Nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya rückt die Vorsorge gegen geologische Katastrophen stärker in den Blick. In der chinesischen Drei-Schluchten-Region überwachen Fachleute gefährdete Felswände inzwischen mit Sensoren, Drohnen und Satellitentechnik. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua sollen diese Systeme drohende Erdrutsche frühzeitig erkennen und Schäden begrenzen.
Die Region um den Drei-Schluchten-Stausee am Jangtse ist durch steile Hänge und komplexe Gesteinsschichten besonders anfällig für Erdrutsche und Felsstürze. Mehr als 3000 potenzielle Gefahrenstellen wurden dort bislang identifiziert. Schwankende Wasserstände im Reservoir können die Stabilität der Hänge zusätzlich beeinflussen.
Das Wuhan-Zentrum der chinesischen geologischen Behörde hat nach eigenen Angaben ein mehrstufiges Überwachungssystem aufgebaut. Eine zentrale Plattform führt unter anderem geologische Karten, Verzeichnisse bekannter Gefahrenstellen sowie Mess- und Frühwarndaten zusammen. Damit sollen Veränderungen schneller erkannt und Schutzmaßnahmen besser koordiniert werden.
Millionen Kubikmeter Gestein über dem Jangtse
Wie groß die Risiken sind, zeigt eine Felsformation im Kreis Zigui in der Provinz Hubei. Dort reichen einzelne Spalten mehr als 110 Meter tief in den Berg. Mehr als 50 Risse durchziehen ein instabiles Gesteinspaket mit einem Volumen von über drei Millionen Kubikmetern.
Die Formation liegt unmittelbar neben der Hauptschifffahrtsroute des Jangtse. Ein Absturz in den Fluss könnte nach Einschätzung der Fachleute eine hohe Flutwelle auslösen und vorbeifahrende Schiffe gefährden. Der Felskörper sei derzeit durch mehrere bauliche Maßnahmen stabilisiert, erklärte der Ingenieur Li Ming gegenüber Xinhua.
An der Steilwand installierte Messgeräte erfassen rund um die Uhr kleinste Verformungen. Die Daten werden stündlich gebündelt und in Echtzeit an das Frühwarnsystem übertragen. Ergänzend untersuchen Drohnen schwer zugängliche Felsbereiche, während Satellitensysteme größere Bewegungen und mögliche Folgen wechselnder Wasserstände beobachten.
Drohnen können den Angaben zufolge auch nach einem Unglück eingesetzt werden, wenn Straßen unterbrochen oder Gefahrenstellen für Menschen nicht erreichbar sind. Ihre Aufnahmen sollen Rettungskräften rasch einen Überblick verschaffen. Die Technik kann persönliche Kontrollen jedoch nicht vollständig ersetzen.
Neue Verfahren sollen Felsen stabilisieren
Neben der Überwachung erprobt das Zentrum neue Schutzmethoden. Gefährdete Gesteinsblöcke werden dabei mit leichten Ankerseilen befestigt. Für Felsspalten wurde zudem ein Verfahren entwickelt, bei dem Mikroorganismen mit Füllfasern kombiniert werden. Es soll die Spalten stabilisieren und zugleich eine ökologische Wiederherstellung ermöglichen.
Die Behörde bezeichnet die Verfahren als Alternative zu herkömmlichen Schutzbauten, deren Haltbarkeit in wasserreichen Gebieten begrenzt sein kann. Unabhängige Angaben zur Wirksamkeit oder zu bisherigen Warnungen und verhinderten Schäden enthält der Xinhua-Bericht allerdings nicht.
Die Maßnahmen gelten zudem zunächst für die besonderen Bedingungen am Drei-Schluchten-Stausee und lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Bergregionen übertragen.
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Flutkatastrophe zeigt Grenzen der Vorsorge
Wie dringend bessere Beobachtungs- und Warnsysteme sind, zeigt die jüngste Katastrophe an der Grenze zwischen Nepal und Tibet. Nach Angaben der Behörden kamen bei der Sturzflut mindestens 955 Menschen ums Leben, rund 4500 wurden fünf Tage danach noch vermisst. Copernicus-Daten zufolge wurden allein im untersuchten Gebiet in Nepal mindestens 2500 Gebäude zerstört.
Chinesische und amerikanische Fachleute führen die Flut auf einen Gletscherabbruch am Langtang Lirung in Nepal zurück. Durch den Klimawandel schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und damit das Risiko von Erdrutschen erhöhen. Technische Überwachung kann solche Gefahren früher sichtbar machen und Evakuierungen erleichtern. Vollständig verhindern lassen sich Naturkatastrophen dadurch jedoch nicht.
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