UN-Generalversammlung

Selenskyj nennt Putin „Patient Zero“ – Lawrow schließt Feuerpause aus

Vor der UN fordert Wolodymyr Selenskyj mehr Druck auf Russlands Einnahmen und warnt vor einem harten Winter. Moskau will die Kämpfe nicht für Verhandlungen aussetzen.

3 Min
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht am Mittwoch vor der 81. UN-Generalversammlung in New York.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht am Mittwoch vor der 81. UN-Generalversammlung in New York.

© Peter Foley/imago

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat vor der UN-Generalversammlung zu mehr wirtschaftlichem Druck auf Russland aufgerufen und Wladimir Putin ungewöhnlich scharf angegriffen. „Russlands Einnahmen müssen ein Ziel bleiben“, sagte Selenskyj am Mittwoch in New York. Wer Russland durch Handel zusätzliches Geld verschaffe, gebe dem Krieg mehr Zeit.

Fast zeitgleich machte Russlands Außenminister Sergej Lawrow im UN-Sicherheitsrat deutlich, dass Moskau seine Angriffe nicht für Verhandlungen unterbrechen will. Nach Darstellung Lawrows würde eine solche Pause der Ukraine und ihren Unterstützern lediglich Gelegenheit geben, weitere Waffen bereitzustellen. AP fasste seine Position so zusammen: Russland sei zu Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden bereit, werde den Krieg dafür aber nicht „pausieren“.

Selenskyj: Russlands Einnahmen müssen „ein Ziel bleiben“

Selenskyj verband seine Forderung nach wirtschaftlichem Druck ausdrücklich mit der Finanzierung des russischen Angriffskriegs. Deshalb dränge die Ukraine auf Einschränkungen des Handels mit Russland und greife selbst russische Einnahmequellen an, sagte er.

Die ukrainischen Streitkräfte attackieren seit Monaten unter anderem russische Raffinerien und andere Energieanlagen. Dass der russische Staatshaushalt stärker unter Druck steht, zeigen auch aktuelle Zahlen aus Moskau: Finanzminister Anton Siluanow rechnet für 2026 inzwischen mit einem Haushaltsdefizit von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Geplant waren ursprünglich 1,6 Prozent. Als Gründe nannte er unter anderem zusätzliche Ausgaben für die Luftverteidigung und Maßnahmen gegen Kraftstoffengpässe nach ukrainischen Angriffen.

Selenskyj griff Putin in seiner Rede auch persönlich an. „Können Sie ihn sich überhaupt ohne Krieg vorstellen?“, fragte er und bezeichnete den russischen Präsidenten als „Patient Zero“ – also als Ausgangspunkt, von dem sich der Krieg seiner Darstellung zufolge immer weiter ausbreite. Dieser müsse gestoppt werden.

Selenskyj warnt vor hartem Winter

Der ukrainische Präsident warnte zugleich vor einer weiteren Eskalation vor Beginn des Winters. Die Ukrainer hätten diesen Krieg nicht gewählt, sagte er. Sie entschieden sich vielmehr dafür, „nicht zu sterben“ und ihr Land, ihre Familien, ihre Unabhängigkeit und Freiheit nicht zu verlieren.

Sollte Russland die ukrainische Energieversorgung und Heizungsinfrastruktur weiter angreifen, werde die Ukraine versuchen, auch Russland einen hohen Preis zahlen zu lassen. Der kommende Winter könne für die Ukraine sehr hart werden. Gerade deshalb seien noch vorher Schritte zur Deeskalation notwendig, sagte Selenskyj.

Bereits am Dienstag hatte er bei einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump über solche Schritte gesprochen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidialamts erklärten beide Seiten, den Krieg möglichst noch vor dem Winter beenden zu wollen. Reuters berichtete zudem, Selenskyj werbe für eine gegenseitige Vereinbarung, Angriffe auf Energieanlagen einzustellen. Kiew sei dazu bereit, sofern Moskau ebenfalls darauf verzichte.

Lawrow: Russland will militärische Ziele weiterverfolgen

Lawrow wies Forderungen nach einer Unterbrechung der Kämpfe zurück. Im offiziellen Protokoll des UN-Sicherheitsrats warf er europäischen Staaten vor, eine Kampfpause nutzen zu wollen, um die Ukraine weiter aufzurüsten. Es gebe für Russland „keinen Grund“, die Umsetzung der Ziele seiner sogenannten „militärischen Spezialoperation“ auszusetzen, sagte Lawrow. Mit diesem Begriff bezeichnet Moskau seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Damit bleiben die Positionen beider Seiten trotz der jüngsten diplomatischen Gespräche weit auseinander. Während Selenskyj vor dem Winter zumindest begrenzte Schritte zur Deeskalation fordert, hält Moskau an der Fortsetzung seiner militärischen Operation fest.

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