Eines der bekanntesten Diskursformate Berlins steht offenbar zur Disposition: Der „Streitraum“ an der Schaubühne soll pausieren, nachdem die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ihre langjährige Förderung überraschend gestrichen hat. Das meldet das Theater und teilt mit: Ohne eine alternative Finanzierung können die für die kommende Spielzeit geplanten Ausgaben nicht stattfinden.
Was ist passiert?
Seit 2006 wurde der „Streitraum“ von der bpb unterstützt. Nach einem Leitungswechsel im März 2026 entschied die Behörde, die Förderung nicht zu verlängern. Für die Schaubühne kommt das zur Unzeit: Wegen langer Vergabefristen und anhaltender Kürzungen im Kulturbereich ist es nach eigenen Angaben „extrem schwierig“, kurzfristig Ersatzförderung zu finden.
Das Theater kündigt an, alles daranzusetzen, das Format langfristig zu erhalten. Bis eine neue Finanzierung gefunden ist, muss der „Streitraum“ jedoch aussetzen.
Am 25. Oktober: Vorerst letzte, improvisierte Ausgabe
Bevor die Reihe pausiert, gibt es noch einen Termin: Am 25. Oktober moderiert Carolin Emcke eine vorerst letzte, improvisierte Ausgabe des „Streitraum“. Thema des Abends: „Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten“ – ein Titel, der angesichts der Absage eine bittere Note bekommt.
Eigentlich sollte die Spielzeit 2026/27 unter dem Motto „Prinzip Hoffnung oder: das (Un-)Mögliche denken“ stehen und die Hoffnung zurück in den öffentlichen Diskurs holen.
„Streitraum“: Seit über 25 Jahren ein Berliner Diskursformat
Der „Streitraum“ wurde 2000 gegründet und seit 2004 von der Publizistin Carolin Emcke moderiert und kuratiert. Über zwei Jahrzehnte hat das Format nach eigener Darstellung einen eigenen Standard für ruhiges, zugewandtes und multiperspektivisches Nachdenken auf der Bühne gesetzt.
Zu Gast waren im Lauf der Jahre unter anderem: Richard Sennett, Herfried Münkler, Eva Illouz, András Schiff, Seyla Benhabib, Didier Eribon, Monika Grütters, Seyran Ateş oder Nicole Deitelhoff. Die Veranstaltungen an der Schaubühne sind regelmäßig innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Seit 2020 wird der „Streitraum“ zusätzlich live gestreamt und erreichte damit 2025 rund 23.000 weitere Zuschauer.
Scharfe Kritik von Schaubühnen-Intendant Ostermeier
Der künstlerische Leiter der Schaubühne, Thomas Ostermeier, findet deutliche Worte für die Streichung: „In Zeiten der Bedrohung der Demokratie durch vereinfachtes und schematisches Gut-Böse-Denken ist die Beendigung der Förderung ein katastrophales Zeichen. Besonders, weil der ‚Streitraum‘ versucht, aktuelle Fragen komplexer und mit Zeit zu erörtern.“
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