Schnee machte die Anreise zum ersten Jahresempfang des Bundeskanzlers in Berlin schwierig

Der saudi-arabische Botschafter als Ersatzredner

Meike Bruhns
3 Min

Zum ersten Mal hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Montag das Diplomatische Korps zum Jahresempfang nach Berlin geladen. Die Berliner Premiere in der Staatsoper Unter den Linden wurde vom Auswärtigen Amt minutiös geplant. Doch kurz vor Beginn sah es so aus, als müsste der Kanzler seine Rede vor deutlich gelichteten Reihen halten. Denn das winterliche Wetter hatte zu erheblichen Verspätungen auf dem Flughafen Köln/Bonn geführt. Zahlreiche Botschafter mussten stundenlang auf ihre Flüge warten. Einige gaben auf und blieben am Rhein. So auch der Apostolische Nuntius Giovanni Lajolo, der als Doyen stellvertretend für das diplomatische Korps als Redner vorgesehen war.Immer wieder verhandelten Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes per Handy mit der Lufthansa, um die fehlenden Botschafter und den Vertreter des Papstes doch noch nach Berlin zu bekommen. Zeitweilig gab es den Plan, den Nuntius mit Blaulicht vom Flughafen Berlin-Tegel zum Empfang zu eskortieren. Doch es nutzte nichts. Nuntius Lajolo blieb in Bonn. So musste Bernhard von der Planitz, der Protokollchef des Auswärtigen Amtes, knapp 40 Minuten vor dem Empfang einen Ersatzredner suchen.Als dienstältester anwesender Botschafter sprang der Vertreter Saudi-Arabiens, Abbas Ghazzawi, ein. Zeit, eine eigene Rede vorzubereiten, hatte er nicht. Nach einem arabischen Glaubensbekenntnis verlas er das Redemanuskript des Apostolischen Nuntius in englischer Sprache, komplett mit lateinischen Zitaten. Die Rede würdigte die Rolle Deutschlands als Motor der Europäischen Union und lobte, dass sich Deutschland zusammen mit anderen Nato-Staaten dafür eingesetzt habe, im Kosovo elementare Rechte wiederherzustellen.Die im Manuskript erwähnte Freude des Vatikan-Vertreters über die "rege Teilnahme an Gottesdiensten" im Kölner Dom während des G-8-Gipfels im Juni unterschlug Ghazzawi zwar, schloss aber nuntiusgetreu mit den Worten "Gottes Segen wünschen wir Ihnen, Herr Bundeskanzler, Ihrer Regierung und dem ganzen deutschen Volk." Ein Segen sei nicht an einzelne Glaubensrichtungen gebunden, sagte Ghazzawi anschließend. "Der ist für alle Völker gleich, egal, welche Religion sie haben."Bundeskanzler Gerhard Schröder nutzte die Gelegenheit, deutliche Worte an Russland zu richten. Mit versteinertem Gesicht hörte der russische Botschafter Sergej Krylow zu, als Schröder Russland aufforderte, die Angriffe gegen die Zivilbevölkerung in Tschetschenien "umgehend" einzustellen. "Wir haben Verständnis für die Notwendigkeit, zielgerichtet Terroristen zu bekämpfen", sagte Schröder, "unterschiedslose Angriffe auf die Zivilbevölkerung sind dazu aber kein zulässiges Mittel."Gegen Ende des Empfangs trafen die gestrandeten Botschafter aus Bonn ein. Zu spät für das Defilee und die Reden, aber noch rechtzeitig, um mit Bundeskanzler Schröder und Außenminister Joschka Fischer (Grüne) ein paar Worte zu wechseln. Mehr als drei Stunden lang hatten die Vertreter Kuwaits, der Vereinigten Arabischen Emirate sowie von Oman, Gabun, Angola, Tunesien, Luxemburg, Irak und Bahrain in Bonn gewartet. "Wir hatten Angst, dass wir nicht kommen können", sagte der kuwaitische Botschafter Abdulazeez Alsharikh. Venezuelas Botschafter Erik Becker Becker hatte dagegen Pech. Als er gegen 15 Uhr eintraf, waren Schröder und Fischer schon weg. "Alles in allem hat es doch eigentlich noch ganz gut geklappt", resümierte Protokollchef Bernhard von der Planitz nach dem Empfang.

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