Belästigung

Sexuelle Belästigung in medizinischer Ausbildung: Studie zeigt erschreckendes Ausmaß

Einer Studie zufolge ist sexuelle Belästigung bei angehenden Medizinern weit verbreitet. Eine Tätergruppe fällt besonders auf.

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Eine Studie der Uni Würzburg zeigt eine deutliche Verbreitung von sexueller Belästigung in der medizinischen Ausbildung.

Eine Studie der Uni Würzburg zeigt eine deutliche Verbreitung von sexueller Belästigung in der medizinischen Ausbildung.

© Jan Woitas/dpa

Rund 42 Prozent der Medizinstudierenden in Deutschland sind nach eigenen Angaben mindestens einmal während ihres Studiums sexuell belästigt worden. Das geht aus einer Studie der Universität Würzburg hervor, an der etwa 5600 Personen von 44 medizinischen Fakultäten teilgenommen haben. Studienautorin Sabine Drossard stellte die Ergebnisse im Deutschlandfunk vor.

Weitere 15 Prozent der Befragten gaben an, sich nicht sicher zu sein, ob sie eine entsprechende Erfahrung gemacht hätten. Drossard wertet dies als Hinweis darauf, dass es Studenten teilweise schwerfalle, einen möglichen Vorfall einzuordnen.

Besonders ausgeprägt ist die Belastung im sogenannten praktischen Jahr (PJ), dem letzten Abschnitt des Medizinstudiums, in dem die angehenden Ärzte in Kliniken arbeiten. Hier berichteten 66 Prozent der Studenten von sexueller Belästigung. Bei den weiblichen PJ-Studenten lag der Anteil bei 74 Prozent, bei den männlichen bei 29 Prozent. An der Befragung nahmen laut Drossard deutlich mehr Frauen als Männer teil.

Belästigung geht überwiegend von Patienten aus

Als häufigste Tätergruppe identifizierte die Studie die Patienten selbst: Knapp 94 Prozent der Betroffenen nannten sie als Ausgangspunkt der Belästigung. Es folgen Fach- und Oberärzte mit 64 Prozent sowie Mitstudierende mit 69 Prozent.

In der Befragung wurde nicht nach konkreten Vorfällen differenziert, sondern allgemein erfasst, ob entsprechende Erfahrungen gemacht wurden. Anzügliche Kommentare von Patienten – etwa während körperlicher Untersuchungen – beschrieb Drossard als „Dauerbrenner“.

Problem setzt sich nach dem Studium fort

Nicht jeder Vorfall sei strafrechtlich relevant, so die Studienautorin, „aber so gut wie immer herabwürdigend“. Sie fordert daher niederschwellige Beratungsangebote für angehende Mediziner sowie die Möglichkeit, Vorfälle vertraulich an einer unabhängigen Stelle zu melden.

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Drossard verwies darauf, dass die Belastung mit Abschluss des Studiums nicht ende. Eine Mitgliederbefragung des Ärzteverbandes Marburger Bund habe ebenfalls ein hohes Ausmaß an Machtmissbrauch und sexueller Belästigung im ärztlichen Berufsalltag dokumentiert.

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