In Sachsen ist erstmals das Shamonda-Virus bei Rindern nachgewiesen worden. Das Virus sei bei einem Rind im Vogtland sowie bei einem Rinderbestand im Erzgebirge festgestellt worden, wie das sächsische Sozialministerium mitteilte. Auf Nachfrage bei den zuständigen Veterinärämtern der Landratsämter des Erzgebirges und des Vogtlandkreises wurde das bestätigt. Im Vogtland, so Veterinäramtsleiterin Dr. Anne Schilder, habe man mittlerweile in vier Beständen das Virus nachgewiesen, elf Proben seien gerade bei der Landesuntersuchungsanstalt zum Test.
Das Virus bewirkt bei Milchkühen, den Angaben zufolge, einen deutlichen Milchrückgang und Fieber. In befallenen Beständen komme außerdem Durchfall dazu. Das Virus wird durch spezielle Stechmücken, sogenannte Gnitzen, übertragen und breitet sich sehr schnell in den Herden aus. Es ist noch nicht klar, ob und inwieweit längerfristige Schäden durch das Virus zu erwarten sind, wie es weiter hieß. Die Symptome ließen sich tierärztlich gut behandeln. Die Tiere würden nach zwei bis drei Wochen wieder gesund, eine Impfung existiert bisher nicht.
Die Veterinärbehörden stehen laut Ministerium mit denen von Bund und Ländern in engem Kontakt und analysieren die Lage, erklärte die zuständige Ministerin Petra Köpping (SPD). „Wichtig sind regelmäßige Kontrolle der Rinderbestände und ein möglichst effektiver Mückenschutz in den Ställen“, erläuterte sie.
Winzig im Alltag, riesig unter der Lupe: Ein Gnitzenweibchen saugt Blut auf menschlicher Haut,es überträgt bei Kühnen das Shamonda-Virus.
© Imago/H. Bellmann/F. Hecker
Gnitzen übertragen erstmals Viren in Sachsen
Das vor einigen Wochen erstmalig in Süddeutschland, der Schweiz und Ostfrankreich nachgewiesene Shamonda-Virus ist auch von der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen vergangene Woche bestätigt worden. Der Befund wurde zudem am 28. August vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bestätigt. Damit ist das Virus sehr schnell in Sachsen angekommen. Auch in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurden bereits Fälle nachgewiesen.
Beim Shamonda-Virus handele es sich um einen neuartigen Erreger aus der Gattung der Orthobunyaviren, heißt es seitens des zuständigen Sozialministeriums. Die gegenwärtigen Wetterbedingungen mit milden Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit würden eine schnelle Ausbreitung begünstigen. Es ist noch unklar, ob und inwieweit längerfristige Schäden durch das Virus zu erwarten sind.
Die Ähnlichkeit zu anderen Viren wie dem gefürchteten Schmallenberg-Virus lassen vermuten, dass Missbildungen und Fehlgeburten bei einer Infektion während der Trächtigkeit folgen könnten. Der Krankheitsbefall betrifft bisher ausschließlich Rinder. Das Schmallenberg-Virus hingegen betreffe auch Schafe und Ziegen. Als vorläufige Schutzmaßnahmen werden regelmäßige Kontrollen der Herden auf Symptome, Mückenschutz und Durchlüftung in Ställen empfohlen. Verdächtige Tiere sollten isoliert und tierärztlich behandelt werden.
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Amtstierärztin im Vogtland setzt nicht auf Kontrollen
Am 10. September, um 14 Uhr, findet ein Informationswebinar für Rinderhalter und praktische Tierärzte statt. Das Virus ist eng mit den Viren der Simbu-Serogruppe verwandt, zu der auch das erwähnte Schmallenberg-Virus und das Akabane-Virus gehören. Das Schmallenberg-Virus trat 2011 erstmals in Deutschland auf und wird ebenfalls durch Stechmücken übertragen.
Vogtland-Amtsärztin Anne Schilder sagt, über das Virus selbst sei leider noch recht wenig bekannt. Wo genau im Kreis das Shamonda-Virus nachgewiesen wurde, unterliege dem Datenschutz. Wie die speziellen Stechmücken, die diese Erkrankung übertragen, in den Vogtlandkreis gelangten, entziehe sich ihrer Kenntnis.
Auch wenn nun schon in vier Beständen im Vogtlandkreis Fälle bekannt wurden, setze man noch nicht auf eigene Kontrollen durch das Veterinäramt, vor allem weil es sich (zumindest noch) nicht um eine anzeige- oder meldepflichtige Tierseuche handelt. Neuartige Viren, wie das Shamonda-Virus, treten glücklicherweise sehr selten in der Region auf, ist die Veterinäramtschefin froh.
Amtsarztveterinär im Erzgebirge: Keine Panik
Ihr Kollege Dr. Mario Stein, ebenfalls selbst Tierarzt und Amtsleiter des Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramtes im benachbarten Erzgebirgskreis, spricht von bislang einem nachgewiesenen Fall in seinem Landkreis. „Wir können vor Ort wenig tun, außer unsere Rinderhalter zu besonders aufmerksamen Kontrollen ihrer Bestände anzuhalten“, sagt Stein. Er erhoffe sich von der Konferenz am Donnerstag kommender Woche Aufklärung und Deeskalation. „Es ist ja keine Maul- und Klauenseuche. Panik ist aus meiner Sicht erst einmal nicht angebracht“, so der Amtsleiter, der bei Auffälligkeiten bei Tieren empfiehlt, zügig eine Blutuntersuchung vornehmen zu lassen, die bei der Landesuntersuchungsanstalt kostenfrei stattfindet.
Er hofft, dass die derzeit sehr medizintheoretischen Erkenntnisse auch für die Rinderhalter praktikabel heruntergebrochen werden. Egal ob die Chefs großer Milchviehanlagen mit 1500 Tieren oder der Landwirt mit Mutterkuhhaltung: Sie alle seien ja schließlich keine Veterinarmediziner und bräuchten eine populärwissenschaftliche und praxisnahe Information und Handlungsanweisung für den Fall einer Infektion.
Er weist auch darauf hin, dass so gänzlich neu dieses Virus ja auch nicht sei. In Afrika, Asien und Australien habe es Ähnliches schon in den 1960er Jahren gegeben, weshalb das Virus korrekterweise auch Shamonda-like-Virus (Shamondaartiges Virus) genannt werde. „Zur Vorbeugung des Virusbefalls durch die Gnitzen sind Insektizide in den Stallungen sowie Luftbewegung mittels Durchzug und Lüftern hilfreich. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es ohnehin nicht“, sagt Mario Stein.
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