Schulverwaltung warnt Lehrer vor Teilnahme an Protestaktion

Martin Klesmann
3 Min

Am Rande der Abgeordnetenhaussitzung dürfte es heute ziemlich laut werden. Denn Eltern, Schüler und auch Lehrer wollen ab 12 Uhr mittags in der Zimmer- /Ecke Wilhelmstraße in Mitte gegen die schlechten Arbeitsbedingungen an den innerstädtischen Grundschulen protestieren. "Gut 20 Grundschulen wollen sich beteiligen", sagt Vera Vordenbäumen vom Bezirkselternausschuss Friedrichshain-Kreuzberg. Erwartet werden mindestens 2 000 Teilnehmer. Die zentralen Forderungen der Protestierenden: In Problemvierteln soll keine Grundschulklasse mehr als 20 Kinder haben, ansonsten sollte in ganz Berlin die Klassengröße auf 24 Schüler beschränkt werden. Große Klassen sind ein echtes Problem, wie Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) bei der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses einräumen musste. Nach seinen Aussagen gibt es in Berlin noch immer 420 Grundschulklassen mit mehr als 27 Schülern, das sind zwar 100 weniger als im vergangenen Jahr. Doch zum neuen Schuljahr sollen Klassen auch an Problemschulen statt maximal 24 sogar bis zu 28 Schüler haben.Weil verbeamtete Lehrer während ihrer Unterrichtszeit keine politischen Demonstrationen veranstalten dürfen, haben sie sich einen Trick ausgedacht: Sie nennen ihre heutige Aktion einen "demonstrativen Wandertag", und daran dürfen sich Lehrer beteiligen. "Wir wollen unseren Schülern ja auch mal das Abgeordnetenhaus zeigen", sagt eine Grundschullehrerin. Elternvertreter berichten, dass die Schulaufsicht Lehrer unter Druck gesetzt habe, damit sie sich nicht am Protest beteiligen. Schon bei der Demonstration vor einem Jahr seien mehrere Lehrer disziplinarrechtlich belangt worden. Es habe sogar Abzüge vom Gehalt gegeben, sagt Elternvertreterin Vera Vordenbäumen. 75 Euro in mehreren Fällen.Gestern Morgen versandte Erhard Laube, Abteilungsleiter der Bildungsverwaltung, wieder einen Rundbrief an die Schulleiter. Die geplante Aktion sei im Grundsatz "erfreulich", heißt es darin. Allerdings warnt Laube dann: "Es ist unstrittig, das Schüler nicht für politische Ziele instrumentalisiert" werden dürfen. Von daher sei es "nicht rechtens, als Schule dem Aufruf" zu folgen. Die Demo-Veranstalter aber berufen sich auf die Bestimmungen der Schulverwaltung zu Wandertagen. Demnach dürfen nur solche Veranstaltungen nicht als Wandertag besucht werden, die dem Bildungsziel der Schule entgegenstehen. "Das ist hier aber nicht der Fall", sagt Mitveranstalter Jürgen Schulte.Grundschulleiter aus Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg sind auch verärgert darüber, dass die neuen Sekundarschulen mehr Sprachförderstunden erhalten werden als die Grundschulen. "Sprache muss man möglichst früh lernen", sagt eine Lehrerin. Doch während es an Grundschulen im sozialen Brennpunkt nur 0,15 Förderstunden pro Schüler mit entsprechendem Bedarf gibt, sollen es an den neuen Sekundarschulen 0,22 Förderstunden sein. Die Zahl der zu fördernden Schüler ist für ganz Berlin erheblich ausgeweitet worden - aber die Zahl der zur Verfügung stehenden Förderstunden ist gleich geblieben. Für Friedrichshain-Kreuzberg fallen daher 33 Lehrerstellen weg, kritisierte gestern Abend Schulstadträtin Monika Herrmann (Grüne).------------------------------"Unsere Aktion entspricht den Vorschriften. Es handelt sich hier um einen Wandertag."Organisator Jürgen Schulte

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