Schulstart 2022/23

Berlin: Das neue Schuljahr beginnt ohne Test- und Maskenpflicht

Das neue Schuljahr beginnt ohne einschränkende Corona-Maßnahmen. Lehrkräftemangel und Schulbau bleiben die großen Herausforderungen der kommenden Monate.

Eva Corino
4 Min
17. August 2022: Pressekonferenz zum Schulanfang  unter Führung der Schulsenatorin Astrid-Sabine Busse.

17. August 2022: Pressekonferenz zum Schulanfang unter Führung der Schulsenatorin Astrid-Sabine Busse.

© Volkmar Otto

Das neue Schuljahr in Berlin startet kommende Woche mit so vielen Schülerinnen und Schülern wie noch nie. Ihre Zahl steigt an den allgemeinbildenden Schulen im Vergleich zum vergangenen Schuljahr um gut 6800 auf 383.290. Darunter sind 37.050 Erstklässler, auch das ist ein Rekord. Und das neue Schuljahr startet ohne Test- und Maskenpflicht, versicherte Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) und ihre beiden Staatssekretäre am Mittwoch. Sie blicke mit Zuversicht in das neue Schuljahr, sagte die Senatorin, obwohl sich gleich mehrere Krisenlagen stellten: Neben Corona, der Ukraine-Krieg, die Personalnot und der Schulplatzmangel.

Da sich das Pandemie-Geschehen in den Sommerferien eher abgeschwächt hat, verzichte man auf Test- und Maskenpflicht, so die Senatorin. Der Senat stelle aber Schülern, die sich gerne testen wollen, weiterhin drei Tests pro Woche zur Verfügung. Aber diese Tests beruhen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.

Im Moment befindet sich das neue Infektionsschutz noch in Abstimmung mit den Bundesländern. Wird es wirksam, dann bekommt die Bildungsverwaltung das Recht, auf die Intensivierung des Infektionsgeschehens jeder Zeit mit der erneuten Einführung von Test- und Maskenpflicht zu reagieren.

Fast 60 neue Schulpsychologen

Um die psychischen Probleme, unter denen viele Schüler seit der Corona-Zeit leiden, besser aufzufangen, wurden in Berlin fast 60 neue Schulpsychologen eingestellt. Zu flächendeckenden Schulschließungen soll es nicht wieder kommen, versprach die Senatorin.

Außerdem seien inzwischen 21.000 Luftfilter in den Berliner Schulen angekommen, „statistisch für jeden Klassenraum einen“, sagte Staatssekretär Alexander Slotty. Doch bei einem schwachen Infektionsgeschehen dürfen sie nicht laufen, weil im Zuge des Ukraine-Kriegs auch die Schulen Energie sparen sollen. Deshalb soll zum Beispiel die Temperatur in den Klassenzimmern der weiterführenden Schulen auf 20 Grad gesenkt werden. Grundschulen, Kita und Horte sind davon ausgenommen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Durch eine große Anstrengung ist es den Berliner Schulen bereits gelungen, 5000 ukrainische Flüchtlingskinder aufzunehmen. 1000 ukrainische Flüchtlingskinder stehen noch auf der Warteliste für einen Schulplatz, doch gibt es offenbar noch 2200 Plätze, die auf Seiten der freien Schulen angeboten werden. Alexander Slotty betonte, dass Berlin in dieser Flüchtlingskrise eine „Drehscheiben-Funktion“ innehabe. Ein Pariser Kollege habe ihm mitgeteilt, dass an den Schulen in Paris bisher nur 200 ukrainische Flüchtlingskinder um Aufnahme gebeten haben. „Hier hat das Berliner Bildungssystem wirklich Beachtliches geleistet,“ so Slotty.

5000 Schulplätze für ukrainische Kinder, drei neue Begegnungsschulen

Für das nächste Schuljahr sollen außerdem drei Begegnungsschulen entstehen, an denen deutsche und ukrainische Kinder miteinander lernen. Wenn sich diese Pilotprojekte bewähren, will man eventuell nächste Schritte hin zu einer neuen Europa-Schule gehen.

Was den Schulbau angeht, so wartet die Bildungsverwaltung gespannt, ob die Investitionsplanung des Finanzsenators Ende August vom Parlament beschlossen wird. „Darauf reagieren wir dann“, sagte Alexander Slotty.

Der Lehrkräftemangel in diesem Schuljahr beläuft sich auf 875 Vollzeit-Stellen. Durch die wachsenden Schülerzahlen beläuft sich der aktuelle Bedarf an unbefristeten Stellen auf 2645 Vollzeit-Stellen. Bislang wurde schon Personal für 1610 Stellen rekrutiert – davon 455 Quereinsteiger, 38 sonstige Lehrkräfte und 1117 reguläre Laufbahnbewerber.

Anteil an Quereinsteigern geht zurück

Der Anteil der Quereinsteiger ist im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen – „wahrscheinlich, weil das Reservoir an Quereinsteigern nach acht Jahren langsam erschöpft ist“, vermutet Holger Schmidt, der in der Senatsverwaltung für Personalmanagement zuständig ist.

Der aktuelle Bedarf an befristeten Vollzeit-Stellen beläuft sich auf 1426, hier hat man sogar über Bedarf eingestellt: nämlich 1586 Menschen mit pädagogischen Vorkenntnissen, darunter Masterstudierende, Pensionäre, Willkommenslehrkräfte.

Mit Ausnahme der Gymnasien ist die Personalnot in allen Formen der Berliner Schule ähnlich groß. Die Schulen sollen die Stundentafel weiter abdecken und ansonsten selbst entscheiden, wo sie kürzen. Busse bemüht sich, den Berliner Lehrkräftemangel zu relativieren: „In anderen Bundesländern arbeitet man schon mit Headhuntern und denkt über die Vier-Tage-Woche nach. An diesem Punkt sind wir in Berlin zum Glück noch nicht!“

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner