Weil in den Bürgerämtern und Kfz-Zulassungsstellen gestreikt wird, müssen sich die Mitarbeiter immer öfter gegen aufgebrachte Bürger zur Wehr setzen. In der Zulassungsstelle Hohenschönhausen ist es am Mittwoch morgen sogar zu einem Polizeieinsatz gekommen. "Wir mussten zusätzlich zum Wachschutz vier Funkstreifenwagen zu Hilfe holen", sagte der Vizechef der Zulassungsstellen, Rainer Kotecki. Die Wartenden seien nicht bereit gewesen, das Gebäude freiwillig zu verlassen. Die Stimmung sei schließlich hochgekocht: "Wir mussten von unserem Hausrecht Gebrauch machen und für die Sicherheit sorgen."Nach seinen Angaben kümmern sich derzeit gerade einmal vier von 30 Mitarbeitern um die Anmeldung von Autos in Hohenschönhausen. Gestern war die Behörde völlig geschlossen. In der Kreuzberger Jüterboger Straße wurde kurz nach zehn Uhr dicht gemacht. Ein privater Sicherheitsdienst schützt schon seit mehreren Tagen die wenigen, nicht streikenden Mitarbeiter vor den immer ungeduldiger werdenden Bürgern. Der Streik im öffentlichen Dienst führt überall zu Wartezeiten von bis zu fünf Stunden oder zu gar keiner Bedienung mehr.In den Bürgerämtern können zurzeit, wenn überhaupt, meist nur bestellte Dokumente abgeholt werden. Im Rathaus Neukölln ist das einzige Bürgeramt während des Streiks geöffnet. Dort war gestern nach einer halben Stunde Schluss. Bis dahin hatten die aus allen anderen Bürgerämtern zusammengezogenen Mitarbeiter, überwiegend Beamte, etwa 250 Wartenummern ausgegeben. Die Neuköllner Stadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) hat ebenfalls einen Sicherheitsdienst zum Schutz ihrer Mitarbeiter geordert. "Außerdem schaut die Polizei regelmäßig vorbei", sagte die Stadträtin. In dieser Form sei die Arbeit aber nicht mehr lange aufrechtzuerhalten. Die Kunden würden zunehmend "richtig heftig" reagieren."Die Verzweiflung unserer Kunden steigt von Tag zu Tag", sagte auch Stadtrat Oliver Schworck (SPD) aus Tempelhof-Schöneberg. "Wir werden definitiv bald einen Wachschutz einsetzen." Im Rathaus Schöneberg, dem einzigen Amt im Bezirk mit Publikumsverkehr, würden die Mitarbeiter ständig angebrüllt. Um die Massen zu beruhigen, schreite regelmäßig der Amtsleiter ein. "Aber der kann auch nur sagen, dass es leider nicht anders geht", so Schworck. Die Spandauer Stadträtin Daniela Kleineidam (SPD) hat ähnliche Szenen bereits vor den Sommerferien erlebt. Damals wurde eine Angestellte von einem wütenden Kunden sogar angespuckt: "Wir haben überlegt, den Ordnungsdienst einzusetzen, doch der streikt ja auch."In Charlottenburg-Wilmersdorf ist von vielen verbalen Angriffen die Rede. "Kein Wunder, bei Wartezeiten von vier Stunden", sagt Stadtrat Marc Schulte (SPD). Der übliche Wachdienst reiche aber noch aus. In Friedrichshain-Kreuzberg versucht man, die Behörde in der Frankfurter Allee offen zu halten. Die Leiterin sieht allerdings für zusätzliche Sicherheitskräfte vorerst noch keine Notwendigkeit.Besserung ist nicht in Sicht. Verdi-Sprecher Andreas Splanemann sagte, der Streik soll fortgesetzt werden, "bis der Senat ein angemessenes Angebot vorlegt."------------------------------Streik ohne EndeIn den zwei Kfz-Zulassungsstellen in Hohenschönhausen und Kreuzberg wird seit dem 15. September gestreikt. Ein Ende ist, wie auch in den Ordnungsämtern, nicht abzusehen.In den 50 Bürgerämtern haben die unbegrenzten Arbeitsniederlegungen Ende September begonnen. Gestreikt wird montags bis donnerstags. Nur freitags ist geöffnet.In den städtischen Kitas und Horten wird kommende Woche bis Donnerstag die Arbeit niedergelegt.
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