Sprachwandel

Schluss mit Gendersternchen: Wie Mecklenburg-Vorpommern sprachlich vorangeht

Eine aktuelle Analyse zeigt: In Mecklenburg-Vorpommern gendern Unternehmen am seltensten. Doch was nach sprachlichem Rückstand klingt, trifft den Zeitgeist.

3 Min
In keinem Bundesland gendern so wenig Unternehmen wie in Mecklenburg-Vorpommern.

In keinem Bundesland gendern so wenig Unternehmen wie in Mecklenburg-Vorpommern.

© Sven Hoppe/dpa

Keine zehn Jahre ist es her, da erlebte das Gendern hierzulande seine Hochphase. Aus einer rein sprachwissenschaftlichen Debatte wurde ein gesellschaftliches Großthema: Unternehmen entdeckten das Gendersternchen für sich, Behörden experimentierten mit geschlechtergerechter Sprache und auch in den Medien wurde selbstverständlich über Binnen-I, Doppelpunkt, Schräg- und Bindestrich diskutiert.

Es war eine Zeit, in der Gendern für viele zum sichtbaren Symbol einer moderneren, inklusiveren Gesellschaft wurde – und für andere zum Reizwort, zum Aufregerthema schlechthin. Doch der Wind scheint sich langsam, aber sicher zu drehen.

Immer weniger Zustimmung für Gendersprache

Innerhalb weniger Jahre ist die Zustimmung zum Gendern in Deutschland drastisch gesunken. Während 2020 eine repräsentative Infratest-dimap-Umfrage etwa noch zeigte, dass 35 Prozent der Deutschen genderneutrale Sprache in Medien und Öffentlichkeit befürworteten und „nur“ 56 Prozent sie ablehnten, sah es bereits im Jahr darauf anders aus. Rund zehn Prozent weniger waren nur noch dafür – auf der anderen Seite jedoch fast zehn Prozent mehr dagegen.

Der Trend setzte sich in den Folgejahren fort: Ende 2023 kam eine repräsentative Civey-Umfrage sogar auf 80 Prozent Ablehnung und gerade einmal 14 Prozent Zustimmung.

Innerhalb weniger Jahre ist die Zustimmung zum Gendern in Deutschland drastisch gesunken.

Innerhalb weniger Jahre ist die Zustimmung zum Gendern in Deutschland drastisch gesunken.

© Marijan Murat

Vor allem im Osten scheint sich diese Entwicklung nun besonders deutlich abzuzeichnen. Neben Sachsen und Thüringen werden laut der aktuellen „Gender-Analyse der Deutschen Wirtschaft“ des Datendienstleisters Listflix am wenigsten in Mecklenburg-Vorpommern Satzzeichen in der Anrede verwendet.

Das Portal untersuchte über 2,3 Millionen Unternehmenswebseiten in ganz Deutschland auf Gendersternchen, den Schräg- oder Bindestrich, die Klammerform und das Binnen-I im Plural.

Mecklenburg-Vorpommern hat die Nase vorn

Demnach verwendeten lediglich 6,5 Prozent aller untersuchten Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern genderneutrale Sprache. Zum Vergleich: In der deutschen Hauptstadt ist dieser Wert mehr als doppelt so hoch. Ob dies allerdings tatsächlich erst ein Trend der vergangenen Jahre ist oder ob sich in dem Urlaubsbundesland von Beginn an viele Unternehmen gegen Gendersternchen und Co. gestellt haben, geht aus der Untersuchung nicht hervor.

Und dennoch: Nur anhand dieser Zahlen zu urteilen, scheint Mecklenburg-Vorpommern durchaus den Zeitgeist zu treffen.

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Die besonders geringe Genderquote in mecklenburg-vorpommerschen Unternehmen könnte unter anderem auf die Größe der dortigen Betriebe zurückzuführen sein. So zeigt die Analyse von Listflix, dass besonders in Großunternehmen und im Mittelstand gendergerechte Sprache verwendet wird – laut dem Mittelstandsbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern jedoch besteht das Land zu über 90 Prozent aus Klein- und Kleinstunternehmen.

Im Branchenvergleich wird übrigens besonders häufig in Bildungseinrichtungen, im Einzelhandel und in Gesundheitsunternehmen gegendert; im verarbeitenden Gewerbe, in Kfz-Firmen und in der Gastronomie hingegen besonders selten.

Mit Ausnahme des Handels entspricht dies tatsächlich ungefähr auch der Branchenstruktur vor Ort. Womöglich ist Mecklenburg-Vorpommern also gar nicht sprachlich rückständig, sondern seiner Zeit einfach nur ein Stück voraus.

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