Die Rettung der Berliner Kutschpferde ist nahe, und sie heißt: Leitlinien-Katalog. Nachdem die Senatsumweltverwaltung - auf eine Anfrage des SPD-Tierschutzsprechers Daniel Buchholz - eingeräumt hatte, dass die rund 40 in Berlin-Mitte eingesetzten Zugpferde für Touristenkutschen teils unzureichend versorgt seien und zu lange arbeiten müssten, werden voraussichtlich ab Januar neue Bestimmungen für Droschkenbetreiber gelten. Dies kündigte Torsten Nöldner, Tierschutz-Referent der Umweltverwaltung von Senatorin Katrin Lompscher (Linke), jetzt an. Eine Arbeitsgruppe unter seiner Leitung erarbeitet seit ein paar Monaten die Kriterien dafür; die letzten Abstimmungen auch mit dem Land Brandenburg, wo viele Betriebe ihren Sitz haben, könnten bis Dezember abgeschlossen sein, sagte Nöldner. "Dann werden wir die neuen Regeln Schritt für Schritt anwenden.""Fast schon rechtsfreier Raum"Buchholz hatte kritisiert, dass die Kutschfahrten in Berlin, die in den vergangenen Jahren immer öfter angeboten wurden, "fast schon im rechtsfreien Raum" stattfänden. Zwar gilt das Tierschutzgesetz, aber mangels einheitlicher Anforderungen ließen sich mutmaßliche Verstöße der Betreiber kaum nachweisen. "Wenn mir jemand sagt, am Gendarmenmarkt lahmt ein braunes Pferd hinten links, dann ist es ja längst weg, bis ich da bin", beschreibt die Amtstierärztin von Mitte, Yvonne Gall, das Problem. Eine Kennzeichnung der Kutschen ist bisher nicht vorgeschrieben.Laut Senatsverwaltung sind die Gespanne teils zwischen elf und 14 Stunden ununterbrochen auf dem harten Asphalt im Einsatz - was selbstverständlich nicht artgerecht sei. Auch die Versorgung mit Heu und Gras, sogenanntem Raufutter, sei bislang unzureichend. "Es ist ein Unding", sagt der SPD-Abgeordnete Buchholz, "dass die örtlichen Behörden praktisch keine Handhabe gegen die Anbieter von Kutschfahrten haben." So brauchten die Fahrer nicht einmal einen Führerschein vorzuweisen, um ihre Kenntnis der Straßenverkehrsordnung zu dokumentieren - geschweige denn eine Erlaubnis zur Personenbeförderung, die ansonsten jeder Fahrradrikscha-Fahrer vorlegen muss.Amtstierärztin Gall hat jetzt in Absprache mit etlichen Kollegen Vorschläge zur Abhilfe vorgelegt, teils orientiert an der einzigen vergleichbaren Verordnung in Deutschland, dem niedersächsischen "Kutschen-Erlass". Dazu gehört eine Kennzeichnungspflicht der Gespanne, vergleichbar einem Nummernschild am Auto, ebenso wie ein einheitlicher Nachweis der Befähigung zum Kutschieren, zum Beispiel mittels einer bestandenen Sachkundeprüfung wie dem Deutschen Fahrabzeichen. Auch will sie ein Fahrtenbuch führen lassen, um die Einsatzzeiten der Tiere besser kontrollieren zu können. "Wir sind uns einig, dass die Pferde nicht länger als acht bis neun Stunden inklusive Pause arbeiten sollen." Auch sie plädiert dafür, dass Fahrerlaubnis und Personenbeförderungsschein obligatorisch werden. Nicht zuletzt will sie in der Nähe der Einsatzorte Rastplätze für die Pferde einrichten lassen, wo sie auf weichem Boden ungestört fressen und auch etwa Wasser lassen können. "Das tut nicht jedes Tier auf hartem Asphalt", sagt Expertin Gall. Dass in Berlin noch keine wirklich schweren Unfälle passiert sind, sei auch Glück, sagt die Amtstierärztin. "Wir sollten lieber etwas unternehmen, bevor etwas passiert."------------------------------"Die neuen Regeln sollten besser gestern als morgen gelten." Yvonne Gall, Amtstierärztin------------------------------Foto: Das Arbeitsleben der Berliner Kutschpferde soll bald geregelt werden - zugunsten der Tiere, versteht sich.
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