Manchmal genügt ein einziger Knochen, um in die Geschichtsbücher der Paläontologie zu kommen. In Thailand ist genau das passiert.
Ein Forschungsteam der Mahasarakham-Universität hat eine bislang unbekannte Dinosaurierart beschrieben – und das auf Basis eines einzelnen Rückenwirbels. Der Neuzugang heißt Uragasaurus kalasinensis und war ein gewaltiger Langhals.
Ein Name wie aus dem Mythos
Der Name ist Programm. „Uraga“ stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Schlange“, eine Anspielung auf den enorm langen Hals, für den seine Verwandtschaft berühmt ist. Der zweite Teil, „kalasinensis“, verweist auf die Provinz Kalasin im Nordosten Thailands, wo der Wirbel gefunden wurde.
Vor rund 143 Millionen Jahren, am Übergang vom Jura zur Kreidezeit, war diese Region eine von Flüssen durchzogene Seenlandschaft. Ein idealer Lebensraum für pflanzenfressende Riesen.
Ein Wirbel, tausend Details
Dass ein einzelner Knochen für eine neue Art reicht, klingt nach wenig. Für die Forscher war der Wirbel aber ein Glücksfall: Er trägt eine ungewöhnliche, Y-förmige Struktur, die so bei keinem anderen bekannten Dinosaurier auftaucht.
Ein Computertomograf brachte noch mehr ans Licht. Im Inneren des Wirbels verbergen sich zahllose kleine, luftgefüllte Kammern, fein verschachtelt wie eine Bienenwabe. Dieser Leichtbau half den tonnenschweren Tieren, ihr eigenes Gewicht überhaupt zu tragen.
Hälse, die alle Rekorde sprengen
Uragasaurus gehört zu den Mamenchisauriern, einer besonders extremen Gruppe unter den ohnehin schon riesigen Sauropoden. Bei manchen Vertretern wurde der Hals bis zu 15 Meter lang und machte damit fast die Hälfte der gesamten Körperlänge aus.
Warum diese Tiere derart absurde Proportionen entwickelten, ist bis heute nicht geklärt. Der lange Hals half vermutlich beim Fressen, meint der Sauropoden-Experte Paul Barrett vom Natural History Museum in London.
Denkbar seien aber auch andere Gründe: als Imponierorgan bei der Balz oder für Kämpfe zwischen Männchen, ähnlich wie heute bei Giraffen. Sicher belegen lasse sich das bislang nicht.
Eine alte Landkarte gerät ins Wanken
Lange galten Mamenchisaurier als rein ostasiatische Angelegenheit, mit den meisten Funden aus China. Dieses Bild bröckelt seit einigen Jahren.
Verwandte tauchten in Tansania auf, andere Spuren führten bis nach Sibirien. Der Fund aus Thailand schiebt das bekannte Verbreitungsgebiet der Gruppe nun weiter nach Südostasien.
Uragasaurus ist der erste offiziell benannte Mamenchisaurier Thailands und zugleich die inzwischen 15. Dinosaurierart des Landes. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Langhälse einst fast überall unterwegs waren.
Die Studie ist im Fachjournal Scientific Reports erschienen.
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