Kaum ein Bundesland verbinden Deutschlands Nachbarn so eng mit Russland wie Mecklenburg-Vorpommern. In Lubmin landen die Nord-Stream-Pipelines an, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warb jahrelang für die zweite Leitung, und die AfD will das russische Gas zurückholen.
Am Sonntag liegen SPD und AfD in den Umfragen Kopf an Kopf. Entsprechend genau verfolgen Medien in Polen, Dänemark und Finnland die Wahl, jeweils mit eigenem Schwerpunkt.
Polen: Frust im Grenzland
Am nächsten dran ist die Stettiner Regionalzeitung Głos Szczeciński. Ihre Reporter waren mehrere Tage in Vorpommern unterwegs und haben daraus eine achtteilige Serie gemacht. Im Vorbericht erinnert das Blatt daran, dass Schwesig an Nord Stream 2 auch nach der russischen Annexion der Krim festgehalten habe. Als wahlentscheidende Themen nennt die Zeitung die Abwanderung, fehlende Ärzte und Schulen auf dem Land sowie Energiepreise und Migration.
In den Gesprächen vor Ort sei ein Gefühl immer wiedergekehrt. Viele Menschen in der Region fühlten sich vernachlässigt und wie Bürger zweiter Klasse. Eine polnische Gemeinderätin aus Löcknitz sieht in einem AfD-Sieg dagegen eine Gefahr für die Zusammenarbeit, die an der Grenze über zwei Jahrzehnte gewachsen sei.
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Die konservative Wochenzeitung Do Rzeczy setzt einen anderen Akzent. Dass die SPD in der jüngsten ZDF-Umfrage knapp vorn liegt, wertet sie als gute Nachricht für das Establishment.
Dänemark: Wahlkampf auf der Simson
Der dänische öffentlich-rechtliche Sender DR berichtet eine Woche lang aus Mecklenburg-Vorpommern. Den Auftakt macht eine Moped-Ausfahrt der AfD, bei der Spitzenkandidat Leif-Erik Holm sagt, auf seiner Simson fühle er sich 40 Jahre jünger. Ein Vater erzählt dem Sender, er wähle die AfD wegen seiner Tochter, deren Unterricht schon jetzt wegen Lehrermangels ausfalle. Ein Rentner sagt, das Sozialsystem sei überlastet.
Auch Schwesig begleitet DR. Die Reporterin konfrontiert sie mit einem Einwand, den sie von AfD-Wählern oft gehört habe, im Wahlkampf gehe es zu viel ums Verhindern und zu wenig um Inhalte. CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters spricht gegenüber DR von einem Existenzkampf seiner Partei. In Lubmin fragt der Sender Anwohner, was sie von den AfD-Plänen halten, Nord Stream wieder in Betrieb zu nehmen.
Finnland: Entscheidet MV über Merz?
Der finnische Rundfunk Yle blickt vor allem auf den Kanzler. In Berlin werde offen darüber gesprochen, ob Friedrich Merz nach Sonntag zurücktreten müsse, schreibt Korrespondentin Anna Karismo. In Mecklenburg-Vorpommern könne die CDU sogar an der Fünfprozenthürde scheitern. Merz habe eine Reise nach New York abgesagt und die CDU-Spitze für den Wahlabend einberufen.
Auch die Brandmauer ist für Yle ein Thema. Wachse in der CDU der Druck, mit der AfD zusammenzuarbeiten, werde Merz' Stellung schwächer. Zudem erinnert der Sender an einen demografischen Umbruch. 1990 habe Mecklenburg-Vorpommern die jüngste Bevölkerung aller Länder gehabt, heute sei es umgekehrt.
Litauen: Der Blick aus Vilnius
Auf dem litauischen Portal Bernardinai ordnet der Politologe Gintas Karalius von der Universität Vilnius den Aufstieg der AfD ein. Wirtschaftliche und kulturelle Probleme hätten der Partei im Osten ebenso genützt wie die Migration. Die AfD sei längst fester Teil der politischen Landschaft und könne am Sonntag erneut stärkste Kraft werden. Selbst als Wahlsiegerin fände die AfD keinen Koalitionspartner, weil alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit ausschließen. Schwesig könnte dagegen mit der Linken und einem weiteren Partner eine Mehrheit bilden. Die Stettiner Zeitung bringt es in ihrer Überschrift auf eine Formel. Die AfD könne die Wahl gewinnen, regieren werde sie aber nicht.
Russland: Der Blick auf die Pipeline
In Moskau interessiert vor allem eine Frage, und zwar die nach Nord Stream. Die staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet ausführlich von der AfD-Abschlusskundgebung in Neubrandenburg und stellt die Aussagen von Parteichef Tino Chrupalla in den Mittelpunkt. Die AfD wolle gute Beziehungen zu Russland pflegen und die Pipeline wieder in Betrieb nehmen, gerade in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Leitungen in Lubmin ankommen. Schwesig und der SPD habe Chrupalla eine falsche Haltung zu Nord Stream vorgeworfen.
Das kremlnahe Portal EADaily hatte schon Anfang September über die Stimmung im Land berichtet. Unter der Überschrift, der Nordosten Deutschlands denke „falsch“ über Nord Stream, verwies es auf Umfragen, nach denen sich gut die Hälfte der Befragten in Mecklenburg-Vorpommern wieder russisches Öl und Gas wünscht.
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