Es ist ein unverkennbares Geräusch, das an diesem Wochenende durch das Tal an der Uhlig-Mühle nahe dem Sachsenring hallt. Wer in der DDR aufgewachsen ist, riecht und hört hier sofort Heimat. Die Simson-Mopeds sind zurück– und mit ihnen ein Stück ostdeutsche Identität, die sich weigert, zu verschwinden. An der geschichtsträchtigen Mühle findet das Simson-Treffen bereits zum zweiten Mal statt.
An der Uhlig-Mühle am Sachsenring dreht sich am Sonntag alles um die beliebten Zweitakter des Ostens. Neben den Simson-Treffen Zwickau (STZ) und Suhl (STS) finden jährlich zahlreiche kleinere Events statt. Braucht es noch ein weiteres? „Man kann unsere Ostlegenden gar nicht oft genug ehren“, sagt Organisator Mike Moncsek. „Die Community liebt es, bei gutem Wetter unterwegs zu sein und sich zu treffen.“
Die Wettervorhersage für Sonntag ist sehr gut. Das Russentreffen – nur wenige hundert Meter entfernt –, bei dem sich alles um Traktoren und Landmaschinen dreht, musste vom Veranstalter um eine Woche verschoben werden. Eigentlich sollte es dieses Wochenende stattfinden, wurde aber wegen durchnässter Felder abgesagt. Während die schweren Ketten- und Radfahrzeuge auf dem weichen Boden versinken würden, haben die leichten Zweiräder aus Suhl leichtes Spiel. Das Wetterglück scheint diesmal ganz auf der Seite der Simson-Fahrer zu sein, die trockenes Pflaster und Sonnenschein für ihre Ausfahrten nutzen können.
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Neben der S-Reihe und den etwas weniger bekannten SR50- und SR80-Modellen wird auch die Vogelserie einrollen. Im vergangenen Jahr, bei der Premiere, waren es nach Angaben des Veranstalters bereits mehr als 250 Teilnehmer. „Die Sicherheit geht vor. Wir wollen nichts illegal Getuntes!“, sagt Moncsek und fügt hinzu: „Wir haben dieses Jahr auch einen Fahrsicherheits- und Prüfstand vor Ort.“
Die Faszination der Unverwüstlichkeit
Dass die Faszination für Schwalbe, Star, Sperber und die S50- beziehungsweise S51-Modelle ungebrochen ist, liegt nicht nur an der Nostalgie. Es ist die technische Konstruktion selbst, die diese Maschinen über Jahrzehnte gerettet hat. Entworfen als einfache, extrem robuste Alltagsfahrzeuge für die breite Bevölkerung, basieren die Motoren auf dem Prinzip maximaler Effizienz bei minimalem Materialaufwand. Ein Simson-Zweitakter lässt sich mit Standardwerkzeug, einer neuen Zündkerze und etwas handwerklichem Geschick oft am Straßenrand reparieren. Diese Zugänglichkeit schafft eine tiefe Beziehung zwischen Fahrer und Maschine – eine Eigenschaft, die modernen Motorrollern oft fehlt. Diese Beliebtheit trägt nicht unwesentlich dazu bei, dass heute Preise von bis zu 5000 Euro für eine Simson im Bestzustand aufgerufen – und auch gezahlt – werden.
Zweitakt in Grün und Orange: Simson-Mopeds wecken bei vielen Erinnerungen an erste Fahrten, lange Schrauberabende und den unverwechselbaren Klang ihrer Jugend.
© Chempic/imago
Ein weiterer entscheidender Faktor für den anhaltenden Boom ist der Einigungsvertrag. Als juristische Besonderheit dürfen Simson-Kleinkrafträder, die vor dem 28. Februar 1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind, trotz ihres Hubraums von 50 Kubikzentimetern legal 60 Kilometer pro Stunde fahren. Reguläre Kleinkrafträder sind heute auf 45 km/h beschränkt. Dieser Geschwindigkeitsvorteil macht die Oldtimer im heutigen Stadt- und Berufsverkehr zu echten, alltagstauglichen Alternativen – besonders für Jugendliche ab 15 Jahren, die mit dem AM-Führerschein einsteigen.
Gemeinschaft auf zwei Rädern
Es werden Schrauber-Anekdoten geteilt, seltene Ersatzteile wechseln den Besitzer, und der typische Duft von verbranntem 1:33- und 1:50-Gemisch liegt in der Luft. Das Treffen zeigt einmal mehr, wie lebendig dieses technische Erbe geblieben ist. Es verbindet Generationen: Jugendliche, die stolz ihre erste selbst polierte S51 präsentieren, stehen neben Senioren, die genau dieses Modell vor vierzig Jahren im Alltag gefahren sind. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen – und die Straßen rund um den Sachsenring trocken bleiben.
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