Nordkorea will nach Angaben staatlicher Medien noch in diesem Jahr neue selbstfahrende Haubitzen an der südlichen Grenze stationieren. Machthaber Kim Jong-un habe am Mittwoch einen Rüstungsbetrieb besucht und dort die Produktion einer „neuartigen 155-mm-Selbstfahrhaubitze“ begutachtet, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Drei Bataillone einer Langstreckenartillerie-Einheit an der südlichen Grenze sollen demnach mit dem Geschütz ausgerüstet werden.
Die Reichweite des Geschützes liege bei mehr als 60 Kilometern, meldete KCNA. Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap würde damit auch die Hauptstadt Seoul aus nordkoreanischen Frontstellungen in Reichweite liegen.
Kim beobachtet Test von Kriegsschiff
Die erweiterte Reichweite werde „eine große Veränderung und einen Vorteil bei den Landoperationen unserer Armee bringen“, zitierte KCNA den nordkoreanischen Staatschef. Das neue Waffensystem verfüge über hohe Mobilität, ein automatisches Feuerleitsystem und eine verbesserte Fähigkeit zur Verarbeitung von Lageinformationen. Zusammen mit Raketensystemen und Mehrfachraketenwerfern soll das Geschütz nach den Worten Kims die Schlagkraft der Langstreckenartillerie deutlich erhöhen.
In einer separaten Meldung berichtete KCNA, Kim habe am Donnerstag das 5000 Tonnen schwere Kriegsschiff „Choe Hyon“ besucht und vor dessen Indienststellung einen Navigationstest im Gelben Meer beobachtet. Das Schiff solle bis Mitte Juni an die Marine übergeben werden. Begleitet wurde Kim laut Yonhap von seiner Tochter Ju-ae.
Südkoreanische Beamte und Experten gaben laut Reuters an, Nordkorea habe durch die Lieferung von Raketen und Artillerie an Russland für dessen Krieg gegen die Ukraine Daten zum Einsatz seiner Waffen gewonnen.
Nordkorea überarbeitete Verfassung
Die Ankündigungen erfolgen laut AP wenige Tage, nachdem das südkoreanische Vereinigungsministerium die im März überarbeitete Verfassung Nordkoreas veröffentlicht hatte. Pjöngjang strich darin alle Verweise auf eine Wiedervereinigung und definierte Südkorea als eigenen Staat, erklärte der südkoreanische Geheimdienst NIS laut dem Abgeordneten Park Sun-won der regierenden Demokratischen Partei, wie Yonhap berichtete.
Zugleich seien feindselige Formulierungen gegenüber Seoul abgeschwächt worden. Der NIS wertete dies dem Bericht zufolge als Versuch, die Beziehungen zu Südkorea abzubrechen und gleichzeitig einen „Status quo zu wahren“, anstatt eine offensive Haltung einzunehmen.
Selbsterklärte Atommacht: Nordkorea weist Pflichten aus dem Atomwaffensperrvertrag zurück
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]