Es ist das einzige vollständig erhaltene Rittergut in Sachsen und liegt idyllisch an den Ausläufern des Lausitzer Berglandes: das Barockschloss Rammenau in der Nähe von Bautzen. Nun rückt das Schloss in der Westlausitz in den internationalen Fokus: Die im Sommer 2025 eröffnete Dauerausstellung „Kuhstall und Silberteller“ ist mit zwei internationalen Auszeichnungen prämiert worden.
Das Berliner Kreativbüro studio klv, das die Ausstellungsgestaltung verantwortet, zählt zu den Gewinnern des Iconic Awards 2026 in der Kategorie „Architecture“, Unterkategorie „Event & Exhibition“. Vergeben wird der Preis vom German Design Council, das sich unter zahlreichen Bewerbern entscheiden musste: 2026 gingen 800 Einreichungen aus 45 Ländern ein.
Doch damit nicht genug: Zusätzlich wurde das Ausstellungsdesign beim Red Dot Award 2026 – Brands & Communication Design in der Kategorie „Spatial Communication“, Unterkategorie „Exhibition Design“ ausgezeichnet. Der Red Dot, dessen Ursprünge bis 1955 zurückreichen, gilt international als eines der begehrtesten Qualitätssiegel für Gestaltung. Jährlich werden die besten Projekte, Designer und Agenturen im Kommunikationsdesign gesucht. Gestalter und Unternehmen reichen dafür ihre Kampagnen und Projekte zur Bewertung durch eine internationale Jury ein.
Schlossleiterin Sabine Peinelt zeigt sich zufrieden mit der Zusammenarbeit: „Schon beim Gestalter-Wettbewerb hat uns studio klv mit seinem sensiblen Umgang mit der Ästhetik unseres Barockschlosses überzeugt.“ Nicht die Gestaltung selbst habe im Mittelpunkt stehen sollen, vielmehr greife das Ausstellungsdesign die Formensprache des Schlosses auf und stelle sich in den Dienst der Vermittlung. Sie freue sich, dass mit dem Projekt zwei renommierte Preise zu den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen nach Rammenau gekommen seien.
Vom Rittergut zum Landbarockschloss
Die Geschichte des barocken Schlosses reicht bis ins frühe 18. Jahrhundert zurück. 1717 kaufte Ernst Ferdinand von Knoch, Kammerherr Augusts des Starken, das Rittergut Rammenau von der in Konkurs geratenen Familie von Seydewitz. Vier Jahre später begann der Neubau des Barockschlosses, dessen Planung Johann Christoph Knöffel zugeschrieben wird. Weil er hoch verschuldet war, floh Knoch 1744 aus Rammenau.
Das noch unfertige Schloss ging an die Familie von Hoffmann über, die den Bau vollendete und sich nach dem Aufstieg in den Adelsstand 1778 „von Hoffmannsegg“ nannte. Deren Sohn Johann Centurius Graf von Hoffmann gestaltete den idyllischen Landschaftspark, der bis heute erhalten ist.
Der Meierhof mit Stall- und Scheunengebäuden wurde früher landwirtschaftlich genutzt.
© Ben Walther
1794 verkaufte er das Gut für 100.000 Taler an seinen Schwager Friedrich von Kleist, einen preußischen Rittmeister. Dieser ließ mehrere Räume im Stil des Klassizismus umgestalten und den symmetrischen Garten in einen englischen Landschaftspark umwandeln. 1820 erwarb Hofmannsegg das Anwesen zurück; 59 Jahre später verkauften seine Erben es an Hans Curt Christoph Ernst von Posern.
Lazarett und Sommeratelier
Im Ersten Weltkrieg diente das Schloss als Lazarett. Nach der Besetzung durch die Rote Armee 1945 wurde die damalige Eigentümerin Margarete von Helldorf, eine geborene von Posern, im Zuge der Bodenreform in der Sowjetischen Besatzungszone enteignet. Ab 1951 wurden die Räume für schulische Zwecke genutzt: als Sommeratelier der Hochschule für Bildende Künste Dresden und bis 1962 als Landstudienheim. 1967 eröffnete ein Geschichtsmuseum, ein Jahr später kamen ein Schlossrestaurant und Konzerte im Spiegelsaal hinzu. Anfang der 1990er-Jahre ging die gesamte Anlage in den Besitz des Freistaates Sachsen über.
Dagegen sieht Berlin ganz schön alt aus: Auf geht’s nach Warschau und in die Lausitz
Landkreis Bautzen streicht Buslinien, um Geburtsklinik zu retten
Heute können Besucher im Inneren das Chinesische Zimmer, das Pompeijanische Zimmer, Vogelzimmer, Pfauenzimmer und Jagdzimmer mit spätbarocker und frühklassizistischer Raumgestaltung entdecken. Der Spiegelsaal wird für klassische Konzerte genutzt, die historischen Speisesalons für Feierlichkeiten.
Barock und Klassizismus
Besonders das Teufelszimmer und das Bulgarische Zimmer der Beletage gelten als Beispiele klassizistischer Raumgestaltung: Während sich die Ausmalung des Teufelszimmers auf die griechische Mythologie bezieht, thematisiert das Bulgarische Zimmer idealisierte antike Landschaften.
Dresdner Galerie widmet dem verstorbenen Bildhauer Hans Scheib eine Einzelschau
Diesmal kaum Ossi-Bashing: Wie die deutschen Leitmedien die Sachsen-Anhalt-Wahl verdauen
Vermutlich ließ Friedrich von Kleist die Räume so umgestalten. Das Chinesische Zimmer wiederum verweist auf die barocke Grundgestaltung: Angeregt durch den weltoffenen Handel, war die Barockzeit geprägt von außereuropäischen Kulturen. Dies führte auch dazu, dass sich die Innenausstattung wandelte. Die beliebteste Stilrichtung wurde die Chinoiserie. Insbesondere asiatische Vorbilder beeinflussten das Formenrepertoire von Künstlern und Kunsthandwerkern.
Er ist mit seinen 100 Quadratmetern Fläche der größte und festlichste Raum und befindet sich in der Beletage im Obergeschoss des Barockschlosses: der Spiegelsaal
© Michael Klinger
Guckkastenbühnen und Cut-Out-Figuren
Die am 29. Juni 2025 eröffnete Dauerausstellung bezieht den früheren Wirtschaftshof, das Schloss und den englischen Landschaftspark ein. Grundlage waren jahrelange Planungs-, Sanierungs- und Umbauarbeiten. 14 filigrane Guckkastenbühnen öffnen sich wie kleine Theater und werden von Cut-Out-Figuren im Kupferstichstil belebt. Sie verbinden Originalobjekte, Dioramen und digitale Ebenen zu verdichteten Szenen. Die Grafik nimmt die Ornamente der barocken Säle auf. Im Meierhof und Park veranschaulichen interaktive Inszenierungen das Leben und das Miteinander von Adel und Untertanen.
Die Ausstellung ist täglich außer dienstags von 10–18 Uhr geöffnet, ab dem 25. Oktober von 10–16 Uhr.
Die Ausstellung „Kuhstall und Silberteller“ vermittelt die Geschichte der Landbarockanlage und bezieht den Wirtschaftshof, das Schloss und den englischen Landschaftspark ein.
© Ahoi Adventures Gentzel & Mädler GbR
Musicalmelodien im Spiegelsaal
Auch musikalisch hat die Schlossanlage einiges zu bieten: Am Sonntag, dem 4. Oktober 2026, gastiert um 17.30 Uhr das Duo con emozione im Spiegelsaal des Barockschlosses. Die Sopranistin Liane Fietzke und der Pianist Norbert Fietzke präsentieren unter dem Titel „Gold von den Sternen“ Liebeslieder aus Musicals wie „Cats“, „My Fair Lady“, „West Side Story“, „Sunset Boulevard“ und „Phantom der Oper“, ergänzt um Anekdoten zu den Stücken und ihren Machern.
Duo con emozione: Sopranistin Liane Fietzke und Pianist Norbert Fietzke sind am 4. Oktober in Rammenau zu Gast.
© Annelie Brux
Beide Künstler wurden an der Musikhochschule Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig ausgebildet, weitere Studien folgten in Köln und Weimar. Ab 16 Uhr gibt es die Möglichkeit zu einem Konzertvesper inklusive einem Glas Wein. Karten sind online im Vorverkauf über den Ticketshop des Schlösserlands Sachsen erhältlich.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]