Sie wurden als Kiezpolizisten bezeichnet, sie wurden belächelt, und ihre Uniformen saßen nicht nur schlecht und wirkten unmodern, sondern lösten sich sogar teilweise auf. Ihre Qualifikationen nach dreimonatigem Crash-Kurs wurden angezweifelt, sie wurden angepöbelt, manchmal sogar angespuckt. Doch mittlerweile gehören die Mitarbeiter der Ordnungsämter zum Alltag in Berlin, ihre Akzeptanz ist mit jedem Jahr gewachsen. An sieben Tagen pro Woche sind sie im Einsatz. Heute wird das fünfjährige Bestehen der Ordnungsämter mit einer Veranstaltung im Rathaus Schöneberg gefeiert.Ein wenig erinnerten die Anforderungen an die Ordnungsämter an eine "Eier legende Wollmilchsau", sagt Christian Gräff (CDU), Stadtrat für Ordnungsdienste in Marzahn-Hellersdorf. Die Ämter sind zuständig für Gewerbeanträge, sie kontrollieren, ob Küchen in Gaststätten verdreckt sind, ob Wirte Alkohol an Jugendliche ausschenken oder das Rauchverbot missachten. Die Mitarbeiter kümmern sich um Müllhaufen in den Wohngebieten, um Krach und Nachbarschaftsstreit und achten darauf, dass Hunde in Grünanlagen nicht unangeleint herumlaufen oder Kot auf Straßen und Plätzen hinterlassen.Als Anlaufstelle etabliertDie Hundehaufen in Berlin sind seit 2004 nicht weniger geworden, Papier und Grillabfälle liegen immer noch in vielen Parks und auch auf Bürgersteigen wird weiterhin geradelt. Dennoch bezeichnet Stadtrat Marc Schulte (SPD) aus Charlottenburg-Wilmersdorf die Ordnungsämter als "Erfolgsgeschichte". Sie hätten sich als Anlaufstelle für die Bürger etabliert. "Viele Bürger nehmen wahr, dass die Ordnungsamtsmitarbeiter nach dem Rechten schauen", bestätigt sein SPD-Amtskollege Oliver Schworck aus Tempelhof-Schöneberg. Bei rund 400 Kilometer Straßen im Bezirk könnten die Kollegen aber nicht überall sein. Deshalb setzt der Bezirk Prioritäten: Die Ordnungsämter kümmern sich besonders um falsches Parken, um illegal entsorgten Müll, um Radfahrer auf Fußwegen und um verschmutzte Grünanlagen. "Das sind die Dinge, die die meisten Leute ärgern", sagt Schworck.Der SPD-Stadtrat kritisiert, dass die Ordnungsämter immer mehr Aufgaben bekommen haben, das Personal aber längst nicht ausreicht. Für die Kontrollen zur Einhaltung des Jugend- und Nichtraucherschutzgesetzes gab es zwar 88 zusätzliche Stellen - für alle zwölf Bezirke. Stadtrat Thomas Ruschin (CDU) aus Reinickendorf fordert: "Wir brauchen eine vernünftige Personalausstattung." Dazu gehöre die Genehmigung des Senats, Mitarbeiter dauerhaft von außen einzustellen. Bisher mussten vor allem Kräfte aus dem Zentralen Stellenpool eingesetzt werden. Doch dort fand sich nicht immer geeignetes Personal. Denn die Arbeit im Ordnungsamt ist nicht ungefährlich - knapp 100 Angriffe auf Mitarbeiter werden jährlich registriert. Bei einem Drittel endet das mit teilweise bösen Verletzungen. Auch deshalb fordert die Gewerkschaft der Polizei eine bessere Ausstattung der Ordnungsämter. Die CDU im Abgeordnetenhaus hatte dazu schon im Frühjahr eine parlamentarische Offensive gestartet, sagt der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Robin Juhnke.Die Senatsinnenverwaltung hält das Personal "im Prinzip für ausreichend", sagt Sprecherin Nicola Rothermel. Das Geld für die 88 zusätzlichen Stellen sei den Bezirken zugewiesen worden. "Ein Problem sind die aktuellen Einsparungszwänge", sagt die Sprecherin. In manchen Bezirken würden in den Ordnungsämtern zwar die neuen Stellen geschaffen, dafür aber andere Stellen in gleichen oder ähnlichen Bereichen eingespart.------------------------------Bezirk Mitarbeiter Ordnungsamt Einsatzzeiten im Außendienst Einnahmen 2008Innendienst Allg. Ordnungsdienst (ohne Knöllchen)2004 2009 Sollstärke 2004 2009 Sollstärke Mo.-Fr. Sa., So., Feiertage in EuroCharlottenburg-Wilmersdorf k.A. 78 78 k.A. 55 55 6-22 Uhr 6-22 Uhr 1 599 177Friedrichshain-Kreuzberg 12 36 k.A. 11 33 39 6-22 Uhr 10-18 Uhr 2 300 000Lichtenberg 19 24 24 2 30 35 6-22 Uhr 8-16 Uhr 599 341Marzahn-Hellersdorf 46 57 59 14 32 32 6-22 Uhr 6-22 Uhr (nur Sa.) 1 395 854Mitte k.A. 50 k.A. 28 39 52 7-22 Uhr 7-22 Uhr 709 666Neukölln 45 38 k.A. 14 37 k.A. 6-22 Uhr 6-22 Uhr 1 272 526Pankow 39 34 34 16 39 39 6.30-22 Uhr 10-18 Uhr 713 000Reinickendorf 34 40 41 15 33 37 6-21.54 Uhr 10-17.54 Uhr 891 450Spandau k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A. k.A.Steglitz-Zehlendorf k.A. 14 14 5 27 32 7-22 Uhr 7-22 Uhr (So ab 12) 1 900 000Tempelhof-Schöneberg 63 73 k.A. 16 38 k.A. 6-22 Uhr 6-22 Uhr 946 000Treptow-Köpenick k.A. 30 k.A. 30 30 32 7-22 Uhr keine 233 127------------------------------"Hätten wir mehr Personal, könnten wir mehr Präsenz zeigen." C. Spallek, Stadtrat, MitteFoto: Auf Streife: Seit 1. September 2004 gibt es in Berlin Ordnungsämter.
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