Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Versetzung der aus Sachsen stammenden Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein öffentlich infrage gestellt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im Zuge seines Kabinettsumbaus verfügt, dass Schenderlein als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium wechselt.
Für viele in Ostdeutschland ist das mehr als eine Personalie: Schenderlein war die einzige ostdeutsche Ministerin im Kabinett Merz. Kretschmer sieht in der Entscheidung ein falsches Signal.
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Was Kretschmer an der Entscheidung stört
Kretschmer wählte im Gespräch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) klare Worte. Schenderlein sei das „erfolgreichste Kabinettsmitglied in der Regierung Merz“, sagte der CDU-Politiker.
Er verwies auf ihre Bilanz: Sie habe das Sportfördergesetz gemacht, die Sportagentur gegründet und nach Mitteldeutschland gebracht. Das zeige, dass Menschen aus den neuen Ländern mit Sachkenntnis und eigenem Antrieb für ihre Heimat kämpften.
Sein Fazit ist eindeutig: „Insofern habe ich diesen Wechsel überhaupt nicht verstanden“.
Warum der Osten die Ablösung als Signal wertet
Für viele in den ostdeutschen CDU-Landesverbänden ist der Weggang aus dem Kanzleramt ein Rückschlag. Als gebürtige Sächsin stand Schenderlein sinnbildlich für ostdeutsche Präsenz in der Regierungszentrale.
Entsprechend groß ist der Unmut. Der sportpolitische Sprecher der sächsischen CDU-Fraktion, Wolf-Dieter Rost, betonte, Schenderlein habe sich mit viel Engagement für Sport und Ehrenamt eingesetzt.
Es komme nun darauf an, dass diese Themen weiter stark auf Bundesebene vertreten seien – und dass Sachsen „weiterhin eine Stimme am Kabinettstisch“ habe.
Ostdeutsche Interessen: Kretschmers grundsätzlicher Vorwurf
Kretschmer beließ es nicht bei der einzelnen Personalie. Er sieht bei der Bundesregierung einen großen Nachholbedarf bei der Wahrnehmung ostdeutscher Interessen.
Ostdeutsche Interessen: Hier sieht Kretschmer Handlungsbedarf
- Rente – die Alterssicherung im Osten
- Pflegeheimkosten – die finanzielle Belastung für Betroffene
- Wirtschaftliche Entwicklung – die Lage in den neuen Ländern
Aus Sicht Kretschmers reiht sich die Schenderlein-Ablösung in ein größeres Muster ein: die aus seiner Sicht zu geringe Berücksichtigung ostdeutscher Anliegen in Berlin.
Wer folgt Schenderlein nach?
Wer Schenderlein als Sport-Staatsministerin nachfolgt, ließ Merz zunächst offen. Als Kandidatin wurde die frühere Fußball-Nationalspielerin Nadine Keßler gehandelt.
Die 38-Jährige wurde 2014 als Weltfußballerin des Jahres ausgezeichnet und verantwortet bei der UEFA den Frauenfußball. Sie stammt aus Westdeutschland – ein Detail, das die Debatte um ostdeutsche Repräsentanz zusätzlich befeuert. Schenderlein selbst äußerte keine Kritik. Sie respektiere den Wunsch und freue sich auf die neue Aufgabe, erklärte die CDU-Politikerin.
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