POTSDAM. Brandenburgs Schüler werden nach den aktuellen Lehrplänen nicht ausreichend über die Zeit des Nationalsozialismus unterrichtet - und auch nicht über das Leben in der DDR. Dies räumte jetzt das Bildungsministerium ein. "Die Rahmenpläne haben sich als praxisfern erwiesen", sagte Ministeriumssprecher Martin Gorholt am Donnerstag. Die Anfang der 90er-Jahre erarbeiteten Pläne verpflichteten die Lehrer nicht, Themen wie den Holocaust tatsächlich im Unterricht anzusprechen. "Die Pläne sind nach 1990 im Hau-Ruck-Verfahren entstanden", sagte Gorholt. Deshalb erarbeite das Bildungsministerium nun verbindlichere Lehrpläne. So sollen bestimmte Bücher zur Pflichtlektüre werden, etwa das Tagebuch der im KZ Bergen-Belsen umgekommenen Jüdin Anne Frank. Ein weiterer Schwerpunkt soll der Systemvergleich zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus sein. Zudem soll die Bürgerbewegung in der DDR stärkere Berücksichtigung finden. "Auch der Rechtsextremismus in DDR und Bundesrepublik wird im Lehrplan stehen", sagte Gorholt. Eklat in Potsdam Spätestens im Schuljahr 2002/03 sollen die Rahmenlehrpläne in Kraft treten. Vorwürfe der Jungen Union (JU), der Nachwuchsorganisation der CDU, wies Gorholt zurück. JU-Landesgeschäftsführer Sebastian Schütze hatte Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) vorgeworfen, Brandenburgs Schüler verließen die Schulen ohne Wissen über die DDR und würden von ehemaligen DDR-Staatsbürgerkunde-Lehrern unterrichtet. "Das ist völlig falsch", sagte Gorholt. Immerhin 1 074 der 28 000 Lehrer im Lande hätten eine Weiterbildung in Politischer Bildung abgeschlossen. 400 Lehrer seien nach 1990 aus politischen Gründen entlassen worden. "Kein Staatsbürgerkunde-Lehrer unterrichtet heute Politische Bildung", sagte Gorholt.Auch der Potsdamer Landtagsabgeordnete Wieland Niekisch (CDU) kritisierte die Lehrer im Land. "Gerade in Kommunen, wo die PDS stark ist, fehlt es an kritischem Herangehen an die jüngste Geschichte", sagte er. Zum Beispiel habe die Potsdamer PDS-Stadtverordnete Barbara Göttel, hauptberuflich Lehrerin für Politische Bildung, während einer Debatte um die Schließung eines Potsdamer Jugendclubs gesagt, das 1950 gebaute Haus sei "in einer schönen Zeit als Symbol des Friedens" errichtet worden. Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck (SPD) hatte geantwortet: "Sie wollen doch nicht sagen, dass die Erziehung in der DDR mit ihrem Wehrkundeunterricht eine Friedenserziehung war?"Die Fraktionsvorsitzende der PDS, Anita Tack, wies die Kritik an den Lehrern zurück. "Klar gibt es manchmal Entgleisungen, aber insgesamt sind eher die Geschichtsbücher überarbeitungswürdig", sagte sie. So müsse klarer werden, dass die DDR als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges, den Deutschland verursacht habe, entstanden sei.
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