BERLIN. "Remote Forensic Software", kurz: RFS, so nennt das Bundeskriminalamt sein Sesam-öffne-Dich für Computer, den Bundestrojaner. Es handelt sich dabei um ein Schnüffelprogramm, das hinter dem Rücken eines verdächtigen Computerbesitzers Daten über diesen sammeln und an Webseiten etwa vom BKA weiterleiten soll. So weit die Theorie.In der Praxis aber fangen die Schwierigkeiten an. Denn damit der Bundestrojaner wirksam wird, muss er erst auf dem zu bespitzelnden Computer installiert werden. Dazu müssen die Ermittler vorab genau wissen, welche Programme auf dem Ziel-PC installiert sind. Denn es gilt, Löcher in installierten Firewall- oder Antiviren-Programmen zu finden. Nur so lassen sich Daten von dem Schnüffelprogramm später unbemerkt ins Internet schleusen. Am einfachsten sei das durch einen "kleinen Einbruch beim Verdächtigen" zu bewerkstelligen, sagt Frank Rosengart vom Hackerverein Chaos Computer Club (CCC). BKA-Präsident Jörg Ziercke schließt ein solches Vorgehen allerdings aus: "Polizisten sind keine Einbrecher."Stattdessen glauben die Ermittler, den Trojaner mittels E-Mail-Anhängen oder manipulierten CDs und USB-Sticks des Verdächtigen installieren zu können. Selbst wenn dies gelänge, stünden die Beamten vor einem Kapazitätsproblem. Denn ein Bundestrojaner lässt sich genau einmal verwenden. Er muss jedes Mal neu programmiert werden. Ansonsten würden die Fahnder Gefahr laufen, etwa durch andere Antiviren-Software aufzufliegen. Auch Neuprogrammierungen sind keine Erfolgsgarantie: Es gibt längst Programme, die Schnüffelsoftware anhand des Kommunikationsverhaltens eines Rechners identifizieren. Auffällige Datenströme erzeugt ein Trojaner in jedem Fall. Kaum zu glauben, dass Terroristen auf solche Checks des PC verzichten würden.Aber vielleicht beim Handy? Oder dem Auto-Navigationssystem? Beides ließe sich zu einem Peilsender umprogrammieren, so Frank Rosengart vom Chaos Computer Club. Nicht umsonst wollten sich die Polizeibehörden das Recht einräumen lassen, in allen "informationstechnischen Systemen" stöbern zu dürfen. Selbst Waschmaschinen wären dann vor den Behörden nicht mehr sicher. Schließlich sind auch diese immer häufiger vernetzt. Der Spion könnte also bald in der Waschtrommel sitzen. Ob die polizeidienliche Hinweise enthält, darf jedoch bezweifelt werden.------------------------------"Selbst die Waschmaschine ist nicht sicher." F. Rosengart, CCC
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