Diplomatie

Selenskyj nimmt Lulas Angebot an: Brasilien soll im Ukraine-Krieg vermitteln

Brasiliens Präsident will eigene Kontakte zu allen fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat nutzen – auch zu Russland und China. Erste Schritte sollen in den kommenden Wochen folgen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will neue diplomatische Schritte zur Beendigung des Ukraine-Kriegs mit anstoßen.

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva will neue diplomatische Schritte zur Beendigung des Ukraine-Kriegs mit anstoßen.

© Evaristo Sa/AFP

Die Ukraine hat das Angebot des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva angenommen, an einer diplomatischen Lösung im Krieg mit Russland mitzuwirken. Das sagte Dmytro Lytwyn, Kommunikationsberater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, am Freitag vor Journalisten in Kiew. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete darüber.

Hintergrund ist ein rund 40-minütiges Treffen der beiden Staatschefs am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains am Mittwoch. Nach Angaben Lytwyns besprachen Selenskyj und Lula, wie die festgefahrene Diplomatie wieder in Gang kommen könne. Lula habe mehrere Vorschläge gemacht, darunter die Nutzung seiner Kontakte zu den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrats. Beide Präsidenten hätten vereinbart, auf dieser Grundlage konkrete Schritte zu versuchen und die Ergebnisse später erneut zu erörtern, so Lytwyn laut der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine.

Gute Kontakte zu Russland und China

Zu den fünf Vetomächten im UN-Sicherheitsrat zählen neben den USA, Frankreich und Großbritannien auch Russland und China. Mit Moskau und Peking unterhält Lula nach eigenen Angaben regelmäßige Gesprächskanäle. Nach dem G7-Treffen sagte der brasilianische Präsident vor Journalisten, er habe bereits mit den Staats- und Regierungschefs aller fünf Vetomächte gesprochen und werde dies erneut tun. Selenskyj habe seine Vermittlungsangebote in der Vergangenheit nicht aufgegriffen, nun aber angenommen, so Lula laut Reuters.

Neue Anläufe nach gescheiterten Gesprächen

Auf der Plattform X bezeichnete Selenskyj das Treffen als gut. Er habe Lula über die Haltung der russischen Gesellschaft zum Krieg sowie über den diplomatischen Austausch mit den USA und weiteren Partnern informiert, schrieb er. Auch Lula erklärte auf X, beide Seiten hätten vereinbart, in den kommenden Wochen in Kontakt zu bleiben.

Die Ukraine bemüht sich nach Angaben von Reuters derzeit verstärkt um neue diplomatische Initiativen, nachdem von den USA vermittelte Friedensgespräche zu Jahresbeginn am russischen Beharren auf weiteren Gebietsabtretungen gescheitert waren. Kiew lehnt solche Zugeständnisse ab. Selenskyj hatte US-Präsident Donald Trump aufgefordert, sich erneut als Vermittler einzuschalten und ein direktes Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin zu organisieren. Putin hat ein solches Treffen bislang ausgeschlossen.

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