Parlamentswahl

Schweden vor Machtwechsel: Mitte-links-Opposition gewinnt hauchdünn

Nach tagelanger Auszählung steht das vorläufige Ergebnis fest: Anderssons Lager erhält 176 Sitze, die Regierung 173. Die Regierungsbildung dürfte trotzdem schwierig werden.

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Magdalena Andersson mit dem sozialdemokratischen Parteisekretär Tobias Baudin bei der Wahlparty der Sozialdemokraten am 14. September in Stockholm.

Magdalena Andersson mit dem sozialdemokratischen Parteisekretär Tobias Baudin bei der Wahlparty der Sozialdemokraten am 14. September in Stockholm.

© Jonas Ekströmer/imago

Die Opposition in Schweden hat die Parlamentswahl mit einem Vorsprung von nur drei Mandaten gewonnen. Nach Abschluss der Stimmenauszählung kommen die vier Oppositionsparteien auf 176 der insgesamt 349 Sitze im Reichstag. Das bisherige Regierungslager von Ministerpräsident Ulf Kristersson erreicht 173 Mandate, wie die schwedische Wahlbehörde am Donnerstag mitteilte.

Damit liegt das von der sozialdemokratischen Oppositionsführerin Magdalena Andersson angeführte Lager knapp über den 175 Sitzen, die für eine Mehrheit im Parlament erforderlich sind.

Alle Stimmen sind inzwischen ausgezählt. Formal endgültig ist das Ergebnis allerdings noch nicht. Nach Angaben der schwedischen Wahlbehörde wird das Resultat der Reichstagswahl etwa eine Woche nach dem Wahltag festgestellt. Die Behörde hatte angekündigt, das endgültige Ergebnis am Wochenende nach der Wahl vorzulegen.

Sozialdemokraten bleiben stärkste Kraft

Stärkste Partei wurden erneut Anderssons Sozialdemokraten. Nach den von SVT auf Grundlage der Daten der Wahlbehörde veröffentlichten Zahlen erhielten sie 28 Prozent der Stimmen und 99 Sitze. Die Moderaten von Ministerpräsident Kristersson erreichten 19,9 Prozent und 70 Mandate.

Die Schwedendemokraten von Jimmie Åkesson kamen auf 17,5 Prozent und 62 Sitze. Sie verloren damit rund drei Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2022. Reuters zufolge ist es das erste Mal seit ihrem Einzug in den Reichstag im Jahr 2010, dass die Partei bei einer Parlamentswahl Stimmenanteile verliert.

Zum Oppositionslager gehören neben den Sozialdemokraten die Linkspartei mit 30 Sitzen, die Grünen mit 22 Mandaten und die Zentrumspartei mit 25 Sitzen. Auf der anderen Seite kommen die Liberalen auf 19, die Christdemokraten auf 22, die Moderaten auf 70 und die Schwedendemokraten auf 62 Mandate.

Die Wahlbeteiligung lag nach den derzeit veröffentlichten Zahlen bei 84,3 Prozent. Mehr als acht Millionen Menschen waren wahlberechtigt.

Schwierige Regierungsbildung zeichnet sich ab

Der Wahlsieg der vier Oppositionsparteien bedeutet noch nicht automatisch, dass sie gemeinsam eine Regierung bilden werden. Zwischen den Parteien bestehen erhebliche Differenzen.

Vor allem die Zentrumspartei und die Linkspartei liegen bei der Regierungsfrage auseinander. Die Vorsitzende der Zentrumspartei, Elisabeth Thand Ringqvist, hatte vor der Wahl ausgeschlossen, eine Regierung zu unterstützen, der die Linkspartei angehört. Die Linkspartei wiederum beansprucht eine Beteiligung an einer von Andersson geführten Regierung.

Andersson hat sich bislang nicht auf eine konkrete Regierungskoalition festgelegt und erklärt, sie sei zu einer breiten Zusammenarbeit bereit.

Die Sozialdemokratin war bereits von November 2021 bis Oktober 2022 Ministerpräsidentin und die erste Frau an der Spitze der schwedischen Regierung. Nach der Wahl 2022 verloren ihre Sozialdemokraten die Regierungsverantwortung an Kristerssons Bündnis.

Damals waren die Mehrheitsverhältnisse nahezu spiegelverkehrt: Das rechte Lager erhielt 176 Mandate, die Gegenseite 173. Kristersson bildete anschließend eine Minderheitsregierung aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen, die im Parlament von den Schwedendemokraten unterstützt wurde.

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