MITTE. Die Fenster kann Michael Peschke nachts schon lange nicht mehr aufmachen. Er wohnt an der Alexanderstraße, direkt neben der Großbaustelle für das neue Shopping- und Entertainment-Center Alexa. "Wir sind seit Monaten wegen des Lärms völlig genervt. An offene Fenster ist überhaupt nicht mehr zu denken. Und nachts stören auch die vielen Baustellenscheinwerfer", sagt er. Weil die vielen Beschwerden der Anwohner beim Senat sowie Anzeigen bei der Polizei bislang keinen Erfolg hatten, haben sie jetzt einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) geschickt.Lärmwerte werden überschrittenFast 150 Anwohner der Alexanderstraße haben den Brief unterschrieben. Darin kritisieren sie, dass seit April in der Baugrube Tag und Nacht außer an Sonn- und Feiertagen gearbeitet wird. Verärgert sind sie auch deshalb, weil die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt eine entsprechende Ausnahmezulassung bis zum 27. November verlängert hat und der 24-Stunden-Betrieb nun an allen Wochentagen erlaubt ist. Wie es in dem Brief heißt, wurden zugleich die Immissionsrichtwerte, also die Lärmwerte, für die Nachtzeiten von 45 auf 55 Dezibel erhöht. "Lärmschutz existiert hier für uns nicht. Wir haben keine Lust mehr, ständig die Verfehlungen auf der Baustelle aufzuschreiben, ohne dass sich etwas ändert", sagt Peschke.Bei eigenen Schallmessungen in der Nacht haben die Anwohner Werte von mehr als 60 Dezibel ermittelt. Das liegt weit über der Ausnahmezulassung. Dass in Spitzenzeiten die zulässigen Werte überschritten wurden, bestreitet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht. "Auf Grund der Anwohnerbeschwerden haben wir eigene Messungen durchgeführt. Durchschnittlich liegen die Werte aber im Rahmen der Lärmschutzverordnung, es besteht kein Handlungsbedarf", sagt Sprecherin Petra Rohland. Dennoch werde derzeit geprüft, ob eventuell Lärmverstöße vorliegen. Dass die Ausnahmezulassung verlängert wurde, begründet Petra Rohland damit, dass es bei der Abdichtung der Baugrube Probleme gegeben habe.Nach Informationen der Berliner Zeitung beträgt der Bauverzug bei dem Großprojekt bereits rund zweieinhalb Monate. Dennoch halten die Investoren, das portugiesische Unternehmen Sonae Sierra und sein französischer Partner Foncière Euris, an ihrem bisherigen Zeitplan fest: Das 290 Millionen Euro teure Center soll im Herbst 2006 eröffnet werden.Die Verzögerungen haben jetzt auch Auswirkungen auf andere Bauvorhaben. Anders als vom Senat geplant, wird die Alexanderstraße nach zehnmonatiger Vollsperrung nicht mehr im Oktober für den Verkehr freigegeben. Neuer Termin: 30. November. Dann werden die Autos aber nur auf zwei Spuren von der Jannowitzbrücke Richtung Alexanderplatz rollen. Die andere Fahrbahnhälfte darf laut Senat von Sonae Sierra weiter als Baustelleneinrichtung genutzt werden.Ob die Anwohner nachts bald ruhig schlafen können, ist ungewiss. Wie Senatssprecher Michael Donnermeyer am Freitag sagte, wird der Brief an Wowereit an die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und den Bezirk weitergeleitet.------------------------------Grafik : Bebauung am AlexanderplatzDas Shopping-Center Alexa entsteht bis Herbst 2006 an der Alexanderstraße. Das Grundstück wird wegen seiner gekrümmten Form Banane genannt. In dem Center wird es 180 Läden geben, außerdem Freizeiteinrichtungen und Gaststätten.
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