigen. Eine Bestätigung der saudischen Regierung oder des staatlichen Ölkonzerns Aramco lag zunächst nicht vor.

Drohnen stammten womöglich aus dem Irak

Wer für den mutmaßlichen Angriff verantwortlich war, blieb unklar. Ein US-Regierungsvertreter sagte CNN, die eingesetzten Drohnen seien aus dem Irak gekommen. Ob auch die Pipeline selbst beschädigt wurde und wie lange mögliche Reparaturen dauern könnten, war zunächst nicht bekannt.

Auf Satellitenbildern waren CNN zufolge neun größere Feuer entlang der Leitung zu erkennen. Mindestens sechs davon lagen allerdings an Abfackelanlagen, an denen Öl oder Gas kontrolliert verbrannt werden kann. Eine am Freitag aufgenommene Aufnahme soll erhebliche Brandschäden an einer Pumpstation zeigen.

Die Ost-West-Pipeline verbindet die Fördergebiete am Persischen Golf mit dem Hafen Yanbu am Roten Meer. Seit der Iran die Straße von Hormus weitgehend blockiert, leitet Saudi-Arabien CNN zufolge täglich rund fünf Millionen Barrel Öl über diese Route um. Ein längerer Ausfall würde eine der wichtigsten verbliebenen Ausweichmöglichkeiten für saudische Exporte gefährden.

Berichte: Treffen im Oman geplant

Parallel bemühen sich die Golfstaaten um eine diplomatische Entschärfung. Die Außenminister der sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats und Irans wollen sich nach Informationen der Financial Times und Bloomberg unter Berufung auf interne Quellen am Montag in Salalah im Oman treffen. Es wäre die erste Zusammenkunft auf dieser Ebene seit Beginn des Kriegs vor mehr als sechs Monaten.

Beraten werden soll über eine vorläufige Vereinbarung für Handelsschiffe in der Straße von Hormus. Ein von Oman und Iran ausgearbeiteter Vorschlag sieht der Financial Times zufolge sichere Passagen durch iranische und omanische Gewässer vor. Die Golfstaaten seien grundsätzlich bereit, über den Plan zu sprechen, wollten eine mögliche Vereinbarung aber zeitlich begrenzen.

Der Iran bestätigte Vorbereitungen für Beratungen am Montag. Neben Iran und den Golfstaaten solle auch der Irak teilnehmen, erklärte Außenamtssprecher Esmail Baghaei nach Angaben Bloombergs auf Telegram.

Eine endgültige Öffnung der Meerenge dürfte von weitergehenden Verhandlungen zwischen Washington und Teheran abhängen. Iran verlangt nach Angaben der Financial Times ein Ende der US-Blockade gegen iranische Häfen und Öltanker. Die USA und die Golfstaaten lehnen zugleich iranische Pläne ab, Gebühren für die Durchfahrt zu erheben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Druck auf Ausweichroute Bab el-Mandab

Die Gespräche werden derweil durch die neue Eskalation im Jemen belastet. Die mit Iran verbündeten Huthis haben nach Angaben der international anerkannten Regierung Jemens die gesamte Küste des Landes am Roten Meer sowie strategische Inseln am Bab al-Mandab erobert. Damit wächst auch der Druck auf den westlichen Ausgang der saudischen Ölpipeline.

Huthi-Militärsprecher Jahja Saree bekräftigte die Blockade gegen saudische Schiffe. Die Schifffahrt sei „für alle Unternehmen sicher, mit Ausnahme der saudiarabischen Schiffe, gegen die bereits zuvor ein Verbot verhängt wurde“, erklärten die Huthi-Streitkräfte auf Telegram.

Saudi-Arabiens Ölangebot sank nach Angaben der Internationalen Energieagentur im August um 2,3 Millionen auf sechs Millionen Barrel täglich. Das war der niedrigste Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Als Gründe nannte die Behörde unter anderem Angriffe auf Schiffe am Bab al-Mandab.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner