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Schnee wie seit 30 Jahren nicht: Was Sibirien jetzt über unseren Winter verrät

Winter-2026/27-Prognose: Sibirien meldet frühen Schnee, der Pazifik einen sehr starken El Niño. Was Meteorologen für ganz Deutschland jetzt erwarten.

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Schneetreiben in Nowosibirsk: Über Sibirien hat sich die Schneedecke in diesem Oktober ungewöhnlich schnell ausgebreitet. (Archivbild aus dem Jahr 2022)

Schneetreiben in Nowosibirsk: Über Sibirien hat sich die Schneedecke in diesem Oktober ungewöhnlich schnell ausgebreitet. (Archivbild aus dem Jahr 2022)

© Imago/Alexandr Kryazhev

So schnell wie in diesem Oktober hat sich die Schneedecke über Sibirien, der Mongolei und Kasachstan selten ausgebreitet. Nach einer alten Faustregel kündigt das einen eisigen Winter in Deutschland an. Wie wenig darauf Verlass ist, zeigen die Daten des Deutschen Wetterdienstes: Auf einen ähnlich schneereichen Oktober 2019 folgte einer der wärmsten Winter seit 1881.

Meteorologe Dominik Jung von wetter.net zählt den diesjährigen Vorstoß zu den schnellsten der vergangenen 30 Jahre. Gleichzeitig baut sich im tropischen Pazifik ein El Niño auf, der nach den Modellen alle bisherigen übertreffen könnte.

Schnee-Turbo in Sibirien: Was der Oktober gezeigt hat

Anfang Oktober lag in Russland noch auffallend wenig Schnee. In der zweiten Monatshälfte schob sich die weiße Decke dann rasch nach Süden und Westen, bis weit in die Steppen Zentralasiens.

Auf genau dieses Tempo achtet der US-Klimaforscher Judah Cohen seit Jahren. Sein Schnee-Vormarsch-Index misst, wie schnell sich der Schnee im Oktober über Eurasien legt, und galt lange als einer der besten Frühindikatoren für den europäischen Winter.

Wer die Entwicklung selbst verfolgen will, findet die Schneebedeckung der Nordhalbkugel im Global Snow Lab der Rutgers-Universität. Ob und wann es in Deutschland glatt wird, zeigen die amtlichen Warnungen auf wettergefahren.de.

Vom Kältehoch zum Polarwirbel-Bruch: So soll die Regel wirken

Frischer Schnee wirft bis zu 90 Prozent des Sonnenlichts zurück. Die Landmasse kühlt dadurch rasch aus, über ihr sammelt sich schwere Kaltluft. Daraus wächst das Sibirien-Hoch, im Winter das kräftigste Hochdruckgebiet der Nordhalbkugel.

Dieses Hoch stößt riesige Luftwellen an, die bis in rund 30 Kilometer Höhe reichen. Dort kreist der Polarwirbel, ein Band aus Höhenwinden, das die Arktisluft über dem Nordpol einschließt.

Gerät der Wirbel ins Wanken, sackt die Kaltluft nach Süden. Setzt sich dann Ostwind durch, erreicht trockene Frostluft aus Russland Deutschland. Das Thermometer bleibt in solchen Lagen oft tagelang auch mittags unter null.

Nur jeder zweite Winter: Die ernüchternde Bilanz seit 1979

Die Statistik dämpft die Vorfreude der Winterfans. Seit 1979 lag die Sibirien-Regel laut Jungs Auswertung nur in gut der Hälfte der Fälle richtig, in den vergangenen 15 Jahren sogar öfter falsch als richtig.

Besonders deutlich wird das an zwei Jahren mit kräftigem Oktoberschnee in Sibirien. Auf 2009 folgte ein Winter, der Deutschland im Januar 2010 wochenlang Schnee bis ins Flachland brachte.

Auf 2019 folgte ein Winter mit 4,1 Grad im Mittel. Das war damals der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Forscher vermuten, dass der Rückgang des arktischen Meereises und wärmere Ozeane den alten Zusammenhang geschwächt haben.

Plus 4 Grad im Pazifik: Der Super-El-Niño übernimmt

In diesem Winter dürfte ohnehin der Pazifik den Ton angeben. Die US-Klimabehörde NOAA führt El Niño in ihrer ENSO-Diagnose als laufendes Ereignis. Die Modelle der Weltwetterorganisation WMO sehen den Höhepunkt im November bei rund plus 4 Grad Abweichung.

Zum Vergleich: Beim bislang stärksten El Niño 1997/98 lag der Spitzenwert bei plus 2,4 Grad. Der Winter danach zählt bis heute zu den wärmsten der Messreihe, wie die Berliner Zeitung in ihrer Analyse zum Kältewinter-Risiko beschrieben hat.

Auch die großen Saisonmodelle rechnen für Deutschland eher mit einem milden, nassen Winter voller Atlantiktiefs. Doch ausgerechnet der Eiswinter 2009/10 war ebenfalls ein El-Niño-Winter.

El Niño macht einen milden Winter eben nur wahrscheinlicher.

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