Sollte die SPD die Bundestagswahl tatsächlich verlieren - aber die Hoffnung, ach ja, stirbt immer zuletzt -, sind die Gründe dafür seit gestern bekannt. Generalsekretär Franz Müntefering hat sie benannt, deutlich zwar, doch missverständlich, wie es seine gewohnte Art ist. Einerseits befand er, die Ursachen der miserablen demoskopischen Werte seiner Partei trügen die Namen Ron Sommer und Rudolf Scharping. Doch seien das - andererseits - "schnell fliegende Wolken" und mit einem um 18 Tage vorgezogenen Wahlkampf rasant zu vertreiben. An diese zwei Sätze sollte Müntefering sich am Wahlabend erinnern, dann kann er sich langes Räsonieren über das präsumtive Debakel ersparen. Denn das Problem der Regierung ist, dass Sommer und Scharping keines sind und keines waren. Tatsächlich waren sie nie etwas Anderes als "schnell fliegende Wolken". Sie sind längst verflogen - und geben den Blick auf einen bleiernen Himmel frei, genauer gesagt auf fast vier Millionen Arbeitslose, drohende Zusammenbrüche der sozialen Sicherungssysteme, eine kollabierende Börse etc. Die Regierung hatte vier Jahre Zeit, den Beweis zu erbringen, dass sie zumindest das eine oder andere dieser Probleme zu lösen in der Lage ist. Doch drängt sich jetzt der Eindruck auf, ihr hätten die vier Jahre nicht einmal genügt, um das Problem als solches zu erkennen. Der Wahlkampf, der schon längst begonnen hat, wird kein Vergnügen sein. Die einen haben nicht gezeigt, dass sie können, was sie wollen, die anderen haben 16 Jahre lang gezeigt, dass sie nicht können, was zu wollen wäre. Aber alle wünschen gewählt zu werden.
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