4,27 Sekunden. Das ist kaum länger als eine Gelbphase an der Ampel, die innerorts drei Sekunden dauert.
Lian Yunzhi aus Chengdu löst in dieser Zeit einen komplett verdrehten Zauberwürfel. Und zwar im Schnitt, gemessen über einen ganzen Wettkampfdurchgang. Sie ist sechs Jahre alt.
Damit hält das Mädchen aus der südwestchinesischen Provinz Sichuan den Weltrekord der Frauen. Das meldete der chinesische Staatssender CCTV, CBS News griff den Bericht auf.
Zwei Zauberwürfel-Weltrekorde in drei Tagen
Lian brach die Bestmarke gleich zweimal. Bei einem Turnier in Wuhan kam sie zunächst auf 4,52 Sekunden.
Drei Tage später legte sie beim Wettbewerb Guangzhou GraDUAL 3x3 IV 2026 nach: 4,27 Sekunden. Beide Turniere waren von der World Cube Association (WCA) zertifiziert, dem Weltverband der Speedcuber.
Laut CCTV ist Lian die erste Frau, die offiziell im Schnitt unter 4,5 Sekunden geblieben ist. Im Video des Senders legt sie den gelösten Würfel ab, klatscht in die Hände und reckt die Faust. Im Haar: eine rot karierte Schleife.
So wird der Rekord am Zauberwürfel gewertet
Gewertet wird das sogenannte Average of Five. Jede Teilnehmerin bekommt fünf verdrehte Würfel vorgesetzt.
Die schnellste und die langsamste Zeit werden gestrichen, aus den drei mittleren wird der Schnitt gebildet. So steht es auch in der Weltrekordliste des Speedcubings.
Ein Patzer wird also verziehen, ein zweiter nicht. Wer so einen Rekord aufstellt, muss dreimal hintereinander fast perfekt sein.
1300 Algorithmen und drei Stunden Training am Tag
Lian beherrscht nach Angaben ihrer Mutter Lin Yangxi mehr als 1300 Lösungsalgorithmen. Das sind feste Zugfolgen für bestimmte Würfelstellungen, die sie auswendig abruft.
Im vergangenen Jahr habe ihre Tochter täglich zwei bis drei Stunden trainiert, sagte die Mutter der Lokalzeitung Red Star News, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet.
Die Eltern brachten sie außerdem zu Profitrainern nach Shanghai. Danach seien ihre Zeiten deutlich gesunken, meldet der australische Sender ABC unter Berufung auf chinesische Staatsmedien.
Zum Würfel kam Lian über einen Kurs, gebucht neben Tanz- und Musikstunden. Mit bloßem Auswendiglernen habe das wenig zu tun, betont die Mutter. Es gehe um logisches Denken.
Speedcubing ist ein Kindersport geworden
Lians Rekord ist spektakulär, aber kein Ausreißer. An der Weltspitze sitzen inzwischen fast nur noch Kinder.
Den absoluten Durchschnittsrekord hält der Chinese Yiheng Wang mit 3,51 Sekunden, aufgestellt im Juni in Hefei. Wang war schon bei seinen ersten Weltrekorden im Grundschulalter.
Die schnellste Einzellösung aller Zeiten gelang im Februar dem polnischen Grundschüler Teodor Zajder in Danzig: 2,76 Sekunden. Es war die erste offizielle Lösung unter drei Sekunden.
Und beim Frauenrekord? Noch im Mai hatte die damals neunjährige Cao Qixian ihn auf 4,68 Sekunden gedrückt und ihr nächstes Ziel ausgegeben: 4,5 Sekunden. Eine Sechsjährige war schneller.
Zauberwürfel in der DDR: ein Buch aus Ost-Berlin
Anfang der 80er-Jahre verzweifelten Erwachsene noch stundenlang am Würfel, auch in Berlin. 1982 brachte der VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften in Ost-Berlin „Der ungarische Zauberwürfel“ heraus.
Geschrieben hatte es der Berliner Physiker Wolfgang Hintze, promoviert an der Humboldt-Universität. Das Büchlein kostete 9,50 Mark und kam mit 171 Abbildungen.
In der Zeit, die Lian Yunzhi heute für den ganzen Würfel braucht, hätte man damals gerade die erste Seite umgeblättert.
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