Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Kremlchef Wladimir Putin nach russischen Angaben über die Eroberung der ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka öffentlich herausgefordert. Sollte die Stadt tatsächlich unter russischer Kontrolle stehen, könne Putin ihn dort treffen, schrieb Selenskyj am Samstag auf der Plattform X. Die ukrainische Armee wies die russischen Angaben zur Einnahme der Stadt erneut entschieden zurück.
„Wenn Kostjantyniwka wirklich unter russischer Kontrolle wäre, hätte Putin sicher kein Problem, sich dort mit mir zu treffen und einen diplomatischen Weg zur Beendigung dieses Krieges zu finden“, schrieb Selenskyj nach einem Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Tatsächlich werde der russische Präsident die Frontlinie jedoch nicht überqueren. „Die Realität sieht ganz anders aus als Putins Worte.“ In dem Gespräch mit Merz standen die Lieferung weiterer Patriot-Raketen und die aktuelle Entwicklung an der Front im Mittelpunkt.
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Streit über Kontrolle der Stadt
Zuvor hatte Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärt, russische Truppen hätten Kostjantyniwka vollständig eingenommen. Generalstabschef Waleri Gerassimow bezeichnete die Stadt als einen der wichtigsten ukrainischen Verteidigungspunkte im Donbass und sprach ebenfalls von einer erfolgreichen Einnahme. Die ukrainische Armee widersprach diesen Angaben umgehend. Armeesprecher Andrij Kowaljow sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Behauptung sei „falsch“. Die Kämpfe dauerten an. Zwar sei die Lage schwierig, die Stadt werde aber weiterhin von den ukrainischen Verteidigungskräften gehalten.
Auch der Sprecher des ukrainischen Generalstabs, Major Andrij Kowaljow, erklärte gegenüber Ukrainska Prawda, russische Infanteriegruppen seien zwar in Teile der Stadt vorgedrungen. Ukrainische Einheiten hielten jedoch weiterhin Verteidigungsstellungen und führten Einsätze gegen russische Sabotagetrupps durch.
Selenskyj wirft Putin Desinformation vor
Selenskyj sprach von einem weiteren Versuch Moskaus, die internationale Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Putin habe „die Welt und den Präsidenten der Vereinigten Staaten“ über die Lage an der Front belogen. Die Behauptung über die Einnahme der Stadt sei lediglich ein Versuch, Schlagzeilen zu produzieren.
Kostjantyniwka gehört gemeinsam mit Kramatorsk und Slowjansk zum sogenannten ukrainischen „Festungsgürtel“ im Donbass. Die Städte gelten als wichtigste Verteidigungslinie gegen den russischen Vormarsch in der Region.
Unabhängige Bestätigung fehlt
Nach Einschätzung ukrainischer Militäranalysten von DeepState haben russische Truppen die Außenbezirke der Stadt aus mehreren Richtungen erreicht und versuchen, weiter vorzurücken. Ob Russland bereits größere Teile der Stadt kontrolliert, lässt sich derzeit jedoch nicht unabhängig überprüfen.
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